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Den Neustädter Wald trifft es besonders hart

Borkenkäfer Den Neustädter Wald trifft es besonders hart

Seit 30 Jahren ist Klaus Schild Förster. Dass der Borkenkäfer einen so 
großen Schaden anrichtet, hatte er in dieser langen Zeit noch nicht erlebt.

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Befallene Bäume lassen sich am feinen Bohrmehl erkennen, das auf der Rinde liegt.

Quelle: Florian Lerchbacher

Neustadt. Die Stadt Neustadt muss in ihrem 1000 Hektar 
großen Wald in diesem Jahr doppelt so viele Fichten ­fällen wie sonst üblich. Das entspricht rund 2000 Festmetern. Der Jahreseinschlag der Stadt insgesamt beträgt im Normalfall rund 5000 Festmeter.

Schuld am erhöhten Einschlag und am sinkenden Verkaufspreis ist der Borkenkäfer. Besonders hart hat es den Wald bei Momberg getroffen, wo Forst­arbeiter derzeit zahlreiche Bäume fällen und das Holz, das nicht aufge­arbeitet und auch nicht rasch 
abtransportiert werden kann, mit Chemikalien einsprühen. „Seit 14 Jahren bin ich für den Neustädter Wald zuständig – und wir kamen immer ohne Chemie aus“, kommentiert Revierförster Klaus Schild.

Bohrmehl verrät den Übeltäter

Er betont, dass die Chemie nur eingesetzt werde wo dringend nötig, und berichtet, dass auch ein Harvester und Forstmulcher unterwegs waren. ­Letzterer, um Kronenteile und Resthölzer zu zerkleinern: „Das war ein Schnellangriff. Wir wollten das frische Material zerstören, um dem Borkenkäfer die Nahrung zu entziehen.“ Sogar bei gefällten Bäumen sei dies notwendig, denn der Käfer fresse die Wachstumsschicht, den „Bast“, und zerstöre so die Versorgungsschicht des Baumes, so dass dieser abstirbt.

Der Neustädter Wald besteht zu rund 22 Prozent aus Fichten. Derzeit ist es Schilds Hauptaufgabe, zu Fuß durchs Gehölz zu stapfen und die vom Borken­käfer befallenen Bäume zu finden. Sie lassen sich daran erkennen, dass es in der Rinde kleine Löcher gibt. Hauptindiz ist ein „Bohrmehl“, das entsteht, wenn sich der Käfer – entweder der 
Buchdrucker oder der Kupferstecher – ins Holz hineinarbeitet. Besonders bitter: Schilds Hoffnung, dass die „Jungbestände“ – also aufgeforstete Fichten, die kaum 40 Jahre alt sind – die Borkenkäferplage überstehen, sind extrem gering. Er hofft, im kommenden Jahr mit dem Wiederaufforsten beginnen zu können.

Lichtschein am Horizont

Gemeinsam mit Bürgermeister Thomas Groll, der auch ­Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Marburg-Kirchhain ist, hofft er, dass das Land ein Förderprogramm auflegt, um das Abernten des Holzes und die Vermarktung in diesen schweren Zeiten zu unterstützen. Holz sei im Vergleich zum Vorjahr fast nur noch die Hälfte wert. „Das Land und der Bund haben für die Landwirtschaft nach der Trockenperiode ein Förderprogramm aufgelegt. So etwas sollte es parallel auch für uns gegeben“, fordert Groll.

Wenn die Forstarbeiter sich um den städtischen Wald bei Momberg gekümmert haben, müssen sie ihre Arbeit bei Neustadt fortsetzen. Ein kleiner Lichtschein am düsteren Horizont: Dort ist der Prozentsatz an Fichten niedriger als im Wald in der Nähe des Stadtteils.

von Florian Lerchbacher

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