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Ostkreis Burkini-Trägerin muss Freibad verlassen
Landkreis Ostkreis Burkini-Trägerin muss Freibad verlassen
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00:19 10.09.2018
Ein Kirchhainer Bademeister sprach Hausverbot gegen eine Frau aus, die im Burkini das Freibad nutzte. Quelle: Themenfoto: Rolf Haid / dpa
Kirchhain

Sigurd Meier beklagte, dass Ende Juli ein weiblicher Badegast vom Bademeister des Freibades verwiesen wurde, weil die Frau einen Burkini trug und sich geweigert hatte, eine andere Badebekleidung anzulegen.

Sigurd Meier wollte vom ­Magistrat wissen, in welchem Arbeitsverhältnis das Aufsichtspersonal im Kirchhainer Freibad beschäftigt ist. Und inwieweit der Arbeitsvertrag das Aufsichtspersonal die Befugnis beinhalte, Platzverweise und Hausverbote zu erteilten.

Bürgermeister Olaf Hausmann erklärte, dass die Stadt seit 2016 die Betreuung des unmittelbaren Freibadbetriebs an eine Firma aus Recke übertragen habe. Die Firma stelle das Personal und gewährleiste die Badeordnung. Außerdem sei der Firma die Ausübung des Hausrechts übertragen worden.

Hausverbot inzwischen aufgehoben

„Die Stadt hat am nächsten Morgen durch ein Telefonat mit dem Schwimmmeister und danach durch einen Polizeibericht über den Vorfall Kenntnis erlangt. Am darauffolgenden Tag kam es zu einem Gespräch mit der Beschwerdeführerin, bei dem eine Entschuldigung ausgesprochen und auch angenommen worden ist“, beantwortete Olaf Hausmann eine weitere Frage von Sigurd Meier.

Die Stadt reagierte auf den Vorfall. „Es wurde dann umgehend angeordnet, dass Burkinis, wenn sie den Anforderungen an Badebekleidung entsprechen, ausdrücklich erlaubt sind. Das ausgesprochene Hausverbot wurde sofort aufgehoben“, erklärte der Bürgermeister weiter.

Schließlich wollte der Frage­steller noch wissen, auf wessen Betreiben das Aufsichtspersonal das Platzverbot und das Hausverbot ausgesprochen hatte. Der Schwimmmeister gab an, dass er von fünf bis sechs Badegästen darauf hingewiesen worden sei, dass sich im Nichtschwimmerbecken jemand mit ungeeigneter Badebekleidung aufhalte, berichtete Olaf Hausmann. „Darauf entschied sich der Schwimmmeister im Rahmen seines Ermessen (,Sekundenentscheidung‘), dass die betreffende Dame aus Sicherheitsgründen das Becken zu verlassen habe“, führte Olaf Hausmann weiter aus.

30 französische Kommunen untersagen Burkinis

Die spannende Frage, inwieweit das Tragen eines Burkinis für eine erwachsene Frau in ­einem Nichtschwimmerbecken für die Betroffene oder für andere Badegäste im Nichtschwimmerbecken die Sicherheit gefährden kann, blieb unbeantwortet.

Die Diskussion um den Burkini ging vor gut zwei Jahren von Frankreich aus. Etwas 30 französische Kommunen untersagten das Tragen der Ganzkörper-Badeanzüge. Dann kippte Frankreichs Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht das Burkini-Verbot einer Kommune. Die Diskussion um den Burkini erreichte weite Teile Europas und damit auch Deutschland.

OP-Redakteurin testete Burkini

Der Burkini wird aus Stoffen geschneidert, die auch für übliche Badekleidung verwendet wird. Der Burkini soll Musliminnen die Möglichkeit geben, Schwimmen zu gehen und gleichzeitig nach den Regeln ­ihrer Religion zu leben.

Die OP-Redakteurin Katharina Kaufmann-Hirsch machte­ im Spätsommer 2016 einen Selbstversuch, als sie im Burkini im Marburger Aquamar schwimmen ging. Dort ist der Burkini erlaubt; verboten sind aus ­hygienischen Gründen Jogginghosen und langärmelige Baumwoll-Shirts.

So gab es für die Kollegin keinen Verweis, dafür aber ungezählte Blicke von Badegästen: interessiert, schockiert, staunende und mitleidige. Nach dem Experiment trauerte sie dem im Internet gekauften Burkini keine Träne nach, weil es sich im Bikini komfor­tabler schwimmen lässt, als in dem Ganzkörper-Badeanzug.

von Matthias Mayer