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Ostkreis Brandenstein setzt auf ständigen Dialog
Landkreis Ostkreis Brandenstein setzt auf ständigen Dialog
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Pierre Brandenstein steht am Spielplatz Piratennest, den auch seine Kinder schon getestet haben. Quelle: Tobias Hirsch

Stadtallendorf. Die Frage, was ihm an Stadtallendorf besonders gefällt, beantwortet Pierre Brandenstein mit nur einem Satz: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit meiner Familie hier zu leben.“ Seine Kinder hätten das Piratennest, den Spielplatz am Heinz-Lang-Park schon getestet und für gut befunden. Und was gefällt ihm an der Stadt nicht? „Das es außen ein viel zu schlechtes Bild von Stadtallendorf gibt. Diese Stadt ist viel besser als ihr Ruf“, betont Brandenstein. Als Richter in Kirchhain und Marburg kam der aktuelle Vizepräsident des Landgerichts Kassel und Diplom-Finanzwirt erstmals mit Stadtallendorf in Berührung.

Richtig intensiv erkundet hat er die Stadt seit Januar, seit klar war, dass er als Bürgermeisterkandidat antritt. Sehr viele Gespräche hat er seitdem geführt. In der Innenstadt habe bisher die Situation in der Stadtmitte dominiert. In den Stadtteilen ging es zum Beispiel um die Nahversorgung, zum Beispiel auch um die Zukunft der Bürgerhäuser. Er hat das als ein offenbar sehr wichtiges Thema in den Köpfen der Stadtteilbewohner erkannt. „Was hat eine Stadt davon, Einrichtungen zu schaffen, die keiner nutzt, weil sie vielleicht zu teuer sind?“, fragt sich Brandenstein. Er wolle als Bürgermeister einen Mittelweg finden zwischen Bezahlbarkeit und den Finanzzwängen der Stadt. Offenbar sieht Brandenstein Änderungsbedarf. Auf populistische feste Wahlversprechen lässt er sich aber nicht ein.

Offenheit und Transparenz sagt er den Wählern allerdings ausdrücklich zu, wenn sie am 18. September für ihn stimmen. „Es wäre falsch, diejenigen, die es am Ende bezahlen müssen, außen vor zu lassen“, betont er. Bürgerinformationen bei konkreten Projekten bis hin zu Befragungen hält er für denkbare Wege, um diese Offenheit dann auch zu manifestieren. Auch unangenehme Wahrheiten ansprechen Bei seiner offiziellen Nominierung durch eine CDU-Mitgliederversammlung hatte Brandenstein die Haushaltskonsolidierung als eines seiner wichtigen Ziele benannt, wohl wissend, wie stark Stadtallendorf von den Einnahmen aus der Gewerbesteuer abhängt. Über gerade einmal 18,5 Millionen Euro von 55 Millionen Euro könne Stadtallendorf als Stadt nach Abzug aller Umlagezahlungen wirklich frei verfügen. Brandenstein weiß, dass er als Bürgermeister am Sparen nicht vorbeikommen wird. Dazu bekennt er sich auch, orientiert an der Redensart „Spare in der Zeit, so hast Du in der Not.“ Aber er stellt im nächsten Satz auch klar: „Sparen vor Ort darf nicht bei den Schwächeren der Gesellschaft beginnen.“

Eine Bestandsaufnahme aller Leistungen und Einrichtungen der Stadt hält er für nötig, um zu schauen, wo Sparen überhaupt möglich sein könnte. „Und wenn es denn nötig ist, muss man dann auch unangenehme Wahrheiten aussprechen“, sagt er. Doch auf der Einnahmenseite sieht der Finanzwirt, der seit 20 Jahren auch Kommunalpolitiker ist, noch Handlungsmöglichkeiten für die Stadt, etwa in der Werbung um mittelständische Dienstleister und Unternehmen, um die Abhängigkeit von den großen Unternehmen zu mildern. Die Situation der Stadtmitte und vor allem des dortigen Einzelhandels ist ein weiteres Thema, das auf Brandensteins Liste weit oben angesiedelt ist. Ja, die Situation sei schlecht, da dürfe keiner drum herumreden.

Wäre er ab 15. März 2012 Stadtallendorfs Bürgermeister, so will er zunächst reden und zwar mit allen Seiten: Handel, Immobilienbesitzern, Einzelhandelsverband und den Parteien. Wichtig sei es, schnell etwas zu tun, um Leben in die City zu holen. „Das kann auch mit einfachen Dingen geschehen, wie zum Beispiel der Etablierung eines Wochenmarktes.“ Vor allem aber hält er eine neue Bestandsaufnahme, wie beim Einzelhandelsgutachten, das ein Jahrzehnt alt ist, für unumgänglich. Will er sich vom jetzigen Amtsinhaber Manfred Vollmer (CDU) eher abgrenzen oder ihm nacheifern? Von Brandenstein kommt in beiden Punkten ein klares Nein. „Ich trete als Kandidat Pierre Brandenstein und beschreibe die Dinge so, wie ich sie sehe. Darum werde ich auch nicht die Kopie des Amtsinhabers sein.“

von Michael Rinde

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