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Ostkreis Bevorzugter Standort liegt in Nachbargemeinde
Landkreis Ostkreis Bevorzugter Standort liegt in Nachbargemeinde
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06:15 26.04.2012
Die Gemeinde Wohratal will das Thema Windenergie nicht an sich vorbeiziehen lassen, fällt allerdings laut Oberer Planungsbehörde unter die Kategorie „windschwach“. Entsprechend ist die Suche nach einem Standort schwierig. Quelle: pixelio.de
Wohratal

In der eigenen Gemeinde scheinen eigentlich keine für Windkraft geeigneten Flächen zu liegen. Doch das Thema in Zeiten der Energiewende einfach an sich vorbeiziehen zu lassen, will Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann mit Blick auf mögliche Einnahmequellen nicht. Daher würde er gerne auf eine Kooperation mit der Stadt Rauschenberg setzen: „Wir sind zwei kleine Gemeinden. Es macht Sinn, wenn wir zusammenarbeiten.“

Hintergrund ist, dass die Nachbarkommune über bessere Standorte verfügt, als Wohratal - das zumindest ergab die Betrachtung der 55 möglichen Flächen, die das Regierungspräsidium in der Potenzialanalyse „Mittelhessen ist voller Energie“ vorgeschlagen hatte.

Ein Blick reichte dem Bürgermeister einst, um direkt einige der Flächen auszuschließen, da sie im FFH-Gebiet liegen. In der vergangenen Gemeindevertretersitzung kündigte er zudem an, dass die Stadtwerke Marburg Interesse an Flächen am Standort Burgwald/Mönchswald bekundet hätten. Aus diesem Grund vertritt Thomas Brandherm am Dienstag um 20 Uhr im Bürgerhaus Wohratal während der Gemeindevertretersitzung im Bürgerhaus Wohratal das Unternehmen.

Allerdings gibt es auch am Burgwald/Mönchswald einiges auszusetzen: Zunächst strich Hartmann Vorschläge, da diese zu nah an den Ortschaften Halsdorf und Wohra lägen. Weitere fünf Standorte lehnte die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz ab, da die Flächen „den Zielen des Artenschutzes entgegenstehen“: Sie liegen in einem Vogelschutzgebiet, der Zugkorridor der Kraniche sowie Gebiet von Rotmilan, Schwarzstorch, Großhöhlenbrüter ist. Bedenken hat auch die Obere Naturschutzbehörde geäußert. Zudem sei unklar, wie hoch die Erschließungskosten für Straßenbau und Leitungen wären. Damit stelle sich die Frage, ob sich dieser Bereich überhaupt rechne. „Die Stadtwerke ermitteln die Kosten“, fasste Hartmann zusammen.

Ein Standort, den ein Mitglied des Gemeindevorstandes noch einmal ins Spiel gebracht hat, liegt zwischen den Gemarkungen Halsdorf und Josbach. „Auf der gegenüberliegenden Seite in südlicher Richtung befindet sich auf annähernd gleicher Höhenlage bereits der Windpark von Ernsthausen. Der Standort ist verkehrsmäßig erschlossen und in direkter Nähe ist bereits eine 20 kV-Leitung (Mittelspannung) der Eon“, nennt Hartmann als Vorteile. Allerdings betrage der Abstand zur „Wohnbebauung Halsdorf“ laut Kartenmessung nur rund 920 Meter: „Eine Verwirklichung nur auf Halsdorfer Gemarkung scheidet wegen der Abstandsflächen aus“, sagt Hartmann und verweist darauf, dass es „Konzentrationsflächen“ geben solle - einzelne Windräder seien nicht erwünscht, es müsse mindestens vier geben. Daher stelle sich die Frage, ob zusammen mit der Stadt Rauschenberg eine interkommunale Lösung denkbar wäre, „wobei auf dem Halsdorfer Teil ein, maximal zwei Windkrafträder zu verwirklichen sein dürften.“

Hartmann hat diesbezüglich bereits Kontakt zu Rauschenbergs Bürgermeister Manfred Barth aufgenommen, der sich „offen für die Anfrage“ gezeigt habe. Die Stadtwerke ermitteln zurzeit die Windgeschwindigkeiten. „Kritisch ist auch hier, dass nur knapp der Mindestabstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung erreicht werden kann“, betont Hartmann.

Aus diesem Grund zaubert er einen weiteren Vorschlag aus der Tasche: Die interkommunale Zusammenarbeit außerhalb der Wohrataler Gemarkungen. Die Nachbarkommune Rauschenberg prüfe Flächen im Stadtwald Richtung Sindersfeld, auf denen laut „Mittelhessen ist voller Energie“ größere Windgeschwindigkeiten herrschten, als an den angedachten Standorten in Wohratal. „Vorteil ist hier auch, dass die Flächen bereits in kommunaler Hand sind“, sagt Hartmann und schlägt eine interkommunale Kooperation mit einem Genossenschaftsmodell und der Beteiligungsmöglichkeit von Bürgern aus Rauschenberg und Wohratal vor: „Die Akzeptanz der Bürger ist wichtig“, erklärt er - auf Nachfrage war jedoch zu erfahren, dass bisher noch kein Wohrataler Interesse bekundet habe. Entsprechend sei die Sitzung am Dienstag nicht nur für die Gemeindevertreter sondern auch für Bürger und mithin mögliche Investoren interessant.