Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Bürger fürchten einen „Verrat am Berg“
Landkreis Ostkreis Bürger fürchten einen „Verrat am Berg“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 11.06.2018
Stefanie Wellner Quelle: Stefanie Wellner
Amöneburg

Etwa 75 Bürger erschienen zur Informationsveranstaltung der „Bürgerinitiative gegen eine Tankstelle auf der grünen Seite der Amöneburg“. Weder der Investor noch Bürgermeister Michael Plettenberg waren bei dieser Veranstaltung anwesend, um die Pro-Seite zu vertreten.

„Es geht nicht gegen den Investor persönlich. Als Unternehmer ist sein Anliegen nachvollziehbar“, erklärte Winfried Nau von der Bürgerinitiative. Er habe allerdings den Eindruck, dass die Risiken für die Amöneburger Bürger nicht sorgfältig abgewogen wurden. Deshalb forderte er eine objektive Beurteilung der Vor- und Nachteile für die Stadt. Die Bürgerinitiative sei auch nicht generell gegen eine Tankstelle im Stadtgebiet. „Tankstellen gehören aber in ein Gewerbegebiet“, so Winfried Kaul, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative.

"Naturanblick ist Alleinstellungsmerkmal"

Zum Einstieg in die Diskussion fassten die Mitstreiter der Bürgerinitiative die Argumente zusammen, warum sie weiterhin gegen eine Tankstelle an der grünen Seite des Berges sind und ergänzten dies mit neuen Erkenntnissen, die sich aus der Durchsicht des Gutachtens ergeben haben.

Zu den Gründen gegen eine Tankstelle an diesem Standort zählen aus Sicht der Bürgerinitiative unter anderem ein höheres Verkehrsaufkommen, Gefahren für Fahrradfahrer, die Versiegelung landwirtschaftlicher Fläche und die Zerstörung des Landschaftsbildes. Eine Bürgerin meinte dazu: „Der Naturanblick ist unser Kapital, unser Alleinstellungsmerkmal. Aus kulturhistorischer Sicht ist das ,Verrat am Berg‘.“

Bürger fürchten mehr Gewerbe

Bisher sprach der Investor laut Nau von einer „kleinen Tankstelle“. Aus dem Gutachten ergäbe sich aber, dass der überregionale und vor allem der Lastwagen-Verkehr auf der B 62 die Basis des Geschäftsmodelles darstelle. Ein Bürger äußerte dazu die Befürchtung, dass aus der „kleinen Tankstelle“ mehr so etwas wie ein Autohof werden könnte.

Zudem befürchten die Tankstellengegner, dass weitere Gewerbebetriebe oder Lkw-Stellplätze folgen könnten. „Die Tankstelle könnte ein Kristallisationspunkt für ein Gewerbegebiet werden“, erklärte Andreas Möller-Forst, Mitglied der Initiative und des Ortsbeirats.

Planentwurf liegt zur Einsicht aus

Für die Stadt sehen die Mitglieder der Initiative vor allem Risiken und kaum Vorteile: So gehen sie davon aus, dass kaum Arbeitsplätze entstehen und wenig Gewerbesteuern eingenommen werden. Stattdessen ergäbe sich durch den Tankstellenshop eine Gefahr für lokale Geschäfte wie den Edeka-Markt.

Außerdem liegt die Tankstelle oberhalb eines Wasserschutzgebiets. Vor allem aber sei die Tankstelle völlig unnötig. „Jeder fährt an Tankstellen vorbei auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Arzt“, ist sich Nau sicher. Das Fazit der Bürgerinitiative lautet deshalb: Amöneburg geht ein sehr hohes Risiko mit diesem Projekt ein.

Bürger können Einwände einreichen

Die Mitglieder der Bürgerinitiative hoffen, mit diesen Argumenten weitere Amöneburger  anzusprechen. Derzeit liegt der Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans zur Einsicht aus. Einwände gegen das Projekt können bis zum 22. Juni eingereicht werden.

„Jeder Einwand muss geprüft werden“, erklärte Nau. „Wer dies tun möchte, muss einfach eine E-Mail oder einen Brief an den Bürgermeister oder die Stadt schicken“, erläuterte Reinhard Forst und fügte an „sich nicht äußern wird von der Stadt als Zustimmung gesehen“.

Außerdem gibt es auf der Internetseite des Planungsbüros die Möglichkeit, seine Meinung zu äußern. Die Bürgerinitiative rief die Teilnehmer der Veranstaltung in den Bürgerstuben außerdem dazu auf, auch Nachbarn und Freunde dazu zu bewegen. „Viele Bürger kannten die Argumente nicht, deshalb sehe ich noch viel Potenzial, die Menschen umzustimmen “, ist sich Nau sicher.

Hoffnung auf die Politik

Ein Bürger betonte: „Solange die Entscheidung noch auf politischer Ebene liegt, sind wir noch in der Lage, das zu kippen. Auf verwaltungsrechtlicher Ebene wird es schwieriger.“

Ein weiterer Bürger gab die generelle Empfehlung, mit dem Ortsbeirat und den Stadtverordneten zu reden und öfters in die Stadtverordnetensitzungen zu gehen. „Jeder kann bei Stadtverordnetensitzungen Fragen stellen, dafür ist nur ein formloser Antrag nötig. Nur so bleibt man im Gespräch.“

Zum Abschluss formulierten die Anwesenden eine Stellungnahme der Versammlung mit Gründen gegen die Tankstelle und der Bitte an den „Ortsbeirat und die Stadtverordnetenversammlung, dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan für eine Tankstelle nicht zuzustimmen“, der sich 66 Bürger anschlossen.

  • Die Bürgerinitiative ist per E-Mail erreichbar: keine-tankstelle-amoeneburg@gmx.de

von Stefanie Wellner