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Ostkreis Der Ebsdorfergrund dominiert
Landkreis Ostkreis Der Ebsdorfergrund dominiert
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21:27 21.05.2017
Die Sieger nahmen während des Seniorennachmittags ihre Pokale entgegen. Quelle: Stephan Schienbein
Kirchhain

Auf Kommando stoßen die Feuerwehrleute die Türen auf und springen aus dem Wagen. Der Gruppenführer gibt letzte Instruktionen, dann muss alles ganz schnell gehen – jeder muss wissen, was er zu tun hat. Das simulierte Szenario: Am anderen Ende des Festplatzes brennt ein Wohnhaus, in dem eine Person bewusstlos auf dem Boden liegt. Diese Person ist in diesem Fall nur eine Puppe, die geborgen werden muss. Um das imaginäre Feuer zu löschen, müssen die Feuerwehrleute eine handvoll Fallklappen mit dem Wasserstrahl umschießen.

„Natürlich gehört ein bisschen Fantasie zu der ganzen Sache“, sagt Stephan Schienbein, der Pressesprecher des Landkreises und Kreisbrandmeister, mit einem Schmunzeln. Aber der Wettkampf hat auch einen ernsten Charakter: „Es sind standardisierte Handgriffe, die wir hier trainieren und die im Ernstfall bei den Feuerwehrleuten komplett verinnerlicht sein müssen“, so Schienbein. Denn im echten Einsatz liegt unter Umständen nicht nur eine Puppe im brennenden Haus.
Oberste Priorität für die Feuerwehrleute, die nun über den Festplatz rennen, ist also die Menschenrettung. Zwei Männer knien vor der Eingangstür und haben den Wasserschlauch bereits griffbereit über der Schulter, um sich den Weg durch die Flammen bahnen und direkt löschen zu können.

Dann öffnen sie die Tür, finden die Puppe und tragen sie heraus – alles im Kriechen. „Weil die Wärme nach oben steigt“, erklärt Schienbein: „Man muss sich vorstellen, dass es in einem brennenden Gebäude bis zu 1 000 Grad heiß werden kann.“

Anschließend wird gelöscht – das heißt, Fallklappen werden umgeschossen. Dazu holen die Feuerwehrleute eine Leiter und fixieren sie an einem Gerüst, das die Hauswand darstellen soll. Durch das gedachte Fenster schießen sie die Ziele mit dem Wasserstrahl um. Es geht darum, einen Brandüberschlag – also das Ausbreiten eines Feuers – zu verhindern. Dann ist der Einsatz vorbei.
„Es ist eine wahnsinnig gute Übung“, bilanziert Lara Hielscher, die Gruppenführerin der Kirchhainer Wehr, „man lernt die meisten Abläufe zwar auch in der normalen Ausbildung, aber hier beschäftigt man sich noch einmal so intensiv damit, dass man im wirklichen Notfall nicht mehr groß nachdenken muss.“

Ein Gebäude brennt – was tun? 23 Feuerwehr-Mannschaften aus dem Landkreis probten bei der Kreisleistungsübung in Kirchhain den Ernstfall.

Insgesamt 23 Mannschaften aus dem Landkreis nehmen an dieser Kreisleistungsübung teil. Löschgruppen – also ein Team mit neun Feuerwehrleuten – haben dafür siebeneinhalb Minuten Zeit. Staffeln, die lediglich sechsköpfig sind, bekommen eine Minute mehr. Schiedsrichter aus anderen Landkreisen begutachten den Einsatz und schauen auf jedes Detail. „Es geht zum Teil um Feinheiten wie die Frage, ob das Blaulicht eingeschaltet ist“, erklärt Schienbein.
100 Punkte sind maximal zu vergeben. In das Ergebnis fließt allerdings auch ein Theorie-Test ein, bei dem die Feuerwehrleute 15 Fachfragen beantworten müssen. Und zuletzt geht es auch noch darum, ein ruhiges Händchen zu beweisen: Vor den strengen Augen der Schiedsrichter müssen schnellstmöglich Seile in verschiedenen Techniken geknotet werden.
Am Ende gewinnt – wie im vergangenen Jahr – die Wehr aus Dreihausen, die mit fünf Mannschaften angereist ist. Bestes Team aus dem Ostkreis wird die Wehr aus Himmelsberg auf Platz vier. Die ersten Drei werden den Kreis bei den Bezirkswettkämpfen in Alsfeld vertreten.

- Am Sonntag dann schlängelt sich ein bunter Umzug bestehend aus den Feuerwehren, Kapellen und zahlreichen Kirchhainer Vereinen durch die Innenstadt bis zum Festplatz. Viele von ihnen sind Fußgruppen, doch einige haben Wagen gestaltet oder präsentieren ihre Schätze: Die Feuerwehren aus Amöneburg und Rauschenberg haben beispielsweise historische Fahrzeuge dabei, die Männer und Frauen aus Himmelsberg eine alte Handspritze, mit der sie gelegentlich die in der Sonne stehenden Zuschauer – die in Scharen an den Straßen stehen – abkühlen.

Die Burgholzer Vereine hatten gar einen Wagen zum 700-jährigen Bestehen gestaltet und der Heimat- und Kulturverein Sindersfeld ein Modell der örtlichen Kirche auf einen Wagen gepackt.

von Yanik Schick
und Florian Lerchbacher