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Ostkreis Das Wahrzeichen bröckelt
Landkreis Ostkreis Das Wahrzeichen bröckelt
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06:16 23.03.2012
Reinhold Gamb (rechts) zeigt ein Bild der Stadtkirche Rauschenberg, das er selbst vor etwa 50 Jahren aufgenommen hat. Quelle: Dennis Siepmann
Rauschenberg

Rauschenberg. Sorgenvoll blickt Pfarrer Gernot Schulze-Wegener auf die Fassade der Rauschenberger Stadtkirche. Großflächig bröckelt dort seit Jahren der Putz von den Außenwänden. Besonders schlimm sind die Schäden an der Nordseite des Gebäudes, berichtet Schulze-Wegener: "Allein um diese Fläche zu sanieren rechnen wir mit einem Kostenaufwand zwischen 40000 und 50000 Euro. Die komplette Neuverputzung der Kirche würde an die 250000 Euro kosten".

Das sind Zahlen, an die der Kirchenmann im Moment lieber nicht denken mag. Vielmehr lautet die Devise der Rauschenberger Kirchengemeinde im Moment, sich mit kleinen Schritten auf das übergeordnete Ziel der Gesamtrenovierung zuzubewegen. Ein erste Initiative in diese Richtung ist die am Mittwoch anstehende Gründung eines Fördervereins.

Finanzielle Unterstützung ist nicht ausreichend

Großes Vertrauen setzt Schulze-Wegener dabei in die Hilfsbereitschaft der Rauschenberger Bürger. "Fernab der kirchlichen Nutzung hat das Gebäude ein enorm hohen Stellenwert, auch als weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt. Wir hoffen, durch die Gründung des Vereins auch Personenkreise anzusprechen, die an Kultur- und Heimatgeschichte interessiert sind", sagt Schulze-Wegener.

Die Idee zur Gründung des Vereins kam Schulze-Wegener, nachdem die Hessische Landeskirche den dritten Antrag auf Fördermittel abgelehnt hatte. Erschwert wird die Sanierung auch durch die Tatsache, dass die Zuschüsse von Stadt und Kommune wegfallen, da die alleinige Baulast bei der Kirche liegt. Das zuständige Baumanagement der Kirche schütte jedoch nur Zinsbeträge an die Gemeinde aus, erklärt Schulze-Wegener: "So würde es noch 100 Jahre dauern, bis wir das nötige Geld zusammen haben. Wir können aber nicht mehr länger warten - die Gebäudeschäden werden von Jahr zu Jahr schlimmer und der Reparaturaufwand somit immer größer."

Ein zusätzliches Problem besteht für die Helfer darin, das noch nicht abzusehen ist, wie umfangreich der Schaden eigentlich ist. "Wir wissen derzeit noch nicht, in welchem Zustand sich die Wände hinter dem Putz befinden. Möglicherweise sitzt die Feuchtigkeit im kompletten Mauerwerk - das wäre natürlich eine echte Katastrophe", verleiht Kirchenvorstandsmitglied Reinhold Gamb seiner Sorge die passenden Worte.

Bereits 2007 hatte Schulze-Wegener ein Schadensanalyse des Kirchenhauses in Auftrag gegeben. Das Ergebnis des Gutachtens war eindeutig: Bei Sanierungsarbeiten in der Mitte der 1980er-Jahre wurde ein ungeeigneter Putz aufgetragen. Die Folgen sind nun für alle Besucher weithin sichtbar: Ganze Platten fallen auf den Kirchenvorplatz, und tiefe Risse zeichnen sich an der Fassade ab.

Kirchenorgel ist ebenfalls sanierungsbedürftig

Ebenfalls sanierungsbedürftig ist die Kirchenorgel. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die schwankenden Temperaturen haben dem Instrument über die Jahre merklich zugesetzt, bemerkt Gamb.

Unterstützt wird das ehrenamtliche Projekt auch von Seiten des Rauschenberger Bürgermeister Manfred Barth (parteilos), der sich dazu bereit erklärt hat, einen Vorstandsposten innerhalb des Fördervereins zu übernehmen. Schulze-Wegener und Gamb haben bereits Konkrete Vorstellungen zu dem weiteren Vorgehen des Fördervereins. "Ein öffentliches Fest auf dem Gelände der Kirche wäre eine schöne Sache", sagt Gamb. Und Schulze Wegener ergänzt: "Zur goldenen Konfirmation am kommenden Sonntag werden wir das Projekt zum ersten Mal öffentlich präsentieren".

Die Gründungsversammlung findet am Mittwoch um 20 Uhr im Haus der Begegnung statt.

von Dennis Siepmann