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Den Bürgern ist’s nachts viel zu dunkel

Sparmaßnahmen Den Bürgern ist’s nachts viel zu dunkel

Die Stadt Neustadt schaltet von 1 Uhr bis 4.15 Uhr das Licht aus. „Die Meinungen, die uns vorliegen, halten sich die Waage“, kommentiert Bürgermeister Thomas Groll die Resonanz auf einen Sparversuch der Stadt. Eine OP-Umfrage zeigte ein anderes Bild.

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Ein Großteil von Neustadts Bürgern will, dass das Licht auf den Straßen nachts an bleibt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Neustadt. „Nachts ist es so finster, dass man mitunter nicht einmal das Haus auf der anderen Straßenseite sieht“, sagt Helmut Hoch – der mitten in der Innenstadt von Neustadt wohnt. „Es ist nicht dunkel, sondern schwarz. Das ist erschreckend“, kommentiert er und ergänzt: „Bei aller Sparsamkeit: Wenn die Sicherheit gefährdet ist, wird es unverantwortlich.“

Zwei Punkte spricht er damit an: Zum einen könne der Bürger nachts keine Hindernisse mehr erkennen. Zum anderen glaubt er, dass Dieben Tür und Tor geöffnet würden: „Geklaut wird natürlich auch nachts, aber so wird Kriminalität gefördert.“

Damit steht er nicht alleine. Auch Bert Schwalbach beklagt ein Gefühl der Unsicherheit: Im Schutz der Dunkelheit hätten sich bereits Unbekannte nachts in seinem Garten herumgetrieben, zudem seien Kleinlastwagen langsam durch die düsteren Straßen gefahren – womit er auf potenzielle Diebe anspielt, die ein Zielobjekt für Einbrüche suchten.

„Besonders Frauen haben Angst, nachts noch auf die Straße zu müssen“, sagt eine 42-Jährige, deren Mitleid allen Schichtarbeitern gilt, die zwischen 1 und 4.15 Uhr nach Hause kommen oder zur Arbeit gehen, oder – wie Zeitungsausträger, arbeiten und sich ihren Weg entweder ertasten oder mit einer Taschenlampe ausleuchten müssten.

„Ich kenne keinen Momberger, der den Versuch gut findet“, sagt Jörg Sack und ergänzt: „Es formt sich Protest.“ Feiern an der Grillhütte seien ein Problem, „weil man von außerhalb einfach nicht mehr zurückfindet.“ Das spärliche Licht einer Taschenlampe könne die Straßenbeleuchtung nicht ersetzen. Zudem seien „nicht alle Straßen und Bürgersteige in Momberg in einem Top-Zustand“, somit sei es nur eine Frage der Zeit, wann die ersten Knochenbrüche folgen.

Lediglich die Familie Bierwirth äußerte sich in der OP-Umfrage positiv. Die Neustädter stellten heraus, dass es gut für die Umwelt sei und Energiekosten gespart werden, wenn nachts das Licht aus bleibt.

18.000 Euro könnte die Stadt jährlich sparen. Auf Beschluss der Stadtverordneten initiierte sie den Testlauf, der vom 1. Oktober bis zum 12. November dauert. Ursprünglich sollte das Licht von 1 bis 4.30 Uhr ausbleiben, nach Protesten von Schichtarbeitern wurde die Phase bis 4.15 Uhr verkürzt.

von Florian Lerchbacher

Mehr lesen Sie am Samstag in der gedruckten OP.

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