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Brutaler Räuber gibt seine Taten zu

Juwelenraum Brutaler Räuber gibt seine Taten zu

Sechs Jahre nach einem besonders brutalen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft steht nun auch der letzte mutmaßliche Täter des Trios vor dem Landgericht. Er muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

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Der letzte Täter eines besonders brutalen Raubüberfalls auf ein Juweliergeschäft steht vor dem Landgericht.

Quelle: Archivfoto

Stadtalllendorf. Rund fünf Jahre war er auf der Flucht, tauchte nach der brutalen Tat in Litauen unter. Letztendlich wurde der heute 35-Jährige doch noch gefasst, erwartet heute sein Urteil wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und Körperverletzung.

Mit starrer Mine, gefalteten Händen und dem Anschein nach äußerst nervös lauschte der Mann aus Litauen gestern vor der sechsten Strafkammer der Übersetzung der Anklageschrift. Am 24. November 2011 soll er gemeinsam mit zwei Komplizen ein Juweliergeschäft in der Stadtallendorfer Einkaufsmeile überfallen haben. Den Laden sollen die drei zuvor ausgekundschaftet und dann als scheinbare Kunden den Verkaufsraum betreten haben.

Nach der Feststellung der Kammer in früheren Verfahren gaukelte einer der Männer Interesse an einigen Ohrringen vor. Während der Verkäufer sich den Schmuckstücken zuwandte, griff sein Gegenüber zu, langte über die Theke und hielt das Opfer fest. Ein weiterer Mann griff ein, brachte den überraschten Inhaber zu Boden.

Aufnahmen der Überwachungskamera gut zu erkennen

Im Folgenden sollen beide Angreifer äußert brutal vorgegangen sein, den Wehrlosen mit Schlägen und Tritten malträtiert haben. Während des Überfalls zückte einer gar einen Elektroschocker und versetzte dem Ladeninhaber einen schmerzhaften Stromschlag. Spätestens durch diese Handlung geriet das Opfer „in Todesangst“, heißt es in der Anklageschrift.

Wie auf den vor Gericht gezeigten Aufnahmen der Überwachungskamera gut zu erkennen ist, sammelte der Angeklagte derweil die Beute ein, stopfte Schmuckstücke, Ringe, Ketten und Anhänger im Wert von 50000 Euro in eine mitgebrachte Tasche. Dabei verschob er die Vitrinen und blockierte damit die Eingangstür.

Nachdem das Opfer sich vom Boden aufrappeln konnte, versuchte es zu fliehen, kam dabei den Tätern an der Tür in die Quere. Der Angeklagte soll dem Inhaber „drei gezielte Faustschläge ins Gesicht“ verpasst haben, ihn dann zu Boden und zur Seite weggezogen haben. Der Geschädigte erlitt durch die Misshandlungen mehrere Schürf- und Platzwunden, musste eine Woche im Krankenhaus behandelt werden und blieb durch die Erfahrung schwer traumatisiert.

Die Täter flüchteten nach dem Überfall über die Grenze. Die beiden Komplizen des Angeklagten wurden bereits zu fünf und sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, der Flüchtige selber im vergangenen Jahr in seinem Heimatland aufgegriffen. Im Januar wurde er an die deutschen Behörden überführt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Selbst Schläge und gebrochene Nase kassiert

Die Beweise gegen ihn sind erdrückend, vor Gericht gab der Mann sämtliche Vorwürfe zu. „Ich gestehe, die Tat begangen zu haben und bereue es sehr“, gab er steif und unter mehreren Seufzern an. Geschlagen habe er das Opfer angeblich aus einer Panik heraus: „Ich wollte keine Gewalt anwenden, hatte Angst, festgenommen zu werden - es ist einfach so gekommen.“

Von dem Elektroschocker will er im Vorfeld nichts gewusst haben. „Er war nicht eingeweiht“, bekräftigte Verteidiger Gérald Eswein-Bielauskas. Bevor sich das Trio nach der Tat trennte, habe sein Mandant die Mittäter noch auf die sinnlose Gewalt und die Waffe angesprochen und sich beschwert. Dafür habe er selber Schläge und eine gebrochene Nase kassiert.

Eingeschritten war er am Tatort nicht gegen den Einsatz des Schockers, den sein Komplize gut sichtbar in der Hand hielt, „er rennt damit ständig vor ihnen herum“, verwies der vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm auf die Überwachungsbänder. „Sie sehen genau, was passiert - das weckt leise Zweifel“, kommentierte der Richter die angebliche Unwissenheit des Mannes.

Angeklagte stellte sich eher als Mitläufer dar

Der berichtete, dass er in die ganze Sache „hineingezogen wurde“. Als Hintergrund nannte er seine Heroinsucht und Schulden. Diese häufte er zuvor durch Drogenkäufe an - und zwar im Gefängnis in Litauen, aus dem er erst kurz vor der neuerlichen Tat entlassen wurde. Die Forderungen seiner beiden späteren Komplizen konnte er nicht bezahlen, sollte die Schulden daher abarbeiten. Erst nach der Reise nach Deutschland erfuhr er angeblich von dem geplanten Raubüberfall, bei dem er spontan helfen sollte.

Der Angeklagte stellte sich eher als Mitläufer dar. „Zunächst war ich nicht einverstanden“, teilte er mit. Der Druck der anderen Täter und die Aussicht auf weiteres Heroin hätten ihn aber umgestimmt: „Ich hatte Entzugserscheinungen, mein Körper hat den Stoff gebraucht.“

Vor Gericht stand der Wiederholungstäter nicht zum ersten Mal wegen Beschaffungskriminalität, ist in Litauen bereits mehrfach wegen schweren Raubes, Einbruchsdiebstahl und Drogendelikten vorbestraft. Seit seiner Jugend nimmt er Heroin und kommt in Konflikt mit dem Gesetz.

In den vergangenen Jahren saß er, mit nur kurzen Unterbrechungen, immer wieder in Haft. Während seiner 35 Lebensjahre summiert sich die Dauer „auf insgesamt 15 Jahre Haft - das ist eine Menge“, rechnete der Richter zusammen. Die Vergangenheit des Mannes und ein Tatbild, das „von einer gewissen Brutalität geprägt ist“, wiegen schwer vor Gericht.

Am heutigen Donnerstag soll das Urteil gesprochen werden. Der Prozess wird ab neun Uhr am Marburger Landgericht fortgesetzt.

von Ina Tannert

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