Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Das Gesangbuch ist eine Herzensangelegenheit

Das neue Gotteslob Das Gesangbuch ist eine Herzensangelegenheit

Für viele Katholiken ist das Gotteslob etwas ganz Besonderes. Sie sammeln darin Heiligen- und Sterbebilder, Kalenderblätter und vieles mehr – kurz: Sie nutzen es als eine Art Tagebuch des Glaubens.

Voriger Artikel
An der Grundschule wird gerast
Nächster Artikel
Pfarrer bekommen positive Rückmeldungen

Elisabeth Orth hegt und pflegt ihre Gesangbücher: das neue (von links), das ihrer Mutter, und eins von 1949.

Quelle: Florian Lerchbacher

Ostkreis. Ein bisschen traurig ist Elisabeth Orth schon, dass ihr Gotteslob bald in einen Korb wandern wird, in dem sie seit Jahren ausgediente Gesangbücher von Verwandten und Freunden sammelt. Das Buch hat ihr schließlich gute Dienste geleistet und beinhaltet zahlreiche Erinnerungen – dabei ist es um genau zu sein das Gotteslob ihrer verstorbenen Mutter, betont die Roßdorferin. Ihr eigenes sei doch ziemlich zerschlissen gewesen, gibt sie zu und lässt eine Ausgabe unter ihrem Pullover verschwinden: „So schützten wir die Bücher früher vor dem Regen. Die Tropfen hinterließen hässliche Spuren, die wir verhindern wollten“, erläutert die 69-Jährige, die inzwischen einen Ledereinband besitzt und nicht mehr um ihr Gotteslob fürchten muss, wenn der Himmel seine Pforten öffnet.

Zahlreiche Bilder und Blätter befinden sich zwischen den Seiten, zum Beispiel das Kalenderblatt vom Todestag ihrer Mutter – die aber noch eine weitere, für Elisabeth Orth besonders wichtige Spur hinterlassen hat: ein handgeschriebenes Herz-Jesu-Lied im Einband. „Sie muss es notiert haben, bevor der zweite Anhang im Jahr 1998 herauskam – denn da stand das Lied drin“, erklärt sie. Hinzu kommen zahlreiche weitere Erinnerungen, zum Beispiel ein Bild, das sie anlässlich ihrer Firmung aus den Händen von Weihbischof Bolte entgegennahm – und das sie im Jahr 1975, als zum letzten Mal ein neues Gotteslob herauskam, vom alten ins neue Gesangbuch legte.

„Ich bete vor, daher muss ich die Stelle im Gesangbuch schnell finden können.“
Elisabeth Orth

Ebenfalls von großer Wichtigkeit sind für Orth das Kalenderblatt vom Todestag ihres Mannes oder die Sterbebilder ihres Bruders und des Vaters, neben dem noch ein Bild der Mutter Gottes platziert ist. Dies sei nur Zufall betont sie und ergänzt, die einzelnen Erinnerungen hätten keinen speziellen Platz: „Sie liegen wahllos zwischen den Seiten. Es gibt keine direkte Verbindung zu den Liedern.“ Alle Sterbebilder von Verwandten und Bekannten bewahre sie dann aber doch nicht in ihrem Gesangbuch auf. „Das wären schlicht zu viele. Aber ich bete für alle Verstorbenen.“

An einer Stelle klemmen dann aber doch mehrere Liedtexte, Kalenderblätter und Heiligenbilder – allerdings aus eher praktischen Gründen: „Das Salve Regina singen wir als Schlusslied bei der Abendvesper. Ich bete vor, daher muss ich die Stelle im Gesangbuch schnell finden können.“
Sie habe es eigentlich immer dabei, betont die Roßdorferin und ergänzt: „Ich bin ein sehr christlicher Mensch.“ Und so sei ihr Gotteslob bereits in Frankreich, Polen, Österreich, der Schweiz und anderen Ländern gewesen. Entsprechend finden sich darin auch zahlreiche Wallfahrtsbilder, zum Beispiel vom Grab der heiligen Bernadette in Frankreich.

Der alte Schutzumschlag passt nicht mehr

Bilder von Priesterweihen, die sie nach Primizen erhielt, besitze sie auch einige, sagt Orth und blättert durch ihr Gesangbuch. Dabei stößt sie auf ein Franziskusgebet und verschiedene Abbildungen Jesu: „Die liegen in der Kirche aus. Was mir gefällt, das nehme ich mit“, freut sich die 69-Jährige und zeigt ein Blatt, auf dem das Bonifatiuslied steht. „Das wird oft in der Lindaukapelle gesungen“, erläutert sie – die eigentlich der Katholischen Pfarrgemeinde Maria Geburt und Johannes der Täufer Roßdorf angehört, aber auch in Amöneburg oder Emsdorf, wo die Familie ihres Sohnes lebt, in die Kirche geht.

Für sich und ihre Enkelin Emilia hat Orth auch schon ein neues Gotteslob gekauft. So ganz glücklich sind sie jedoch noch nicht. Die Neunjährige hat bereits beklagt, dass das neue Buch größer ist als das alte und nicht mehr in den Schutzumschlag passt. Ihre Großmutter hat ihr Gesangbuch sogar schon umgetauscht – allerdings aus ästhetischen Gründen: „Ich hatte immer ein Gotteslob mit Goldrand. Als ich die neuen Bücher kaufte, nahm ich die normalen – aber nachdem es ein paar Tage verpackt zuhause gelegen und ich Zeit zum Nachdenken hatte, wollte ich dann doch wieder eins mit Goldrand haben.“

Ihr altes Gotteslob wird Orth noch eine Zeitlang mitnehmen. Erst dann kommt es in den Korb zu den anderen, bis zu 70 Jahre alten Gesangbüchern – also unter anderem zu dem von Pfarrer Haparta, das dessen Schwester Elisabeth Orth einst schenkte.

von Florian Lerchbacher

Das Gotteslob

Das neue Gesang- und Gebetbuch Gotteslob löst seit erstem Advent die Ausgabe von 1975 ab. Es wird von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Österreichischen Bischofskonferenz und dem Bischof von Bozen-Brixen herausgegeben. Das neue Gotteslob enthält auch wieder regionale Teile, die die jeweiligen Bistümer festgelegt haben. Wie die DBK mitteilt, haben sich an dem Gemeinschaftswerk 37 Diözesen beteiligt. Die bereits begonnene Auslieferung wird sich bis in den Frühsommer 2014 erstrecken. Bei zehn deutschen Bistümern gab es Verzögerungen bei der Auslieferung, da zunächst ein qualitativ nicht ausreichendes Papier verwendet wurden. Insgesamt hat die Bischofskonferenz einen Druckauftrag über vier Millionen Exemplare vergeben.

  • Das aktuelle Gotteslob hat einen Umfang von rund 1 300 Seiten. Die verschiedenen Ausgaben des Gotteslobs sind unter anderem im Buchhandel erhältlich.
  • Die Großdruckausgaben sollen im Bistum Fulda voraussichtlich ab Februar verfügbar sein und ausgeliefert werden.  Ähnliches erwartet das Bistum derzeit beim fehlenden Orgelbuch.
  • Ob es das neue Gotteslob auch in digitaler Form, etwa auch als App für Smartphone-Benutzer, geben wird, ist hingegen noch nicht entschieden. Dies hängt nach Angaben der Bischofskonferenz auch mit urheberrechtlichen Fragen zusammen.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Pfarrer bekommen positive Rückmeldungen

Sechs Wochen vor dem ersten Advent begann Amöneburgs Pfarrer Marcus Vogler, mit seiner Gemeinde Lieder aus dem neuen Gotteslob zu singen. Das erleichterte die Gewöhnung an das Buch.

mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr