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Der dicke Kratzer bleibt ungesühnt

Amtsgericht Kirchhain Der dicke Kratzer bleibt ungesühnt

Erst bekam die große Liebe einen dicken Kratzer, dann das Auto der Frau, die die Liebesbeziehung beendet hatte. Hinzu kamen Eifersucht, Unterstellungen, ein falsches Alibi und der Bruch einer Freundschaft.

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Warum zerkratzen Zeitgenossen mit Schlüsseln fremde Autos? Mit einem solchem Fall hatte sich das Kirchhainer Amtsgericht in ­einem Strafprozess auseinanderzusetzen.

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Das unter Vorsitz von Richter Joachim Filmer tagende Kirchhainer Amtsgericht hatte diese Gemengelage zu entwirren und strafrechtlich zu beurteilen. Angeklagt war ein Arbeiter aus Kirchhain. Laut Anklageschrift soll der Mann in der Nacht vom 23. zum 24. Juni 2011 das Auto seiner gewesenen Freundin einseitig auf der gesamten Fahrzeuglänge mit einem Kratzer beschädigt haben. Sachschaden: 1700 Euro. Die Anklage stützte sich auf zwei Punkte. Eine SMS, die die Frau von ihrem „Ex“ erhalten hatte („Du bist eine hinterhältige Person. Pass auf Dein Auto auf. Es gibt jemanden, der Dein Auto nicht mag.“) und die polizeiliche Aussage eines Freundes des Angeklagten, dass dieser ihn um ein falsches Alibi gebeten habe.

Der Angeklagte stritt ab, mit der Tat etwas zu tun zu haben. Er habe von dem Kratzer erst am nächsten Tag erfahren. Er habe sich daraufhin mit seiner Freundin, die eigens von außerhalb nach Kirchhain gekommen war, um die Beziehung zu beenden, telefonisch verabredet. Bei dem Treffen sei ihm von ihr unterstellt worden, das Auto zerkratzt zu haben. Seinen Vorschlag, gemeinsam zur Polizei zu fahren, habe sie abgelehnt.

Den Vorwurf seines Freundes, diesen um ein Alibi gebeten zu haben, wertete der Angeklagte auf einen Vorhalt des Richters als einen aus Eifersucht geborenen Racheakt. Er habe versucht, die damalige Lebensgefährtin seines Freundes zu schützen, die von diesem nicht immer gut behandelt worden sei. Später habe sein Freund ihm unterstellt, ein Verhältnis mit dieser Frau gehabt zu haben.

Der so Angesprochene erklärte im Zeugenstand, dass der Angeklagte früher bei ihm ein- und ausgegangen sei. Auch am Vorabend der Tatnacht sei er bis 21 Uhr bei ihm gewesen. Am folgenden Tag habe der ihn gebeten, anderen gegenüber zu bestätigen, dass er die ganze Nacht über bei ihm gewesen sei. Er habe das zunächst so hingenommen, ohne nach dem Grund zu fragen. Erst später sei er dahinter gekommen, dass der Angeklagte nicht nur mit der Geschädigten, sondern auch mit seiner Freundin eine Beziehung unterhalten habe. Er habe daraufhin den Kontakt zu dem Mann abgebrochen. Wegen persönlicher Probleme habe er erst später die Polizei über das Alibi-Ersuchen informiert, erklärte der Zeuge.

Da die Geschädigte außer der SMS nichts Belastendes beigetragen hatte, stand die Anklage nach der Beweisaufnahme nur noch auf tönernen Füßen. Der Angeklagte sei nicht frei von Verdachtsmomenten, doch die reichten nicht für eine Verurteilung. Deshalb sei der Angeklagte nach dem Rechtsgrundsatz in dubio pro reo freizusprechen, plädierte die Vertreterin der Anklage. Dem schloss sich Rechtsanwalt Gerhard Bretthauer gern an.

Joachim Filmer sprach den nicht vorbestraften Angeklagten frei. „Er hatte ein Motiv und er hatte Gelegenheit“, sagte Filmer. Aber die Aussage des Zeugen reiche nicht für eine Verurteilung aus. Möglicherweise habe sich der Angeklagte erst nach der Anschuldigung vorsorglich um ein Alibi bemüht.

von Matthias Mayer

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