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Ostkreis Brandopfer sind von Hilfe überwältigt
Landkreis Ostkreis Brandopfer sind von Hilfe überwältigt
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00:16 28.08.2018
50 Feuerwehrleute bekämpften in Rauschenberg im Juli einen Scheunenvollbrand.  Bei dem Feuer wurden das gesamte Futter, ein Traktor und vieles mehr ein Raub der Flammen. Quelle: Nadine Weigel
Rauschenberg

Sabine Kraatz kann heute kaum noch fassen, was für ein Glück sie und ihre Familie hatten. „Wenn die Kinder noch einmal reingerannt wären, wären sie hinter dieser Feuersäule gewesen. Und ich glaube, da wären sie auch nicht mehr rausgekommen“, sagt sie und schaut zu ihrer Tochter. Die 16-jährige Franziska hat in der Brandnacht das erlebt, wovor sich jeder Tierbesitzer fürchtet: Die Scheune steht in Flammen und die geliebten Tiere sind noch eingesperrt. Vier Ponys und zig Hasen sind es bei Familie Kraatz.

„Mein Sohn Andreas saß gegen Mitternacht noch auf der Terrasse und hat plötzlich einen Knall gehört“, erinnert sich seine Mutter. In der Annahme, dass vielleicht jemand einen Böller in die Ställe geworfen hat, rennt Andreas nach draußen. Die an die Scheune angrenzende Garage brennt. Qualm und Flammen schlagen in die Box der Ponys, die kleine schwarze Stute „Unikata“ hat Panik, versucht zu entkommen und knallt gegen die Gitterstäbe.

Um 2 Uhr war die Nacht vorbei für die Rauschenberger Wehren. Eine Scheune in der Borngasse stand in Vollbrand.

Der 18-jährige Andreas weckt seine Schwester. Zusammen mit zwei Freunden zögern die Geschwister keine Sekunde. Gemeinsam retten sie die vier Ponys und so viele Hasen, wie sie können, aus den sich immer weiter ausbreitenden Flammen. Für zwölf Hasen kommt jedoch jede Hilfe zu spät.

Sabine Kraatz freut sich über einen Scheck über 3 104 Euro, den ihr Michael Emmerich überreicht. Rauschenbergs Bürgermeister hatte ein Spendentelefon für die Brandopfer einrichten lassen. Foto: Nadine Weigel

„Natürlich ist das schlimm mit den Hasen, aber ich bin froh, dass den Kindern und Pferden nichts passiert ist“, so Kraatz, die selbst zum Brandzeitpunkt auf einer Feier war und erst ­etwas später dazukam.
50 freiwillige Feuerwehrleute aus allen Ortsteilen kämpfen die gesamte Nacht gegen die Flammen und verhindern, dass sich der Scheunenbrand auf umliegende Gebäude ausdehnt. Bis nach Albshausen sieht man die Feuersäule.

Franziska Kraatz krault Pony Fernando. Die 16-Jährige rettete mit ihrem Bruder und zwei Freunden vier Ponys aus der brennenden Scheune. Foto: Nadine Weigel

Die Bebauung ist eng, die Gefahr ist groß. Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich war selbst als Feuerwehr­mann vor Ort und konnte die Flammen schon von Weitem sehen. Dem riesigen Feuerschein nach befürchtete Emmerich, dass noch mehr Gebäude in Flammen stehen könnten. „Als ich dann gesehen habe, dass die Feuerwehr die umliegenden Gebäude bereits nass gemacht hat, sodass das Feuer nicht übergreifen konnte, habe ich wieder gemerkt, wie gut die Ausbildung unserer Wehr ist und wie gut die Zusammenarbeit funktioniert“, lobt Emmerich die ehrenamtlichen Einsatzkräfte. Ein Nachbargebäude war bereits angekokelt, konnte aber auch gelöscht werden.

Familie Kraatz hat Glück im Unglück. Die Kinder überstehen die Rettung unbeschadet, die elf Pferde und Ponys, die Kühe, Ziegen und Schafe ebenso. Und dennoch ist es eine Katastrophe. 12 Hasen tot, Traktor, Kutschen, Sättel, Zaumzeug, Aggregate und vieles mehr verbrannt. Das Schlimmste: Der gesamte Futtervorrat ist ein Raub der Flammen. „Am Morgen nach dem Brand hatte ich nichts mehr zu füttern“, erinnert sich Sabine Kraatz.

Doch die tierliebe Familie hat nicht mit der großen Hilfsbereitschaft der Rauschenberger und der Menschen im Landkreis gerechnet. Tausende Male wurde der Bericht über die Brandopfer allein auf der Facebookseite der OP geteilt. Rauschenberger, Menschen aus dem Landkreis und darüber hinaus nehmen Anteil am Schicksal der Tierliebhaber und wollen helfen. Schon am nächsten Morgen bringen Menschen Futterspenden vorbei.

Überall sei man ihr entgegengekommen, habe für sie gesammelt, berichtet Kraatz. Insgesamt sind so rund 4 000 Euro zusammengekommen, davon allein 3 104 Euro über eine von der Stadt Rauschenberg betreuten Spendenhotline. Bürgermeister Emmerich freute sich sehr, den dazugehörigen Scheck am Dienstag überreichen zu können. Das Geld braucht Kraatz dringend, um Heu für ihre Tiere zu kaufen. Denn aufgrund der anhaltenden Dürre ist Heu in diesem Jahr generell rar. Das Heu, das noch käuflich zu erwerben ist, ist extrem teuer geworden. „Mein Dank gilt wirklich jedem einzelnen Spender“, sagt Kraatz gerührt und betont, dass das Geld zu 100 Prozent den Tieren zugute komme. Sie hofft, dass sie genug Heu erwerben kann, um ihre Tiere gut durch den Winter zu bringen.

Die Brandursache ist bislang noch nicht ermittelt. Auf Nachfrage der OP teilt die Polizei mit, dass es keine Anhaltspunkte für Brandstiftung gebe. Durch den hohen Zerstörungsgrad werde wohl die genaue Ursache nicht geklärt werden können.

von Nadine Weigel