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Ostkreis Der Trend geht zur Zweitpfanne
Landkreis Ostkreis Der Trend geht zur Zweitpfanne
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00:15 02.01.2014
Gut gefüllt, aber mit etwas mehr Ellbogen-Freiheit für die Besucher: So präsentierte sich die Bahnhofstraße beim Kirchhainer Neujahrsmarkt 2014. Quelle: Tobias Hirsch
Kirchhain

Erstmals wurden die großen Flächen am Bahnhofsgebäude in den Markt einbezogen. Diese Teilverlagerung brachte für die Bahnhofstraße und den Markplatz eine deutliche Entspannung. Die Stände konnten hier etwas luftiger gestellt werden, mit dem Ergebnis, dass das große Geschiebe und Gedränge an den Engstellen diesmal ausblieb. „Das ist ganz prima. Endlich kann man sich die Waren an den Ständen mal in Ruhe ansehen“, lobte Gerlinde Schneider, die mit ihren drei Kindern aus Mücke angereist war.

„Durch den Bahnhofsvorplatz hat sich die Stand-Dichte glücklicherweise weiter entzerrt, wird der Markt noch ein Stück sicherer“, konstatierte Marktmeister Jürgen Rößler. Zudem verfolge die Stadt seit drei Jahren ein Sicherheitskonzept des TÜVs, das auf einem Mindestabstand von fünf Metern zwischen den Ständen beruhe.

Der Marktmeister vermeldet: "ausgebucht"

Jürgen Rößler war gestern schon um 4 Uhr auf den Beinen, um den Kirchhainer Nationalfeiertag in geordnete Bahnen zu lenken. Unterstützung erfuhr er dabei durch die Freiwillige Feuerwehr Kirchhain, Freiwillige Polizeihelfer aus Kirchhain und Stadtallendorf, sowie einen privaten Sicherheitsdienst, der den Verkehr an den neuralgischen Umleitungspunkten dirigierte.

„Ein rundum schöner Markt bei gutem Glühweinwetter“, zeigte sich der Marktmeister am frühem Nachmittag zufrieden. In diese Bilanz zog er die Marktbeschicker ausdrücklich mit ein. „Wir hatten früh um sechs wieder 60 Nachmelder, von denen wir nur ein Drittel berücksichtigen konnten“, erklärte Jürgen Rößler. Der Marktmeister vermeldete „ausgebucht“, obwohl diesmal statt 250 „nur“ 210 Händler zur Stelle waren. „Wir haben inzwischen deutlich mehr größere als kleinere Stände“, begründete Rößler diese Entwicklung.

Die ersten Marktstunden gehörten auch gestern wieder dem reinem Kaufpublikum. Und das kam an einem Werkstoff nicht vorbei: Keramik. Keramik dominierte eindeutig den Neujahrsmarkt und dies meist in Verbindung mit Bratpfannen. Mit Keramik beschichtete Bratpfannen gab an jeder zweiten Ecke zu kaufen - in den schrägsten Farben und selbstverständlich zu unschlagbaren Sonderpreisen. „Ne Pfanne können se immer gebrauche“, redete ein Verkäufer dem Trend zur Zweitpfanne das Wort und öffnete seinen Kunden zugleich die Augen für eine neue Erwerbsmöglichkeit. „Kaufen se eine für 20 Euro, die könne se dann für 30 Euro weiter verkaufe. Da mache se 10 Euro Gute“, rechnete der Mann präzise vor.

Eine Wundertüte

Ähnlich frohe Botschaften brachte ein weiterer Händler unters Volk. Mit seinem „Blitzschärfer Keramik-Edition“ werden komplizierte Arbeiten wie Wellenschliff und das Schärfen von Nagelscheren und Gemüsehobeln zum Kinderspiel. Und das für schlappe 25 Euro fürs Komplett-Set - dem Preis eines Gemüsehobels.

Die schärfsten Kunden werden neben dem „Blitzschärfer“ auch die „Präzisions-Zackenklinge“ zum Zerkleinern von Gemüse mitgenommen haben. Denn mit Ersteren lässt sich Letztere länger bei Schärfe halten. Und die braucht‘s, denn die „Präzisons-Zackenklinge ist das einzige Messer, mit dem man Tomaten und Paprika schälen kann“, verspricht der Händler, der sein Know how auch schriftlich an die geneigte Kundschaft weitergibt. „Eine Anleitung gebe ich dabei. Werfen Sie da kleine Heft nicht weg weg; da hab‘ ich viel Mühe mit gehabt“, erklärt er, um gleich einen Kunden zur Ordnung zu rufen, der sich auf leisen Sohlen davonschleichen will. „Hallo!!! Wo wollen Sie denn hin? Unerlaubtes Entfernen von der Truppe steht unter Strafe.“

Die Wundertüte Neujahrsmarkt hatte noch viel mehr zu bieten. Das Angebot reichte von Kniestrümpfen in Übergrößen über die Spezialbürsten unter den Spezialbürsten über den vielleicht weltgrößten rollenden Gardinenmarkt der Familie Bender zu Bambustüchern für die perfekte Fensterreinigung bis hin zu niederbayerischen Spezialitäten wie Lüngerl und Papst-Bier, von denen nicht bekannt ist, ob diese für oberhessische Mägen überhaupt verträglich sind.

Und dann gab‘s natürlich noch die Glühwein-Stände, Grills, Pizza- und Nudelbuden, an denen sich nicht zuletzt das Feier-Publikum für die lange After-Markt-Party in Kirchhains Gasthäusern stärkte.

von Matthias Mayer