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Ostkreis Betrug mit 50-Euro-Blüte fliegt schnell auf
Landkreis Ostkreis Betrug mit 50-Euro-Blüte fliegt schnell auf
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11:49 21.02.2018
Ein Stadtallendorfer hatte sich gefälschte 50-Euro-Scheine besorgt, um sich das Wechselgeld zu erschleichen. Die Geldscheine auf diesem Themenfoto sind natürlich echt. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Das Jugendschöffengericht in Marburg verurteilte einen inzwischen 21-jährigen Stadtallendorfer wegen des Inverkehrbringens von Falschgeld und Betrugs zu einem einwöchigen Dauerarrest sowie einer Geldstrafe und Arbeitsstunden.

Der zum Tatzeitpunkt 19-Jährige hatte im Jahr 2015 eine Ausbildung zum Fachinformatiker begonnen und wollte sich nach eigenen Aussagen „etwas dazu verdienen“. Dazu begab er sich in das Darknet. Dort besorgte er sich zehn gefälschte 50-Euro-Scheine zum Preis von je 13,50 Euro sowie eine Datenbank voller ausgespähter Kreditkarteninformationen, die er umsonst erhalten haben will.

Polizei wartet bereits 
an der Packstation

Mit den gestohlenen Daten betrieb der Angeklagte einen lukrativen Handel. Dazu sprach er Freunde und Bekannte an, ob sie etwas aus dem Internet bestellen wollten und bot ihnen dann die Ware zur Hälfte des Preises an. Die Bestellungen reichten von Armbändern über Parfüm und Videospiele bis hin zu Handtaschen und Armbanduhren namhafter Hersteller. Bei den Versandhändlern gab er stets ein Abholfach in einer Packstation in Stadtallendorf an. Insgesamt orderte der Angeklagte Waren im Wert von über 6 800 Euro und verkaufte diese weiter.

Mit den gefälschten Banknoten wollte er Waren in diversen Geschäften kaufen, um an das echte Wechselgeld zu gelangen. Doch der erste Versuch ging bereits schief. Sein Bruder, der sich in einem gesonderten Verfahren verantworten muss, flog mit der Blüte bei einer Tankstelle in Marburg auf.

Angeklagter geständig, aber kaum einsichtig

Im Juni 2016 endete dann auch das Betrugsgeschäft des Angeklagten. Ein Kreditkartenbesitzer hatte auf seinen Abrechnungen die bestellten Waren bemerkt und sich mit dem Versandhaus und der Polizei in Kontakt gesetzt. Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen führten schnell zum Angeklagten. Die Ermittler erwarteten ihn nach einer weiteren Bestellung an seinem Paketfach und stellten ihn. Die Polizei durchsuchte darauf hin die Wohnung der Eltern, in der der Angeklagte wohnte, sowie die der Großmutter, in der ein Laptop und USB-Sticks mit Kreditkartendaten gelagert wurden.

Die durch den Betrug erlangten Waren mussten zurückgebracht werden, was für den Angeklagten zu schweren Zeiten in seinem Freundeskreis führte, wie im Verhandlungsverlauf klar wurde. Der Angeklagte war zwar im Prozess geständig, dennoch zeigte er sich kaum einsichtig. Es sei ihm „nicht darum gegangen, jemanden zu schädigen, nur darum, Geld zu verdienen“. Die Folgen für die Kreditkartenbesitzer ließ er dabei völlig außer Betracht.

Richter will mit Strafe abschrecken

Bei dem Urteil kam nach Einschätzung des Gerichts unter Vorsitz von Richter Thomas Rohner Jugendrecht zur Anwendung, da der Angeklagte aufgrund seiner Lebensverhältnisse eher als Jugendlicher einzuschätzen sei. Zudem ging das Gericht bei dem Urteil vom Tatbestand des einfachen Diebstahls aus.

Die Strafe sollte eine abschreckende Wirkung erzielen, denn, so war sich Richter Rohner sicher: „Wären Sie nicht aufgeflogen, hätten Sie immer weiter ­gemacht.“

Daher entsprach der Vorsitzende nicht der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung, sondern verhängte einen einwöchigen Jugendarrest gegen den Angeklagten. Außerdem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Rückzahlung des durch seine Taten erlangten Geldes leisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

von Michael Noll