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Das „Eulen-Keulen“ und die Folgen

Amöneburg Das „Eulen-Keulen“ und die Folgen

Naturschützer laufen Sturm gegen Michael Richter-Plettenberg wegen des Fällens der Scheinzypressen auf dem Friedhof. Der Bürgermeister sieht sich weiter im Recht, der Kreis will sich noch nicht äußern.

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Wenige Stunden Arbeit, langfristige Folgen: Mitarbeiter des Bauhofs hatten vor knapp zwei Wochen die Scheinzypressen auf dem Friedhof gefällt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Amöneburg. Fast zwei Wochen ist es her, dass die Scheinzypressen auf dem Amöneburger Friedhof standortgemäß den Weg alles Irdischen gingen – dennoch halten die einst als Schlafplatz von Waldohreulen deutschlandweit bekannten Bäume weiterhin die Menschheit in Atem.

Der Protest von Seiten der Naturschützer ist groß. Dominic Cimiotti, der Kreisbeauftragte für den Vogelschutz, bedauert, dass die Stadt Amöneburg einen Vorschlag der Vogelschutzwarte in Frankfurt ignoriert habe: Diese wollte die Spitzen der Scheinzypressen kappen, um die Standsicherheit zu verbessern und die Bäume vor dem Fällen zu bewahren.

Als dann Anfang Januar bei einem leichten Sturm wieder ein Baum umknickte, ließ die Stadtverwaltung Mitarbeiter des Bauhofs aus Gründen der Verkehrssicherheit zur Kettensäge greifen. Akute Gefahr habe bestanden – Cimiotti wertet diese Aussage indes als Vorwand zur Fällung: Bürgermeister und Ortsvorsteher sei der „Dreck“ von den Eulen ein Dorn im Auge gewesen. Cimiotti sieht in dem Fällen der Schlafbäume der streng geschützten Eulen einen schweren Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Während Cimiotti die Kreisverwaltung auffordert, rechtliche Schritte einzuleiten, hat der Bonner Verein „Komitee gegen den Vogelmord“ bei der Staatsanwaltschaft Marburg Strafanzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz (Paragraf 44, Zerstören eines landesweit bedeutenden Ruheplatzes einer streng geschützten Art) gestellt. „Das war einer der ältesten bekannten Schlafplätze der Waldohreule“, ärgert sich Pressesprecher Axel Hirschfeld.

Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg sieht sich weiterhin im Recht: Die Stadt hätte aus Sicherheitsgründen handeln müssen, habe aber „die hohen Standards des Artenschutzrechtes“ gewahrt, die Bäume hätten ihre außergewöhnliche Bedeutung verloren: Früher waren bis zu 50 Eulen dort zu beobachten, inzwischen würde kaum noch ein Vogel die Bäume aufsuchen – dies bestätigten auch verschiedene Gutachten, sagt Richter-Plettenberg.

Schon im Juni 2010 hatte er angekündigt, die Scheinzypressen fällen zu wollen, da zwei während eines Sturmes umgeknickt waren. Die Standsicherheit der ortsuntypischen Flachwurzler sei nicht gegeben. Ein Jahr später brachten die Stadtverordneten einen neuen Bebauungsplan für Amöneburg auf den Weg, in dem das Fällen bereits eingeplant war.

von Florian Lerchbacher

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