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Ostkreis Die Grenzgänger lassen sich von nichts aufhalten
Landkreis Ostkreis Die Grenzgänger lassen sich von nichts aufhalten
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06:16 09.07.2012
Rund 200 Wanderer schritten die Grenzen der Gemarkung ab.
Schwabendorf

„Schaut sie euch an, wie sie in Lumpen daherkommen.“ Kurz vor dem Ziel Wolfskaute empfingen Schauspieler des Theaters vom Bau Rauschenberg die Teilnehmer des Grenzgangs und erinnerten in einem kleinen Stück daran, wie die Rauschenberger im Jahr 1687 die Hugenotten bei sich empfingen. Sie waren in zwei Lager gespalten: die Lutheraner, die keine Glaubensfremden in ihrer Umgebung haben wollten, und die Reformierten, die sich offen für Neues zeigten.

325 Jahre Schwabendorf - und das ganze Dorf feiert. Zum Beispiel mit einem Grenzgang, an dem sich 200 Bürger beteiligten. OP-Redakteur Florian Lerchbacher wanderte mit.

Was früher bitterer Ernst war, diente am Freitag als Grundlage für humorvolle fünf Minuten, die schon einmal auf das Fest auf der Wolfskaute mit Spiel, Tanz und Musik einstimmten.

Dem vorangegangen waren viereinhalb abwechslungsreiche Stunden an den Grenzen der Schwabendorfer Gemarkung. Rund 200 Wanderer ab einem Jahr – der älteste war Heini Klein aus Wolfskaute mit 78 Jahren – genossen den rund sieben Kilometer langen Weg und nutzten die Zeit, um zu plauschen, zu lachen oder schlicht die Natur zu genießen.

Die Schwabendörfer feiern dieses Jahr ihr 325jähriges Bestehen.

Und wenn dann Abordnungen aus Schwarzenborn, Bracht, Albshausen oder Wolfskaute dazustießen, um auf gute Nachbarschaft anzustoßen, sagten auch die wenigsten Wanderer (und auch jene, die den Weg in einer Kutsche zurücklegten) nein.

Ausreichend Grundlage hatten sie nach der Rast in Bracht-Siedlung und der Verpflegung durch den Kleinseelheimer Bernd Möller ohnehin. Zum Rahmenprogramm gehörten dort außerdem ein Vortrag von Hobbyhistoriker Hans Naumann zum ehemaligen Flugplatz Bracht und Vorführung ender Ferienspiel-Kinder.

Insgesamt war der Grenzgang ebenso wie der Ausklang auf der Wolfskaute ein voller Erfolg – daran konnten auch ein zwischenzeitlicher Schauer und ein Zwangsstopp an der Bundesstraße 3 nichts ändern: Eigentlich hätte die Polizei die Straße absperren sollen und die Grenzgänger sicher auf die andere Seite geleiten. Bei der ersten Querung war von den Beamten nichts zu sehen, also halfen sich die Schwabendorfer in bester hugenottischer Manier selbst und sperrten die Straße kurz selbst. Bei der zweiten Querung warteten sie erst gar nicht, ob die offizielle Sperrung kommt.

Die Feierlichkeiten werden am heutigen Samstag um 19 Uhr mit einem Französischen Abend auf dem Hugenottenplatz fortgesetzt. Am morgigen Sonntag gibt es um 10 Uhr einen Gottesdienst, um 11 Uhr ist Eröffnung des stehenden Festzuges, um 18 Uhr Ausklang.

von Florian Lerchbacher