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„Beratung ist nicht mit Geld zu bezahlen“

Lob für Wasser- und Bodenverband „Beratung ist nicht mit Geld zu bezahlen“

Die Beratung der heimischen Landwirte in Sachen Gewässer- und Erosionsschutz ist auch für das kommende Jahr gewährleistet. Das Land Hessen lässt sich dies stolze 171000 Euro kosten.

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Welche Sorten bringen auf den Flächen der Region den besten Ertrag? Feldversuche bringen Antworten auf diese Frage und gehören zum Beratungsprogramm des Wasser- und Bodenverbandes Marburger Land. Regierungspräsident Dr. Lars Witteck (kleines Foto links) u

Amöneburg. Den entsprechenden Vertrag unterzeichneten Regierungspräsident Dr. Lars Witteck als Vertreter des Landes und Werner Metke, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Marburger Land in Amöneburg. Der Verband wird damit auch 2013 die gewässerschutzorientierte Beratung von Landwirten in Stadtallendorf, Neustadt, Kirchhain, Rauschenberg, Amöneburg, Wetter, Münchhausen und Cölbe gewährleisten.

Was bedeutet die sperrige Vokabel „gewässerschutzorientierte Beratung“? Zwei Beispiele aus der Praxis: Nur wenn der Landwirt genau weiß, wie viel Dünger er für eine bestimmte Frucht auf einem bestimmten Boden aufzubringen hat, wird die Überdüngung von Böden verhindert, die nicht nur unnötiges Geld kostet, sondern auch zu einer erhöhten Nitratbelastung von Grundwasser und offenen Gewässern führen kann. Und blanke Ackerflächen in Hanglagen befördern bei Starkregen die Erosions- und Hochwassergefahr.

So floss in der Vergangenheit bei Unwettern wertvolle Ackerkrume immer wieder in die Neustädter Marktstraße. Beratungen des Wasser- und Bodenverbandes haben dazu beigetragen, dass den Neustädtern diese Riesenschweinerei in diesem Jahr erspart blieb: Änderungen beim Fruchtanbau und Randbepflanzungen der kritischen Flächen brachten der Stadt den notwendigen Schutz und sicherte den Landwirten ihr kostbares Anbau-Substrat.

Der Regierungspräsident lobte die hohe Akzeptanz, die die Beratungstätigkeit in der Region habe. Sie erreiche rund 70 Prozent der 950 landwirtschaftlichen Betriebe im Einzugsbereich des Verbandes. Das sei hessenweit ein Spitzenwert. Er sei froh, dass die Zusammenarbeit zwischen seinem Haus und dem Verband und zwischen dem Verband und den Landwirten so gut funktioniere, sagte Witteck.

Das hob auch Werner Metke hervor, der die unbürokratische Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium würdigte. Der Verband lebe wesentlich vom großen Vertrauen, dass er sich als Dienstleister der Landwirte erworben habe. Dieses Vertrauen lasse auch manche Vorhaben erstaunlich schnell gelingen - so das Hochwasser- und Erosionsschutz-Projekt in Neustadt, sagte Metke.

Ingo Henkel, der für die Landwirtschaft an dem Treffen teilnahm, machte deutlich, dass die Beratung durch den Verband nicht allein eine umweltschützerische Komponente habe.

Wird der Pflugzum Auslaufmodell?

Die Landwirte hätten über das gemeinsame Ziel einer umweltschonend betriebenen Landwirtschaft hinaus auch erhebliche betriebswirtschaftliche Vorteile durch die Beratung des Verbandes. So habe er durchaus auch aus Eigennutz vor zehn Jahren auf Empfehlung des Verbandes seinen Betrieb auf Mulchsaat umgestellt. Darunter versteht man ein pflugloses Saatverfahren, bei dem die Pflanzenreste einer Zwischenfrucht oder das Stroh der Vorfrucht vor und nach der Neuaussaat die Bodenoberfläche bedecken und diese dadurch vor Erosion und Verschlämmung schützt. „Ich möchte nicht, dass mein wertvoller Löss-Boden im Graben landet“, sagte der Erksdorfer, der seinen inzwischen auf 170 Hektar angewachsenen Betrieb im Nebenerwerb bewirtschaftet. Nicht nur mit Blick auf den Gewässerschutz sei der vollständige Abschied vom Pflug ein Gebot der Zeit, sagte Henkel.

Hilfen für richtigeEntscheidungen

„Die Beratung ist nicht mit Geld zu bezahlen“, lobte Henkel die Arbeit des Verbandes, der den Landwirten auch in komplizierten Fragen wie Sortenwahl, Aussaat-Termin, Stickstoff-Dosierung oder nach dem Totalverlust des Wintergetreides helfe, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Frank Burk, stellvertretender Leiter des Dezernats Grundwasserschutz und Wasserversorgung beim Regierungspräsidium Gießen, erklärte, dass die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie 2010 für die ersten Beratungsverträge Pate gestanden habe. Diese liefen zum Jahresende aus.

Witteck erinnerte daran, das der Wasser- und Bodenverband Marburger Land erster Vertragspartner des Regierungspräsidiums Gießen gewesen sei. Er sei froh, dass diese erfolgreiche Zusammenarbeit um ein weiteres Jahr zum Nutzen des Gewässerschutzes und der Landwirtschaft fortgesetzt werden könne, sagte der Regierungspräsident.

von Matthias Mayer

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