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Die Altstadt wird zur Tempo-30-Zone

Parkplatzsorgen Die Altstadt wird zur Tempo-30-Zone

Soll die Stadt den Festplatz zum Parkplatz umbauen? Diese Frage spaltet die Bürger in zwei Lager und wird die Stadtverordneten weiterhin beschäftigen. Die Diskussionen sind in vollem Gange.

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Ob die Stadt den Festplatz aus dem Naturschutzgebiet überhaupt herauslösen und ihn zum Parkplatz machen kann , soll ein Ingenieurbüro klären. Foto: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Es gab eine Bürgerbefragung, es gab einen runden Tisch und in der Stadtverordnetenversammlung waren die Pläne, den Festplatz zum Parkplatz auszubauen, auch bereits Thema. Inzwischen haben die Diskussionen an Fahrt aufgenommen - die Stadtverordneten fassten aber schon einmal vier vorsichtige Beschlüsse.

Es fehlt in der Stadt Amöneburg an Parkplätzen - ein Parkhaus wäre zu teuer und leer stehende Häuser abzureißen, um dort Stellplätze zu schaffen, kommt aus Kosten- und Denkmalschutzgründen nicht in Frage. So steht es in der Vorlage, in welcher der Magistrat den Ausbau des Festplatzes und die einhergehende Schaffung von 60 Parkplätzen anregt.

Allerdings liegt der Festplatz im Naturschutz- und FFH-Gebiet. Eine "Entlassung" kommt laut einem Ingenieurbüro nicht in Frage, also müsste ein Befreiungsantrag gestellt werden.

Im Bauausschuss kritisieren fünf Gäste die Planungen

An diesem und dem folgenden Punkt, der die Aufhebung des verkehrsberuhigten Bereichs am Marktplatz und die Umwandlung der gesamten Innenstadt zur Tempo-30-Zone beinhaltet, scheiden sich die Geister. Sprach sich in der Bürgerumfrage und am runden Tisch die Mehrheit der Bürger für den Ausbau des Festplatzes aus, so seien im Bauausschuss fünf von sechs Gästen dagegen gewesen. Sie hätten Angst, dass einer der schönsten Plätze der Stadt verschandelt würde. Sie fürchteten den Begegnungsverkehr und forderten, dass es mehr Kontrollen geben solle und künftig nur Anwohner mit dem Auto in die Innenstadt fahren dürften, berichtete Ausschussvorsitzender Peter Greib (AWG).

Sein Kollege Hartmut Weber sprach wiederum über eine öffentliche Sitzung der AWG, in der sich alle fünf Gäste für das Konzept des Magistrats ausgesprochen hätten. „Beim Marktplatz sind allerdings Eltern dagegen, den verkehrsberuhigten Bereich aufzuheben, weil sie ihre Kinder einfach laufen lassen wollen. Aber auch momentan können sie dies nicht einfach tun, da sie in der Aufsichtspflicht sind“, ergänzte wiederum Greib, der sich dann die Anwohner des Marktplatzes vorknöpfte: Sie hielten sich am wenigsten an die Vorgaben und würden häufig zu schnell fahren und falsch parken. Dann kehrte er zum Thema Parkplätze zurück: „Klar, wir haben den Kuhberg, aber die Leute wollen nah bei ihren Autos sein. Wir brauchen also Parkplätze auf dem Festplatz.“

Winfried Kaul (SPD) regte an, über die vier Punkte der Magistratsvorlage separat abzustimmen - insbesondere, weil seine Fraktion mehrheitlich dafür ist, die Verkehrsberuhigung am Marktplatz aufzuheben.

Sozialdemokraten stimmen unterschiedlich ab

Letztendlich standen also vier Abstimmungen an. 15-mal „Ja“ und dreimal „Nein“ hieß es bei zwei Enthaltungen bei Frage eins (die sechs Sozialdemokraten stimmten unterschiedlich ab). Mit großer Mehrheit beschlossen die Stadtverordneten also, dass ein Ingenieurbüro eine „naturschutzfachliche Befreiung“ für den Festplatz einholen und die Frage klären soll, ob der Fest- überhaupt Parkplatz werden könne. Erst dann könnten Magistrat und Stadtverordnete sich zur Bauleitplanung, zur Finanzierung und zur Parkraumbewirtschaftung abstimmen.

Viermal mit „Nein“ und zweimal Enthaltung hieß es auf Seiten der Sozialdemokraten beim Punkt „Tempo-Limit“.

Mehrheitlich entschieden die Stadtverordneten jedoch, dass die Verkehrsberuhigung am Marktplatz aufgehoben wird und die Innenstadt zur 30-Zone werden soll. Schilder an den Ortseingängen sollen künftig ausreichen, um die Geschwindigkeit zu regeln, hebt Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und freut sich über die „Maßnahme gegen den Schilderwald“. Er erwartet auch keine Probleme mit der Max-Ehrenpfordt-Straße: Bezüglich der in der Altstadt liegenden Kreisstraße habe es bereits Vorgespräche mit dem Landkreis gegeben.

Einstimmig wiederum sprachen sich die Stadtverordneten für das Einholen von Kostenschätzungen (und die Berücksichtigung im Haushalt 2013) für versenkbare Poller in Rentereigasse und Burgweg aus. Diese sollen bei Veranstaltungen dazu dienen, den Bereich an der Stiftsschule für den Verkehr zu sperren und somit freie Fahrt für Rettungsdienste zu garantieren - „Wildparker“ hatten schon oft Zufahrten versperrt (die OP berichtete).

Bürger sollen ihren Mitmenschen helfen

Als letztes legten die Stadtverordneten fest, dass die Stadt ein Mobilitätskonzept für Bürger der Altstadt und der Siedlung erstellen soll. Geplant ist, dass Bürger sich an „Haltestellen“ platzieren und so Autofahrern ihr Interesse an einer Mitfahrgelegenheit signalisieren. „In einem kleinen Ort wie Amöneburg ist es wahrscheinlich, dass die mobilitätsbedürftige Person, die zum Marktplatz oder zum Einkaufsmarkt will (...) rasch auf eine ihr persönlich bekannte Person trifft, diesen Weg mit dem Pkw fährt und zur Mitnahme bereit ist. Die Person wird dadurch flexibler, und das bürgerschaftliche Miteinander wird gestärkt“, heißt es in der Magistratsvorlage.

Weiterer Bericht zur Stadtverordnetenversammlung folgt.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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