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Ostkreis Das größte Tuch liegt auf dem Wagen
Landkreis Ostkreis Das größte Tuch liegt auf dem Wagen
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18:02 31.03.2017
Seit Monaten arbeiten die Mitglieder des Brauchtumskreises Erfurtshausen auf den Ostereiermarkt hin. Gemeinsam wurde der Wagen auf einen Anhänger verladen. Quelle: Karin Waldhüter
Erfurtshausen

Seit vielen Monaten ist der Brauchtumskreis Erfurtshausen mit der Vorbereitung des Ostereiermarktes beschäftigt. Er findet von Freitag, 7. April bis Sonntag, 9. April wie in den Vorjahren im Bürgerhaus Mardorf statt. Zum Brauchtumsmarkt gehört eine volkskundliche Ausstellung. Unter dem Motto „Tuch in Tracht und Brauchtum“ nimmt die Ausstellung die ganz unterschiedlichen Arten und Verwendungsmöglichkeiten von Tüchern in den Blick.

Gestrickt, bestickt, mit Borten und Fransen verziert gehören Tücher in verschiedenen Macharten zur katholischen Tracht des Marburger Landes. Ihre Gestaltung und Farbgebung vor dem Hintergrund des bäuerlichen Lebens, des Jahreskreises und in ihrer Bedeutung für Lebensalter und Lebensstand sind Thema der Sonderschau und werden vom Brauchtumskreis in ihrer ganzen bunten Vielfalt gezeigt. Blickfang der Ausstellung soll jedoch die Präsentation des größten Tuches werden. Dazu stellt der Brauchtumskreis einen Leiterwagen im Zentrum des Mardorfer Bürgerhauses auf. Früher wurden die etwa vier bis fünf Quadratmeter großen Wagentücher, die meist von den Familien selbst hergestellt wurden, in Erntewagen gelegt und mit den vorhandenen Bändern an den Verstrebungen des Leiterwagens befestigt.

Leiterwagen gilt als sehr selten

Benutzt wurden die Wagentücher entweder bei der Getreideernte, um die herabfallenden Körner aufzufangen, oder sie wurden bei der Heuernte eingesetzt, um ein Durchfallen durch den Holzboden des Transportwagens zu verhindern. Ideengeber war Mitglied Thomas Gerlach. Mit Heiko Herz aus Rüdigheim hatte der Brauchtumskreis schnell jemanden gefunden, der gerne seinen Leiterwagen zur Verfügung stellte. Mit seinen eisenbeschlagenen Holzrädern aus Hainbuche, den Streben aus Eichenholz und seinen etwa fünf Metern Länge sei der Leiterwagen einer der letzten seiner Art, die in den Jahren um 1930 gebaut worden seien, berichtet Heiko Herz.

Sein Großvater sei einst Stellmacher im Ort gewesen und lange habe er nach einem solchen Wagen für seinen Hof gesucht, erzählt Herz. Mit vereinten Kräften ist der hölzerne Wagen, samt seinem geleiterten Aufbau, dann schnell und sicher auf einem Anhänger verstaut. Beim Ostereiermarkt wird diese außergewöhnliche Präsentation des großen Tuches dann sicherlich für einen Hingucker sorgen. Lohnenswert ist auch ein Blick auf die „Freud-und Leidtücher“. Getragen wurden die viereckigen Tücher, die zum Dreieck gelegt, auf der einen Seite ein farbenfrohes Motiv und auf der anderen Seite ein Trauermotiv tragen, etwa bis ins Jahr 1870. „Aus dem Fuldaer Land kommend wurden die Freud- und Leidtücher dann von den Halstüchern, die noch heute von Trachtenträgerinnen getragen werden, abgelöst“, berichtet Martina Rhein, Mitglied des Brauchtumskreises. Insgesamt zeigt die Sonderschau über 15 verschiedene Tucharten, wie zum Beispiel, Kopftücher, Halstücher, Geschirrtücher aus altem gewebten Leinen, Handtücher, Tischtücher, Taschentücher mit Monogramm, das älteste rund 100 Jahre alt, oder zum Beispiel auch Seidentücher für Brautmädchen.

Die Ausstellungsstücke wurden durch den Brauchtumskreis zusammengetragen, stammen aus eigenen Beständen und von Unterstützern aus den Nachbardörfern. Einige Tücher wurden von Heinrich Ried vom Trachtenmuseum Roßdorf zur Verfügung gestellt. Am Palmsonntagswochenende bietet der Ostereiermarkt auch die Gelegenheit, vielen Ausstellern über die Schulter zu schauen.

von Karin Waldhüter

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