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Ostkreis Die Angst sitzt auf der Anklagebank
Landkreis Ostkreis Die Angst sitzt auf der Anklagebank
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19:27 07.11.2011
Ein Auszubildender des Kirchhainer Aldi-Marktes spielte bei dem fingierten Raubüberfall eine zentrale Rolle. Das kostete ihn den Ausbildungsplatz. Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. „Wie schmeckt denn die Freiheit so?“, fragt der Vorsitzende Richter und Amtsgerichtsdirektor Cai-Adrian Boesken am Montag den jüngeren der beiden Angeklagten. „Gut“, antwortet der berufs- und arbeitslose Jugendliche einsilbig mit ernster Mine. Nach dreimonatiger Untersuchungshaft, in die ihn Boesken wegen Verdunkelungsgefahr geschickt hatte, ist dem 18-jährigen Kirchhainer nicht nach Späßen zu Mute.

Zu viel steht für ihn auf dem Spiel. Der junge Mann, der am 23. März gegen 19.40 Uhr im sonst menschenleeren Kirchhainer Aldi-Markt seinen dort an der Kasse sitzenden Kumpel zum Schein mit einer offenbar ungeladenen Schreckschusspistole bedroht und den Kasseninhalt von 5.040 Euro erbeutet hatte, steht nicht nur wegen des fingierten Überfalls, sondern auch wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels vor Gericht. Stolze 79 Fälle hat die Polizei zwischen Juni 2008 und Juni 2011 ermittelt. Aus prozessökonomischen Gründen werden nur acht Fälle verhandelt. Zudem bringt der blasse Mann mit den dunklen Ringen unter den Augen trotz seiner Jugend ein Paket von fünf Vorbelastungen wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung mit in die Verhandlung. Entsprechend ernst und verunsichert folgt er der Verhandlung.

Gleiches gilt für seinen Kumpel, der zur Tatzeit Auszubildender bei Aldi war. Drei Anklagepunkte belasten ihn: der fingierte Raubüberfall, der verbotene Besitz eines Butterflymessers und eine gefährliche Körperverletzung: An einem nicht mehr bestimmbaren Tag Mitte des Jahres soll er in der Kirchhainer Fußgängerzone einen Jugendlichen grundlos zusammengeschlagen haben. Sieben Vorbelastungen, die der als 15-jähriger erstmals straffällig gewordene Kirchhainer angehäuft hat, sind nicht unbedingt dazu angetan, von dem Angeklagten künftig eine unbescholtene Lebensführung zu erwarten. So sitzt auch er mit versteinerten Gesicht neben seinem Pflichtverteidiger auf der Anklagebank.
Erst als Cai-Adrian Boesken nach gut dreistündiger Verhandlung die erhofften Bewährungsstrafen verkündet, huscht ein Lächeln über die Gesichter der Angeklagten. Ihre verteidiger sowie die Staatsanwältin erklären Rechtsmittelverzicht, so dass das Urteil sofort Rechtskraft erlangt.

von Matthias Mayer

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