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Die Grundversorgung steht auf der Kippe

Amöneburg Die Grundversorgung steht auf der Kippe

Zurzeit läuft alles darauf hinaus, dass Edeka seinen Markt in Amöneburg zum 31. August 2010 schließt. Betreiber Martin Pietsch und Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg kämpfen dagegen an.

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Monika Metz aus Schweinsberg trotzte am Freitag dem Schneegestöber und ging in Amöneburg einkaufen.

Quelle: Lerchbacher

Amöneburg. „Der Parkplatz ist nicht ideal, die Zufahrt auch nicht“, weiß Martin Pietsch, der Betreiber des Edeka-Marktes. Aber: Die Kernstadt hat zumindest einen Supermarkt – fraglich nur, wie lange noch.
Nach Angaben von Pietsch und Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg will das Unternehmen seine Filiale in Amöneburg zum 31. August 2010 schließen – eine Stellungnahme von Hans-Richard Schneeweiß, dem Geschäftsführer der Edeka-Handelsgesellschaft Hessenring war dazu trotz mehrfacher Nachfrage der OP nicht zu erhalten.

Laut Richter-Plettenberg sind die Gründe für die geplante Schließung wirtschaftlicher Natur: die Umsätze sind zu niedrig, die Kosten für die Miete im Vergleich zu hoch. Doch der Bürgermeister will den Kopf nicht in den Sand stecken, schließlich geht es um die „Lebensqualität“ in seiner Gemeinde – und das Geld: Ohne Grundversorgung vor Ort sinke der Wert von Immobilien um 20 Prozent, betont er.

Auch Pietsch will so schnell nicht aufgeben, schließlich ist seine Familie seit 1926 in Mardorf beziehungsweise inzwischen in Amöneburg im Einzelhandel tätig. Aber: „Der Kunde entscheidet. Den Bürgern muss klar sein, dass die Geschäfte vor Ort ohne ihre Unterstützung keine Chance haben.“ Richter-Plettenberg ergänzt: „Scheinbar brauchen die Menschen ein anderes Einkaufserlebnis. Sie nehmen weite Anfahrten in Kauf, bezahlen aber die gleichen Preise wie hier.“ Unterschied sei nur, dass der Amöneburger Supermarkt kleiner sei, als manch modernes Einkaufszentrum.

„Es tut mir vor allem leid für unsere treuen Kunden“, sagt Martin Pietsch, seine Frau Cornelia ergänzt: „Die älteren Menschen sind besonders betroffen, weil sie nicht so mobil sind.“
Für Richter-Plettenberg gibt es aber noch einen weiteren Aspekt, der ihm aufstößt: Er habe bei einem Projekt der Uni Marburg einen Vortrag über die Grundversorgung im ländlichen Raum gehalten, und der Vertreter von Edeka habe sein Unternehmen dabei als „Partner des ländlichen Raums“ bezeichnet, der auf dem Land tiefe Wurzeln habe. Er fühle sich nach der Nachricht von der geplanten Schließung von dem Konzern an der Nase herumgeführt, da etwas propagiert werde, was dann nicht gelebt werde, ärgert sich der Bürgermeister.

von Florian Lerchbacher

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.

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