Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 8 ° heiter

Navigation:
Der dritte Darsteller schläft gelassen

Dinner for One in Rauschenberg Der dritte Darsteller schläft gelassen

Normalerweise gibt es beim „Diner for One“ in Rauschenberg ja nur zwei Darsteller. Am Silvesternachmittag schlich sich allerdings auf dem Marktplatz still und heimlich ein dritter Akteur hinzu.

Voriger Artikel
Einst sangen die Burschen
Nächster Artikel
Ein 120 Jahre alter Baum und ein altes Gemäuer

Während Miss Sophie und Butler James ihre Routine ausspielten, schlief eine Katze gelassen unter dem Tisch weiter.

Quelle: Karin Waldhüter

Rauschenberg. „Die gleiche Prozedur wie im letzten Jahr, Miss Sophie?“. Die Frage lässt sich in diesem Jahr klar mit Nein beantworten. Denn während Butler James zum 90. Geburtstag nicht nur Miss Sophie und den vier imaginären Herren Currysuppe, Schellfisch, Hühnchen und Obst servierte, schlich sich, völlig unbeeindruckt von hunderten Zuschauern, eine grau-weiße Katze ins Bühnenbild und machte es sich, nachdem sie noch kurz das Tigerfell inspiziert hatte, schließlich unter dem Tisch gemütlich.

Eine Situation, die es so beim „Diner for One“ wohl noch nicht gegeben hat und die beim Publikum außer der Reihe für etliche Lacher sorgte. Souverän meisterten Miss Sophie (Irmgard Schein) und Butler James (Helmut Klingelhöfer) den Moment, bewahrten ruhig Blut und fuhren unbeeindruckt in ihrem Stück fort. Seit 2005 begeistert das Rauschenberger „Theater vom Bau“ alljährlich mit dem in deutscher Sprache aufgeführten britischen Klassiker. Dabei macht es auch überhaupt nichts, dass längst jeder Zuschauer weiß, wann der treue Butler mit steigendem Alkoholpegel wieder einmal über den Tigerkopf stolpern wird und zunehmend betrunkentorkelig vor dem nächsten Gläschen noch ein ergebenes „Cheerio Miss Sophie Täubchen“ lallt.

Und nach unzähligen Varianten des Einschenkens schlussendlich auch noch versehentlich aus der Blumenvase trinkt, was mit einer Grimasse und der Bemerkung „Augen zu und ex“ quittiert wird. Die beiden Akteure verstanden es mit köstlichen Spielszenen das Publikum ein ums andere Mal aufs Beste zu unterhalten.

Bewährte Schauspieler, klassisches Szenen

Von der ersten Aufführung an hat die Vereinsvorsitzende Irmgard Schein die Rolle der Miss Sophie inne. Helmut Klingelhöfer ist die Rolle des ergebenen Butlers wahrlich auf den Leib geschneidert und nur einmal musste er in all den Jahren wegen einer Erkrankung auf einen Auftritt verzichten. Trotz knackig kalter Temperaturen war die Veranstaltung sehr gut besucht. Mehr als 250 Zuschauer wollten sich zum Jahresausklang die Aufführung nicht entgehen lassen.

„Für uns ist es ein Ritual hier zu sein und eine Tradition, die sich eingebürgert hat und dazu noch ein schöner Jahresabschluss“, erzählen Petra Enders und ihr Ehemann Friedhelm Schröpfer aus Rauschenberg. Wie viele andere Besucher ließen sie sich vor der Aufführung einen heißen Becher Glühwein oder Kinderpunsch schmecken und freuten sich im alten Jahr noch einmal Bekannte zu treffen. Am Ende des knapp zwanzigminütigen Stücks gab es einen lang anhaltenden Applaus des Publikums, den auch die Katze unter dem Tisch gelassen entgegennahm.

von Karin Waldhüter

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr