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Ostkreis Das Leid kehrt zurück
Landkreis Ostkreis Das Leid kehrt zurück
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16:36 19.05.2017
Während der Kölner Bildhauer Gunter Demnig vor dem Haus Brießelstraße 1 die Stolpersteine verlegt, zeigen Angehörige des Kirchhainer Arbeitskreises Stolpersteine Porträts der ehemaligen jüdischen Bewohner, die entweder in die Flucht getrieben oder von den Nazis ermordet wurden. Foto: Matthias Mayer
Kirchhain

Träger und Finanzierer des Stolperstein-Projektes in der Stadt ist der Arbeitskreis Stolpersteine. In dem bunten Bündnis haben sich Schülerinnen und Schüler der Alfred-Wegener-Schule mit ihren Lehrkräften, der Heimat- und Geschichtsverein, die Stadt Kirchhain und Stadtverordnete aller Fraktionen zusammengetan.

Der Arbeitskreis gestaltete auch die Gedenkfeiern an den einst von Juden bewohnten Häusern Brießelstraße 1, Niederrheinische Straße 1 und Römerstraße 15, vor denen der Kölner Bildhauer Gunter Demnig insgesamt 13 Stolpersteine setzte. Ein Bläser-Ensemble der Alfred-Wegener-Schule stimmte mit einer Eigenkomposition auf das Ereignis ein. Kerstin Eber sprach die einleitenden Worte. Klaus Hesse und Matthias Bosse brachten das Leid zurück, trugen die vom Arbeitskreis recherchierten Kurzbiografien der Opfer vor, die einst angesehene Bürgerinnen und Bürger und Mitglieder der relativ großen jüdischen Gemeinde waren. Großformatige Porträtfotos zeigten die Gesichter der Opfer.

Brießelstraße 1

Das Haus gehörte seit 1786 durchgängig einer jüdischen Familie. Siegmund Lomnitz und Bertha Lomnitz, geb. Stern übernahmen das Haus 1907. Aus ihrer Ehe gingen zwei Kinder hervor. Im Mai 1939 verließen sie Kirchhain und folgten ihrer Tochter Else nach Bad Nauheim. Am 19. 2. 1941 wurden die Eheleute von Frankfurt aus ins Ghetto Lodz verschleppt, wo Bertha Lomnitz am 10. 5. 1942 und Siegmund Lomnitz am 13. 1. 1943 ums Leben kamen. Tochter Else heiratete 1929 Alex Strauß aus Bad Nauheim, der sich am 28. 6. 1939 das Leben nahm, um sich so einer Verhaftung durch die Nazis zu entziehen. Else wanderte am 12. 8. 1940 in die USA aus, wo sie in New York City ihren zweiten Mann heiratete. Ihr Bruder Siegfried verließ Deutschland mit 26 Jahren. Von Hamburg aus erreichte der Kaufmann mit dem Schiff am 21. 11. 1936 die USA, wo er heiratete.

Sally und Minna Ziegelstein, geb. Isenberg lebten zunächst mit ihren beiden Töchtern Erna und Emmy in Sterzhausen, wo er einen Viehhandel und eine Tankstelle betrieb. Sie zogen 1936 mit Minnas Mutter Bertha Isenberg nach Kirchhain. Letztere zog 1941 in ein jüdisches Altersheim nach Frankfurt. Von dort wurde sie 1942 nach Theresienstadt verschleppt und im gleichen Jahr in Treblinka ermordet. Minna und Sally lebten zunächst in der Zwangsghettoisierung, wurden 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet. Tochter Emmy floh 1933 in die USA, wo sie heiratete. Erna heiratete den Kaufmann Emil Katten, mit dem sie ein Kaufhaus am Kirchhainer Marktplatz betrieb. Völlig entrechtet floh das Ehepaar 1939 in die USA.

Niederrheinische Str. 1

Jacob und Lina Haas betrieben in dem Gebäude einen Schuhmacherladen und einen Viehhandel, bis sie der Boykott der Nazis zur Aufgabe zwang. 1941 wurden die Eheleute nach Riga und dann ins KZ Stutthof deportiert, wo Jacob Haas 1944 ermordet wurde. Die Umstände der Ermordung von Lina Haas sind nicht bekannt. Den Kindern Sophie und Max gelang die Flucht in die USA, wo beide heirateten. Max Haas hat als einer der letzten Juden 1934 an der Adolf-Hitler-Schule in Marburg (heute Martin-Luther-Schule) das Abitur abgelegt.

Römerstraße 15

Thekla Adler zog Ende der 20er-Jahre in das von ihren Eltern errichtete Haus. Die alleinstehende Frau wurde im Sommer 1941 mit verbliebenen Jüdinnen und Juden in Kirchhain zwangsghettoisiert und in Riga ermordet.

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