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Ostkreis Die Trauer und Tränen überwiegen
Landkreis Ostkreis Die Trauer und Tränen überwiegen
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00:15 04.01.2014
Der letzte feierliche Akt in der Kirche: Mitglieder des Gemeindevorstands halten die Gottesdienst-Gegenstände in Händen, Propst Helmut Wöllenstein spricht vor dem bereits leeren Altar. Fotos: Tobias Hirsch Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Alles endet bei einem letzten Glockengeläut: Gemeinsam betete die Gemeinde das Vaterunser, auch wenn die Worte im Läuten untergingen. Propst Helmut Wöllenstein sprach den Segen, danach gingen alle sehr schweigsam auseinander. Ganz bewusst hatten sich Pfarrerin Stefanie Busch und Wöllenstein entschieden, den Gottesdienst im Freien enden zu lassen - als Zeichen dafür, dass das Leben in der Gemeinde auch nach dem Aus weitergeht. Jetzt konzentriert es sich in der Stadtkirche.

Die tiefe Traurigkeit vieler Teilnehmer war während des historischen Entwidmungsgottesdienstes allgegenwärtig. Erinnerungen an Feste, besondere Ereignisse im Pfarrbezirk II, wurden immer wieder geweckt. Dass die Traurigkeit nicht allein dominierte, lag an der sensiblen musikalischen Begleitung. Herausragend waren die gefühlvollen Gesangsdarbietungen von Marie Biletic und das Saxophonspiel von Gereon Muckelmann.

Pfarrerin Busch stand vor der herausragenden Aufgabe, in ihrer Predigt eine Brücke zwischen Gegenwart und Zukunft zu schlagen. Sie sprach über Trauer und Frustration in ihrem Gemeindebezirk, blickte zurück auf die „besseren Zeiten“, würdigte besonders, dass die Herrenwaldkirche evangelischen Russlanddeutschen über zwei Jahrzehnte hinweg zu einer Heimstätte wurde.

Auszug mit biblischem Vorbild

In Anlehnung an ein Bibelwort zum Auszug des Volkes Israel aus Ägypten verglich sie das Dach der Herrenwaldkirche mit einem Zelt. Es ließe sich auf einer Reise aufschlagen, aber auch wieder abbauen, um weiterzuziehen.

„Wir können das, was wir haben, nicht alles für immer halten“, sagte Busch in Anspielung auf die finanziellen Gründe, die zur Entscheidung des Kirchenvorstandes geführt hatten, die Kirche aufzugeben.

Während des Gottesdienstes gab es eine besondere Würdigung für Küster Gerhard Kroll und seine Frau Bernarde. Kroll hat 28 Jahre lang auf die Kirche achtgegeben, bei ihrer Gestaltung für Feiern und Gottesdienste geholfen, seine Frau Bernarde ist seit 12 Jahren im Einsatz gewesen.

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi sprach in seinem kurzen Gruß an die Gemeinde von der „stillen Betretenheit“, die alle angesichts der Entwidmung der Herrenwaldkirche erfasst habe. „Sie war für viele Menschen ein Rastplatz für die Seele“, sagte er.

Es oblag am Ende Propst Wöllenstein, den letzten formalen Akt zu vollziehen. Nach Verlesung der Urkunde mit dem formellen Beschluss verkündete er die Entwidmung.

Mitglieder des Kirchenvorstandes versammelten sich gleich danach rund um den Altar, auf dem ein letztes Mal die Bibel lag und die Kerzen brannten. Hans-Christian Malzahn trug als erstes die Osterkirche hinaus.

Alle Gottesdienst-Gegenstände wurden in ein Auto mit offenem Kofferraum verladen, um gleich danach in die Stadtkirche gebracht zu werden. Auch das sollte als Symbol verstanden werden, dass es weitergeht.

Auf die Zukunft hatte auch Dekan Hermann Köhler in seiner Ansprache während des Empfangs vor dem Gottesdienst besonders geblickt. „Eine Kirche zu entwidmen, bedeutet nicht, Kirche aufzugeben“, hatte er betont. Er sei zuversichtlich, dass es auch gelingen werde, eine Lösung für das nun ungenutzte Kirchengebäude samt Gemeindezentrum zu finden. Köhler hofft auf eine Lösung, „die auch den Menschen in diesem Stadtteil zugute kommt.“

von Michael Rinde

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