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Das Rathaus wird zum Auktionshaus

Versteigerung in Stadtallendorf Das Rathaus wird zum Auktionshaus

Der Keller des Stadtallendorfer Fundbüros ist gut gefüllt: Zeit für eine Versteigerung, bei der auch äußerst ungewöhnliche Dinge unter den Hammer kommen.

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Andreas Back vom Baubetriebshof stellt die nicht ersteigerten Fahrräder auf die Ladefläche eines Lkw. Längst nicht alle Zweiräder kamen unter den Hammer.

Quelle: Dennis Siepmann

Stadtallendorf. Stadtallendorf. Es ist kurz nach 16.30 Uhr: Der Ausstellungsraum, in dem die Fundsachen feilgeboten werden, ist bereits gut gefüllt. Darunter so ausgefallene Dinge wie eine Katzentoilette, ein Feuerlöscher, ein Streckenmessgerät und ein Ratgeber zur Verbesserung des Sexlebens. Insgesamt sind 131 Posten gelistet.

Nun geht es für die Anwesenden darum, die Nummern der Gegenstände zu notieren, die das eigene Interesse geweckt haben. Kleinere Fundsachen stecken in Plastikbeuteln die verteilt auf zwei Regale ausliegen. Davor sieht man dicht gedrängt die Schar derer, die darauf hoffen, ein Schnäppchen zu machen. Auf der Suche ist auch der kleine Julian und er weiß genau, was er will - ein Fahrrad. Seine Wahl fällt auf die Nummer 115, ein blaues Kinderrad, dass aussieht, als wäre es noch nie zuvor gefahren worden. Mutter Miriam zügelt die Erwartungen ihres Jüngsten jedoch vorsichtig: "Mehr als 30 Euro möchte ich nicht bezahlen, da ist unsere Schmerzgrenze".

Bei diesem Worten schaue ich in mein Portemonnaie und kratze zehn Euro zusammen. Ob das wohl für den Tretroller reicht, den ich mir im Ausstellungsraum angesehen habe?

"Die Eigentümer haben ein halbes Jahr Zeit, sich bei uns zu melden, ehe die Fundsache in unseren Besitz übergeht", erklärt Katharina Schmidt vom Bürgerbüro in Stadtallendorf. Oftmals bringe die Polizei Gegenstände vorbei, die während einer Streifenfahrt aufgefunden wurden.

Einmal im Fundkeller, kämen jedoch relativ wenig Betroffene, um nach ihren verlorengegangen Besitztümern zu fragen, berichtet Schmidt und weiter: "Solche Versteigerungen wie am Freitag finden unregelmäßig statt, da wir warten, bis sich genügend Fundsachen angesammelt haben, damit sich der Aufwand auch lohnt".

Die Auktion beginnt dann pünktlich um 17 Uhr. Zunächst werden kleine Objekte versteigert - Halsketten, Sonnenbrillen und Geldbörsen bekommen einen neuen Besitzer. Als Auktionator fungiert dabei Bernd Weitzel. Ausgerüstet ist der Standesbeamte mit der Liste der zu versteigernden Fundsachen und dem obligatorischen Hammer.

Unter letzteren kommen aber bei Weitem nicht alle angebotenen Fundstücke an diesem Tag. Zurückhaltend zeigen sich die Anwesenden zum Beispiel bei den Kleidungsstücken.

Was nicht ersteigert wird, wandert umgehend zurück in den Fundkeller. Dem Trend in den Technikmärkten folgend, sind es auch an diesem Nachmittag die Mobiltelefone, die die Aufmerksamkeit der potenziellen Käufer bindet. Und das obwohl Weitzel zuvor erklärte, dass das Bürgerbüro keine Garantie für die technische Funktionalität der Geräte übernimmt. Das Startgebot für das erste Handy auf der Liste lautet drei Euro - nach langem Hin und Her fällt der Hammer schließlich bei 19 Euro. Mit stolzen 65 Euro erzielt an an diesem Tag ein hochwertiges Smartphone den höchsten Verkaufspreis.

Keine Abnehmer fand bei dieser Versteigerung der Feuerlöscher und der Sex-Ratgeber, für das Katzenklo hingegen gab es einen Käufer. Für acht Euro hätte ich mir das Gehäuse auch leisten können, leider habe ich aber keine Katze, was die Aktion recht sinnlos erscheinen lassen würde.

Bei meinem auserkorenen Tretroller habe ich dann leider keinen Erfolg - das Vehikel erzielt einen Preis von 20 Euro und liegt damit deutlich über meinem Budget. Ebenso erging es leider auch dem kleinen Julian: Fahrrad Nummer 115 wechselte für 50 Euro den Besitzer - Mutter Miriam war sogar bis 40 Euro mitgegangen. Traurig muss Julian dennoch nicht sein - bei der nächsten Auktion wird alles besser.

von Dennis Siepmann

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