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Ostkreis Die Kochs machen keine halben Sachen mehr
Landkreis Ostkreis Die Kochs machen keine halben Sachen mehr
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17:58 08.10.2013
Evelyn und Oliver Koch fühlen sich in Großseelheim wohl – auch gegenüber des Pfarrhauses auf der Mauer vor der Kirche.Foto: Florian Lerchbacher
Großseelheim

Auf Oliver Koch kommt eine berufliche Veränderung zu, die allerdings wenig Auswirkung auf das Gemeindeleben haben soll. Der 40-Jährige gibt seine halbe Stelle als Pfarrer im Kirchspiel auf. Diese übernimmt seine Frau Evelyn, die bisher ebenso wie ihr Mann und Helmut Golin eine halbe Pfarrstelle innehatte. Rotierten bisher drei Geistliche im Kirchspiel Großseelheim-Kleinseelheim-Schönbach sind es nun eben nur noch zwei: „Und die kennen die Gemeindemitglieder ja nun“, betont Oliver Koch.

Seine Frau gibt dafür ihre halbe Stelle als Seelsorgerin und Pfarrerin an den Beruflichen Schulen in Kirchhain auf. Auf die 39-Jährige kommen nun einige neue Aufgaben zu, vor denen sie Respekt hat - in die sie sich jedoch „reinfuchsen“ will: „Mit Kindergartenleitung und Friedhofsverwaltung hatte ich ja nun bisher wenig zu tun“, sagt sie, schenkt ihrem Mann ein Lächeln und betont: „Die Wege zu jemandem, der sich bestens damit auskennt, sind aber zum Glück äußerst kurz.“

Oliver Koch beendet seine Tätigkeit als Gemeindepfarrer und wird Funktionspfarrer in Frankfurt: Ab dem 1. November ist er Referent für Weltanschauungsfragen im Zentrum für Ökumene in Frankfurt. „Früher hätte dies ,Sektenbeauftragter‘ geheißen“, erklärt er und betont, dass diese Bezeichnung zwar leichter zu merken sei, er aber nicht mehr so genannt werden will: „Das klingt so abgrenzend.“ Seine Aufgabe sei es, Feldforschung zu Gruppierungen neben den großen Kirchen zu betreiben. Er beobachte Einrichtungen wie die Neuapostolische Kirche oder die Zeugen Jehovas aus christlich-theologischer und stehe dann zum Beispiel bei Fragen zur Verfügung - als Experte oder als Seelsorger.

„Dieser neue Anfang bedeutet natürlich gleichzeitig einen Abschied aus dem Gemeindepfarramt. Allerdings ist es lediglich ein beruflicher Wechsel, der nicht mit einem Wohnortwechsel verbunden ist“, sagt er und gibt zu, dass dies für einen scheidenden Pfarrer ungewöhnlich sei. Da seine Frau als Pfarrerin in ihrer gemeinsamen Heimat aber weiterhin tätig ist, kam ein Umzug nicht in Frage. „Das ist unsere Heimat. Großseelheim ist ein lebens- und liebenswerter Ort“, betont er zudem.

Aus berufsbiografischer Sicht sei der Wechsel nur natürlich, betont Oliver Koch. „Er ist jetzt dran, seinen Traum zu verwirklichen“, drückt sich Evelyn Koch deutlicher aus. Schon während seines Studiums habe er einen Schwerpunkt auf andere Religionen und Weltanschauungen gelegt, ergänzt er. Natürlich verspüre er jedoch immer wieder Wehmut, wenn er sich vor Augen führt, dass er bestimmte Funktionen als Gemeindepfarrer gerade letztmals ausübe. „Ich werde einiges vermissen“, gibt er zu - nichtsdestotrotz werde er keinesfalls für seine Frau einspringen, sollte sie einmal verhindert sein: „Ich bin bald nur noch normales Gemeindemitglied.“ Mit „Rat und Tat zur Seite stehen“, werde er der Gemeinde aber natürlich weiterhin.

Oliver Kochs Steckenpferd waren die Bauprojekte - was beim Blick auf seinen Stammbaum mit einem Architekten als Vater und einem Schreiner als Großvater nicht wundert: In den vergangenen vier Jahren sorgte er für die Renovierung des Kindergartens, die energetische Sanierung des Gemeindehauses und die Umgestaltung des Altarbereichs in der Kirche: „Im Gemeindehaus erneuern wir noch den Fußboden und die Küche und gestalten das Gebäude behindertengerecht um“, sagt er - während seine Frau froh ist, sich darum nicht kümmern zu müssen.

Die Kochs glauben, dass die Auswirkungen auf die Gemeinde gering sind, weil Kontinuität da ist: Ihre theologische Einstellung sei ähnlich, das gleiche gelte für die Art, Predigten zu gestalten und Gottesdienste zu halten. „Und wir sind beide liberale Pfarrer“, sind sie sich einig.

Am Sonntag, 10. November, hält Oliver Koch in Großseelheim seinen letzten Gottesdienst. Wichtig ist ihm, dass es keine „große Verabschiedung“ gebe, da er dem Ort schließlich erhalten bleibe.

von Florian Lerchbacher

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