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Bücherei steht vor ungewisser Zukunft

Sorgenkind Bücherei steht vor ungewisser Zukunft

In einer Sondersitzung soll der Sozialausschuss des Kirchhainer Stadtparlaments entscheiden, wie es mit Kirchhains Stadtbücherei weitergeht. Mehrere Varianten sind in der Diskussion - auch das Aus.

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Die Stadtbücherei Kirchhain verfügt über 7 500 Bücher, doch der Bestand ist veraltet. Am Eingang zum Bürgerhaus (kleines Foto) weist ein Zettel auf die Öffnungszeiten hin. Fotos: Mayer/Rinde

Kirchhain. Mitte August hatte der Kirchhainer Ausschuss für Umwelt und Soziales sich zuletzt mit der Zukunft der Stadtbücherei befasst. Aktuell befindet sich die Bücherei wieder im ersten Stock des Bürgerhauses, doch dort wird sie laut Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) definitiv nicht bleiben können. Denn im nächsten Jahr steht der Umbau des Bürgerhauses an, ein Ausweichquartier müsste her - oder ein gänzlich neues Konzept bis hin zur Aufgabe der Bücherei?

In der jüngsten Ausschuss-Sitzung informierte die Stadtverwaltung über den Stand der Überlegungen zur Bücherei-Zukunft. Unter anderem hat die Verwaltung zwischenzeitlich mehrere mögliche Raumalternativen in der Kernstadt geprüft. Die Stadt müsste zumindest für die einjährige Bauphase Flächen anmieten und den Büchereibetrieb dort weiterlaufen lassen.

Wie schon in der Augustsitzung sieht Kirchner auch die Möglichkeit, die jetzige Bücherei mit der Schulbücherei der Alfred-Wegener-Schule Kirchhain zusammenzulegen. Und als dritte Option steht eine gänzliche Schließung der Ausleihe im Raum. Der Bestand von rund 7500 Büchern könnte dann auf die verbleibenden Stadtteil- und die Kindergarten-Büchereien verteilt werden.

Linken-Stadtverordnete fordert den Erhalt

In der Fachausschuss-Sitzung gingen die Meinungen unter den Parlamentariern weit auseinander und das über die Partei- und Koalitionsgrenzen hinweg. Dies bestätigten der Stadtverordnete Reinhard Heck (Die Linke) und Bürgermeister Kirchner gegenüber dieser Zeitung. Ein klares Meinungsbild gab es nicht. Stadtverordneter Heck hielte die „Schließung der Bücherei für katastrophal“ und forderte gegenüber der OP, eine Übergangslösung zu schaffen und dabei auch die Bücherei weiterzuentwickeln. In den vergangenen Jahren habe die Stadt Kirchhain keinerlei Medien mehr für die Stadtbücherei angeschafft, sagt Heck und fordert dazu auf, das nachzuholen. Heck bringt als Standort den früheren Aldi-Markt an der Borngasse in die Diskussion. Er sieht durchaus Unterstützung bei anderen Parteien des Kirchhainer Stadtparlaments für seine Haltung, eine eigenständige Bücherei in jedem Falle zu erhalten.

Bürgermeister Kirchner bestätigte auf Nachfrage, dass es in den vergangenen Jahren keine Neuanschaffungen bei der Stadtbücherei mehr gegeben hat. Der Grund liege in der Tatsache, dass die Bücherei nach der Umsiedlung des Jukuz selbst umziehen musste. „Es gab einfach keinen Platz mehr für Neuanschaffungen“, sagt Kirchner. Neue Bücher kaufte die Stadt wohl lediglich für die Kindergarten-Büchereien, die von ihr betrieben werden. Die Räume des früheren Aldi-Marktes sind aus Kirchners Sicht zu groß für die Bücherei.

Der Sozialausschuss hat sich in der vergangenen Woche nicht auf eine Variante festgelegt. Vielmehr soll die Verwaltung nun an den im Raum stehenden Varianten weiterarbeiten und sie konkretisieren - auch hinsichtlich der finanziellen Folgen für die Stadt Kirchhain. Kirchner machte im Gespräch mit der OP kein Geheimnis darauf, welche Variante er favorisiert: die Zusammenlegung von Stadt- und Schulbücherei der AWS. „Das Geld, das wir für eine Anmietung eines Raumes ausgeben müssten, können wir in die Weiterentwicklung stecken“, ist Kirchner überzeugt. Er erwartet Kosten von rund 7000 Euro Warmmiete in einem Jahr. Den jetzigen Bücherbestand hält Kirchner selbst für „nicht zukunftsfähig“ und benennt die aktuellen Probleme der Bücherei: Es gebe nur ein Karteikartensystem, keine digitalisierte Erfassung des Bestands. Jährlich gibt es rund 1800 Ausleihen.

Aktuell hat die Bücherei Kirchhain an zwei Terminen in der Woche stundenweise geöffnet. Möglich ist das nur, weil zwei Frauen die Arbeit ehrenamtlich übernehmen. Bei einer Modernisierung der Bücherei, insbesondere bei einer Ditalisierung des Bestandes, wäre eine Fachkraft nötig. Wie dieses Problem gelöst werden könnte, wenn es zu einer Kooperation mit der AWS käme, ist unklar. Das will Kirchner verhandeln, wenn es im Sozialausschuss für diese Variante eine Mehrheit gäbe. Bisher hat er nur Vorgespräche mit AWS-Leitung und dem Kreis als Schulträger geführt. Dort sei man für die Idee offen, sagte Kirchner wie bereits im August.

- Der Sozialausschuss tagt am Montag, 29. Oktober, ab 18 Uhr im Bürgerhaus. An diesem Tage findet auch die reguläre Stadtparlamentssitzung statt.

von Michael Rinde

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