Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Chloreinsatz dauert noch länger

Wasserwerk Stadtallendorf Chloreinsatz dauert noch länger

Wer im Versorgungsgebiet der Wasserwerke Stadtallendorf und ­„Wohratal“ den Hahn aufdreht, bemerkt nach wie vor einen Chlor­geruch. Das bleibt auch noch Monate so.

Voriger Artikel
A49: Hoffnung auf schnell rollende Bagger
Nächster Artikel
Gewollter Radau am frühen Morgen

Das Wasserwerk Stadtallendorf soll technisch aufgerüstet werden, um Verkeimungen zu verhindern.

Quelle: Archivfoto: Lauer

Stadtallendorf. Seit Monaten chlort der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) das Wasser, das er über die Anlagen in Stadtallendorf und dem Wasserwerk „Wohratal“ am Standort Kirchhain in die Leitungsnetze speist. Betroffen sind Verbraucher in 12 Kommunen mit insgesamt 75 Ortsteilen in mehreren Landkreisen. Bei den Stadtwerken Stadtallendorf gibt es deshalb nach wie vor Rückfragen von Verbrauchern, wie Betriebsleiter Giselher Pontow gegenüber der OP auf Nachfrage berichtet.

Aktuelle Regenfälle machten keine Problem

„Schutzchlorung“ nennt es der ZMW, begonnen seit dem Störfall im vergangenen Jahr. Starke Regenfälle hatten einen Brunnen des Wasserwerks Wohratal bakteriell verunreinigt. Tausende Haushalte mussten ihr Trinkwasser abkochen.

Starke Niederschläge gab es auch in den vergangenen Tagen. Probleme gab es für den größten Wasserversorger der Region dadurch bisher aber nicht. ZMW-Abteilungsleiter Werner Loew spricht gegenüber dieser Zeitung zwar von einer „nicht unkritischen Situation“. Bisher sei das Wasser aller vom Zweckverband betriebenen Brunnen aber in Ordnung. Wäre es anders, hätte der ZMW auch umgehend reagieren müssen, so wie es in der Trinkwasserverordnung vorgegeben ist.

Loew: Chlor ist gesundheitlich unbedenklich

Nach den bisherigen Erfahrungen geht der Zweckverband davon aus, dass eher Starkregen wie im vergangenen Sommer dazu führen könne, dass Brunnen durch Grundwassereinträge bakteriell verunreinigt werden. Dennoch will der Zweckverband weiterhin zur Sicherheit chloren, in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden. Derzeit setzt der ZMW genau 0,05 Milligramm Chlor je Liter Wasser zu. Gesundheitlich sei das völlig unbedenklich, unterstreicht Loew noch einmal.

Ein Dauerzustand soll der Chloreinsatz im Gebiet der beiden Wasserwerke aber dennoch nicht werden. Der Zweckverband will in die Technik seiner beiden betroffenen Wasserwerken investieren. Loew spricht von Desinfektionsanlagen ohne Chlor. Wie genau das funktionieren soll und welche Technik zum Einsatz kommen wird, steht noch nicht fest. Fachleute prüften dies derzeit. Denkbar ist laut dem ZMW-Abteilungsleiter beispielsweise der Einsatz von Anlagen, die Keime mit UV-Strahlung abtöten. Aber auch andere Optionen sind für den Zweckverband noch denkbar. „Es wird mindestens noch einige Monate bis zu einem Jahr dauern, bis die Technik einsatzbereit sein wird“, sagt Loew. So lange werde es weiterhin die Schutzchlorung geben.

Caldern kommt bald ohne Chlor aus

Eine Ausnahme bildet Caldern, das aus einem ZMW-eigenen Brunnen versorgt wird. Dort ist eine UV-Anlage installiert worden, die derzeit erprobt wird. „Wenn sie einwandfrei funktioniert, werden wir an dem Brunnen in Caldern nicht mehr chloren müssen“, verspricht Werner Loew. Er rechnet damit in ­einigen Wochen. Für den Stadtallendorfer Stadtwerke­chef ­Giselher Pontow ist der Satz vom Trinkwasser als best­überwachtem Lebensmittel keine Floskel angesichts der engmaschigen Kontrollen. „Die Abnehmer sollen wissen, dass wir es uns nicht leicht machen“, betont Pontow.

Die Niederschlagssituation habe sich verändert, deshalb seien genaue Kontrollen inzwischen noch wichtiger geworden. Allein der ZMW nimmt nach früheren Angaben pro Jahr 4 300 Wasseranalysen in seinem Gebiet vor. Im Stadtallendorfer Stadtteil Schweinsberg erhalten die Abnehmer ihr Wasser vorerst doch weiterhin noch vom ZMW, sprich über die Kernstadt. Zwar ist die UV-Anlage installiert, „wir sind aber immer noch in einem Testbetrieb“, erklärt Pontow. Erst, wenn der Betrieb perfekt laufe, werde endgültig wieder auf das Brunnenwasser umgestellt.

von Michael Rinde

Hintergrund
Von der „Schutzchlorung“ sind alle Kommunen beziehungsweise Stadt- und Ortsteile berührt, die vom ZMW mit Trinkwasser „endversorgt“ werden. Dazu zählen beispielsweise Teile von Kirchhain, Neustadts Kernstadt aber auch Teile von Gladenbach, Lohra oder Fronhausen, wie der Zweckverband in einer Mitteilung vom August vergangenen Jahres berichtete, als die Chlorung aufgenommen wurde.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr