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Der Gemeinde-Haussegen hängt schief

Kirche Der Gemeinde-Haussegen hängt schief

Im Juli trat der Verwaltungsrat der katholischen Kirchengemeinde Anzefahr zurück. Seitdem fragen sich die Gläubigen: "Warum?" Die OP machte sich auf die Suche nach Antworten.

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Der Haussegen in Anzefahrs Kirche hängt schief: Ein Bürger fürchtet aufgrund des fehlenden Verwaltungsrates um die demokratischen Strukturen. Foto: Florian Lerchbacher

Anzefahr. „Keiner weiß, was passiert ist und wie es weitergeht“, sagte ein Anzefahrer im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Mann fühlt sich im Stich gelassen, sorgt sich um „seine Kirchengemeinde“ und kritisiert, dass das Bistum Fulda das Thema totschweige und dem Pfarrer - der ohnehin immer Vorsitzender des Verwaltungsrates ist - die Aufgaben des Gremiums übertragen hat. „Ist das noch demokratisch?, fragt der Anzefahrer Bürger und erinnert daran, dass am Ende des Jahres Haushaltsbeschlüsse anstehen. Für ihn lautet die Antwort: „Nein. Der Pfarrer ist momentan Alleinherrscher in der Kirchengemeinde Anzefahr.“ Zwar gibt es noch einen Pfarrgemeinderat. Dieser hat jedoch nur beratende Funktion, während der Verwaltungsrat beschließende Funktion hat.

Der Verwaltungsrat sei scheinbar wegen Diskrepanzen mit Pater Josua zurückgetreten, sagt der Anzefahrer Gläubige und ergänzt: „Aber niemand weiß etwas Genaues.“ Ein anderer Bürger sagt: „Es gibt viele Gerüchte. Aber wer soll schon wissen, was hier stimmt?“

Vom ehemaligen Verwaltungsrat ist jedenfalls nichts zu erfahren. Er wolle sich nicht mehr mit dem Thema beschäftigen, beantwortet der ehemalige stellvertretende Vorsitzende eine Anfrage dieser Zeitung und ergänzt, wer Auskunft möchte, der solle in Fulda anrufen.

Gesagt, getan, doch auch das Bistum hält sich bedeckt: Es sei nur bekannt, dass es „Unstimmigkeiten“ gegeben habe, beantwortet Pressesprecher Christof Ohnesorge einen ausführlichen Fragenkatalog dieser Zeitung und verweist auf Pater Josua aus dem Kirchhainer Franziskanerkloster.

Der wiederum gibt sich schon auskunftsfreudiger: „Es gab keinen Streit. Einem Mitglied des Verwaltungsrates haben Änderungen in der Diözese nicht gefallen - und seine Mitstreiter sind dann aus Solidarität ebenfalls zurückgetreten.“ Die Änderungen beträfen jedoch den ganzen Pastoralverband, daher habe er keinen Einfluss auf die Entwicklung, betont Pater Josua und erklärt, zum Beispiel müssten die Messen reduziert werden: „Das trifft alle Pfarreien.“

Kindergarten bleibt laut Pfarrer in kirchlicher Hand

In Sachen „Alleinherrschaft“ distanziert sich der Pfarrer von den Anschuldigungen, erinnert an den Pfarrgemeinderat und verweist darauf, dass in diesem Jahr „keine größeren Entscheidungen“ in Hinblick auf die Finanzen anstünden. Noch dazu liefen alle größeren Entscheidungen über Fulda. Das Fehlen des Verwaltungsrates sei eine vorübergehende Situation, „die wir bald lösen müssen“. Den langen Zeitraum seit dem Rücktritt erklärt er mit dem Hinweis, dass das Bistum das Ende der Sommerferien und den Beginn der Schulzeit habe abwarten wollen.

Zuletzt widmet er sich einem letzten Gerücht, das in Anzefahr kursiert: „Der Kindergarten bleibt in kirchlicher Hand und wird keine städtische Einrichtung. Das kann sich natürlich irgendwann ändern, aber es gibt keine Gespräche und es sind auch keine Veränderungen geplant.“ Ein Termin für die Wahl des Verwaltungsrates steht nach Auskunft von Pater Josua noch nicht fest.

von Florian Lerchbacher

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