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Ostkreis Betrüger erbeuten 20.000 Euro
Landkreis Ostkreis Betrüger erbeuten 20.000 Euro
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13:57 03.10.2018
Die Polizei ruft niemals über die Notrufnummer 110 an. Betrüger nutzen allerdings diese Masche. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Bargeld und Schmuck im Wert von zirka 20.000 Euro erbeuteten professionelle Betrüger am Freitagnachmittag zwischen 14 und 15 Uhr in der Straße „Am Bahnhof“. Die Kriminalpolizei hofft nun auf Zeugenhinweise. Am Mittag erhielt die Seniorin den ersten Anruf einer akzentfrei Deutsch sprechenden Frau, die sich als Polizeibeamtin zu erkennen gab.

Wieder einmal wurde die bestens bekannte Geschichte aufgetischt. Einbrecher seien unterwegs, der Name des Opfers sei auf einem Zettel vermerkt und somit seien die Wertsachen im Haus nicht mehr sicher. Die Betrüger hielten die Rentnerin durch mehrere Telefonate unter Dauerdruck und brachten sie dazu, Angaben über das Vermögen preis zu geben. Letztendlich wurde die Seniorin davon überzeugt, dass die Wertsachen in der Wohnung nicht mehr sicher sind und von der Polizei in Verwahrung genommen werden müssen.

Polizei hofft auf Zeugen aus Restaurant

Um die Dringlichkeit zu untermauern wurde dem Opfer auch noch suggeriert, Angestellte ihrer Bank würden mit den Einbrechern zusammenarbeiten. Auch ein angeblicher Staatsanwalt meldete sich, um die „Lügengeschichte“ rund zu machen. Die ältere Frau, die zu absoluten Stillschweigen verpflichtet wurde, erhielt nun konkrete Anweisungen. Wie gefordert warf sie zwischen 14 und 15 Uhr sämtliche Wertsachen in einer Plastiktüte über den Balkon nach unten.

Das Versprechen der „falschen Polizisten“, die Wertsachen zeitnah wieder auszuhändigen, wurde natürlich nicht eingelöst. Der Schwindel flog erst auf, als die Seniorin misstrauisch wurde und gegen 16.30 Uhr bei der Polizeistation Stadtallendorf anrief. Die Kriminalpolizei erhofft sich nun Hinweise aus der Bevölkerung und bittet um Mithilfe: Wem sind am Freitag zwischen 12 und etwa 15 bis 15.30 Uhr verdächtige Personen oder Fahrzeuge in der Straße „Am Bahnhof“ aufgefallen?

Insbesondere interessieren sich die Beamten für Gäste eines Restaurants, das in der Sackgasse am Bahnhof ansässig ist. Die Ermittler schließen nicht aus, dass Besucher beim Betreten oder Verlassen der Gaststätte Beobachtungen gemacht haben, die für das Ermittlungsverfahren von Bedeutung sind.

Hinweise bitte an die Kriminalpolizei in Marburg, Telefon 06421/4060.

Vorbeugung

Die Polizei rät: Seien Sie wachsam, misstrauisch und besprechen sich mit einer Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an eine Abhebung von Bargeld denken oder das daheim gelagerte Geld an Fremde aushändigen. Lassen Sie sich am Telefon von den mutmaßlichen Betrügern nicht unter Druck setzen. Geben Sie niemals vertrauliche Informationen preis. Behörden, seriöse Unternehmen agieren nicht in dieser Form.

Sollte im Display eine Telefonnummer angezeigt werden, die angeblich auf die Polizei hinweist: Nicht die Wahlwiederholung drücken. Die Täter agieren in der Regel mit dem sogenannten „Call ID Spoofing“. Dabei wird im Display des Angerufenen eine Nummer angezeigt, die vortäuscht, die Polizei ­habe angerufen. Ein anderer Vorwand ist, dass die Ersparnisse auf untergeschobenes Falschgeld hin überprüft beziehungsweise Spuren gesichert werden müssten.