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Die Farbe Gelb dominiert

Aus dem Gericht Die Farbe Gelb dominiert

Der vermeintliche Mammutprozess um Untreue findet möglicherweise ein rasches Ende. Das deutete Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst am ­Ende des zweiten Verhandlungstages an.

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Ein Handwerksmeister aus dem Ostkreis hat die Arbeitnehmerbeiträge seiner Mitarbeiter für die Krankenkasse einbehalten.

Quelle: Thorsten Richter

Kirchhain. Die Richterin erklärte, dass die Beweisaufnahme am Montag vor dem Kirchhainer Amtsgericht abgeschlossen werde. Sie rechne zudem mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Wenn alles gut laufe, könne sogar am dritten Verhandlungstag das Urteil gesprochen werden.

In dem Prozess muss sich ein einschlägig vorbestrafter Handwerksmeister aus dem Ostkreis verantworten, weil er nach eigenem Geständnis in 25 Fällen die Arbeitnehmerbeiträge seiner Mitarbeiter für die Krankenkasse einbehalten hatte, wie diese Zeitung berichtete.

Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstages stand die Aussage der Insolvenzverwalterin. Sie habe zunächst den damaligen Geschäftsführer des Unternehmens telefonisch nicht erreichen können. Darauf sei sie auf Verdacht zu dem Betrieb gefahren, wo ihr der jetzige Angeklagte aus der Haustür entgegengekommen sei. Der Mann sei ihr freundlich begegnet.

Für den 4. August 2015 verabredete sich die Marburger Rechtsanwältin mit dem Geschäftsführer zu einem längeren Termin, bei dem sie die Unterlagen haben sichten wollen. Dabei sei der Inhaber wiederum freundlich, aber nicht ganz bei der Sache gewesen. Die notwendigen Unterlagen bekam sie nicht zu Gesicht, denn „eine geordnete Buchführung hat es nicht gegeben“, sagte die Insolvenzverwalterin dem Gericht.

Mitarbeiter beschimpften Geschäftsführer

Sie habe daraufhin ein paar Schränke geöffnet, in denen die Farbe Gelb dominierte. In auffällig gelben Umschlägen werden Zustellungsurkunden verschickt. Sie habe keine Informationen über den Stand der Firma bekommen. Deshalb habe sie alles verfügbare Material eingepackt, um es in der Kanzlei auszuwerten.

Die Zeugin berichtete ferner von einer Mitarbeiterversammlung, bei dem der Geschäftsführer lautstark beschimpft worden sei. Zu diesem Zeitpunkt seien die Mitarbeiter ohne Einkommen gewesen, weil die Zahlung des Insolvenzgeldes ausgelaufen war. Deshalb habe ein Großteil der Belegschaft nicht mehr gearbeitet. Sie habe die Mitarbeiter gebeten, wenigstens noch Kleinstaufträge auszuführen.

Die im Betrieb beschäftigte Schwester des Geschäftsführers bezeichnete die Zeugin als kooperativ. Dagegen habe sie der Geschäftsführer mit einigen Aussagen irritiert. Dazu habe es merkwürdige Vorkommnisse gegeben. Im Einzelnen nannte die Zeugin:

  • Der Geschäftsführer bezeichnete Festlegungen und Gutachten im Zusammenhang mit dem Insolvenzverfahren laut Zeugin als falsch.
  • Der Handwerksmeister wies die Insolvenzverwalterin auf dem Firmenareal auf Maschinenkisten hin, die alle leer seien. Die Mitarbeiter hätten diese gestohlen. Nach Auskunft der Mitarbeiter seien die Maschinen vom Inhaber einem Gläubiger zur Tilgung der Schulden überlassen worden.
  • Bei einem Einbruch wurden, so die Zeugin, Geräte gestohlen, „die man zu Hause gut gebrauchen kann“. Zudem verschwand ein Gerüst. Das sichernde Schloss blieb unversehrt.
  • Wichtige Kontoauszüge wurden laut Zeugin durch einen Wasserschaden zerstört.
  • Der Geschäftsführer bekundete gegenüber der Insolvenzverwalterin sein Interesse, den Betrieb im kleinem Umfang fortzuführen. Dass gegen ihn zu dieser Zeit ein Gewerbeunter­lassungsverfahren lief, verschwieg er laut Zeugin.

von Matthias Mayer

1. Verhandlungstag

Den Artikel zum ersten Verhandlungstag lesen Sie hier.

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