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Der Amerikaner überträgt die Pest

Heimische Flusskrebse Der Amerikaner überträgt die Pest

Ihre Bestände sind in den vergangenen Jahrzehnten drastisch geschrumpft: Heimische Flusskrebse wie den Edelkrebs oder den Steinkrebs gibt es kaum noch. Schuld daran ist ein amerikanischer Krebs, der die Krebspest überträgt.

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Hannah, Mika und Felix (von links) sind stolz auf ihre Entdeckung: Der amerikanische Signalkrebs ist Überträger der Krebspest und trägt Mitschuld an der Ausrottung der heimischen Art.

Quelle: Weigel

Bracht. So etwas hat die kleine Hannah noch nie gesehen: „Felix, komm mal ganz schnell her“, brüllt die Fünfjährige über die Wiese. Sofort lassen ihr Bruder Felix und ihr Cousin Mika von der Grashüpfersuche ab und rennen los. Denn das, was Hannah da beim Spielen am Bach gefunden hat, ist viel besser als Grashüpfer.

„Es ist ein mittelgroßer amerikanischer Signalkrebs“, erklärt Christoph Dümpelmann auf Anfrage der OP. Der Diplom-Biologe ist Fischereiberater des Landkreises und hat eine Erklärung dafür, wie der amerikanische Krebs ins Rote Wasser bei Bracht kam: „In den 70er Jahren hat man den amerikanischen Signalkrebs im Bachsystem bei Schönstadt ausgesetzt“, erläutert Dümpelmann. Damals habe man die Amerikaner, die bis zu 18 Zentimeter lang werden, für wirtschaftliche Zwecke nutzen wollen.

Außerdem ging man davon aus, dass der Signalkrebs, der ursprünglich im nordamerikanischen Westen beheimatet war, gegen die Krebspest immun sei. Doch dies war ein fataler Trugschluss: Denn der amerikanische Signalkrebs ist zwar selbst resistent, jedoch ein gefährlicher Überträger der Krebspest. Diese tödlich verlaufende Pilzerkrankung kam erst mit den aus Nordamerika stammenden Signal- und Kamberkrebsen nach Europa.

Seit dem 19. Jahrhundert ist die Krebspest zu einer wahren Bedrohung für den europäischen Flusskrebs, den Edelkrebs, geworden. Denn bei den heimischen Arten wie dem Edel- und dem Steinkrebs verläuft die Krankheit zu praktisch 100 Prozent tödlich, teilt die Obere Fischereibehörde des Regierungspräsidium Gießen mit.

Um die kaum noch vorkommenden heimischen Flusskrebse zu schützen, mahnt das Regierungspräsidium, dass nur einheimische, seuchenfreie Flusskrebse in Gewässern ausgesetzt werden dürfen. „Auf keinen Fall dürfen Krebse aus Aquarien oder dem Speisekrebshandel freigesetzt werden“, warnt die Obere Fischereibehörde. Zudem solle, um den Bestand nicht noch weiter zu gefährden, Umweltverschmutzung in Flüssen vermieden werden.

Pacifastacus leniusculus – so der lateinische Name für den amerikanischen Signalkrebs – geht es hingegen prächtig. Laut Regierungspräsidium Gießen ist der amerikanische Krebs mittlerweile der am häufigsten nachgewiesene Krebs im Lahneinzugsgebiet und vermutlich auch die am häufigsten vorkommende Art in Hessen.

von Nadine Weigel

Mehr lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP.

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