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Ostkreis Brandschutzaufklärung bei Nachbarn
Landkreis Ostkreis Brandschutzaufklärung bei Nachbarn
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19:14 24.04.2016
Wehrführer Thorsten Schröder zeigt Salva Ezziden aus Syrien den Umgang mit einem Feuerlöscher. Quelle: Karin Waldhüter
Wohra

Die steigende Anzahl der Asylbewerber ist eine große Herausforderung - auch für die Feuerwehren. Die Brandschutzaufklärung speziell für Flüchtlinge bedarf einiger Vor­überlegungen, wie Wehrführer Thorsten Schröder erläutert. Da ist zum einen die Feuerwehruniform. Flüchtlinge bringen aus ihrer Heimat oftmals Polizei und Militär mit Uniformen in Verbindung. Deshalb trage er heute auch keine Uniform, erklärt Schröder. Dazu kommt das Verständigungsproblem. Das lösen die Geschwister Sonya und Sarah Hassani, 13 und 10 Jahre alt. Sie kommen aus Syrien, sprechen perfekt Deutsch und helfen beim Übersetzen.

Zwei Jahre lang waren die Schwestern Mitglieder der Jugendfeuerwehr Wohra. Nach der Anerkennung leben die beiden Mädchen heute mit ihrer Familie in Kirchhain.

Wichtigstes Hilfsmittel: Bilder

„Sprachlich wollen wir die Brandschutzaufklärung auf einem einfachen Level halten“, berichtet Schröder. Als wichtiges Hilfsmittel sieht er die Arbeit mit Bildern, die verdeutlichen sollen, worauf es ankommt.

39 Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien, Afghanistan und Pakistan, leben in direkter Nachbarschaft des Feuerwehrgeräte­hauses. Zu den dort lebenden Flüchtlingen besteht ein gutes Verhältnis.

Die Feuerwehrleute begrüßen die eintreffenden Flüchtlinge mit Handschlag und zeigen sich gastfreundlich. In der Halle, in der sonst die Einsatzfahrzeuge stehen, lädt ein Buffet mit Getränken, Kaffee und Kuchen zum Zugreifen ein. Neben Schröder begleiten die Ausbilder der Feuerwehr Wohra Alexander Bach, Jochen Diehl, Florian Möbus, Martin Denzel und Eva Hilberg die Brandschutzaufklärung. Sie tragen Uniform und stellen sich zunächst den Flüchtlingen vor.

„Wir sind nicht von der Polizei oder dem Militär, wir werden für unsere Arbeit nicht bezahlt und machen das in unserer Freizeit“, erklärt Schröder den Flüchtlingen, die in großer Zahl gekommen sind. Viele haben auch ihre Kinder mitgebracht. „Habt ihr Angst vor Feuer?“, will Schröder zunächst wissen. Der Frage und der Übersetzung folgt ein allgemeines Kopfschütteln. „Was wir Euch zeigen, ist nicht gefährlich, es wird Euch helfen und auch Spaß machen“, betont Schröder.

Zwei Gruppen und zwei Stationen

Aufgeteilt in zwei Gruppen erläuterten und zeigten die Mitglieder der Feuerwehr an zwei Stationen, wie man der Feuergefahr begegnet, sich im Brandfall richtig verhält und wie man per Handy die Feuerwehr benachrichtigt. Im Außenbereich und in der Küche erläuterten die Feuerwehrkameraden, welche Gefahren im Haushalt lauern, informierten über die wichtige Funktion eines Rauch­melders, demonstrierten einen Fettbrand und führen vor, wieman einen Feuerlöscher richtig bedient.

Schröder sieht in der Brandschutzaufklärung der Flüchtlinge eine wichtige Aufgabe. Zum einen, weil es die Aufgabe der Feuerwehr sei, aufzuklären, zum anderen, weil es momentan viele Flüchtlinge in Wohra gebe und er vom „Runden Tisch Integration Wohratal“ angesprochen worden sei. „Die Flüchtlinge haben oft in ihren Herkunftsländern den richtigen Umgang mit Feuer nicht kennengelernt“, so Schröder. Auch seien vielen Rauchmelder nicht bekannt.

Mit großem Interesse verfolgten rund 20 Flüchtlinge die einzelnen Stationen. „Es ist toll und hilft uns“ erklärte Salva Ezziden auf Englisch. Die 33-jährige Englischlehrerin ist aus dem syrischen Rakka geflohen und lebt seit drei Monaten gemeinsam mit ihrem Mann in Wohra.

von Karin Waldhüter