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Ostkreis Belastungszeugin will nicht mehr aussagen
Landkreis Ostkreis Belastungszeugin will nicht mehr aussagen
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06:55 29.01.2018
Eine 32-Jährige soll vom Angeklagten misshandelt worden sein. Quelle: Archivfoto
Stadtallendorf

Bei der Fortsetzung des Prozesses vor der 3. Jugendkammer des Marburger Landgerichts gegen einen heute 20-jährigen Mann hielt der zweite Prozesstag für alle Beteiligten eine echte Überraschung parat. An diesem Prozesstag standen neben der Schlägerei vor der Bar in der Scharnhorststraße auch Ereignisse in einer Kirchhainer Wohnung im Mittelpunkt. Es ging um den Vorwurf der Misshandlung wie der Freiheitsberaubung.

Zunächst berichtete der Angeklagte, dass er die Hauptbelastungszeugin kenne und gab auch eine sexuelle Beziehung mit derselben zu. Er habe sie aber, entgegen den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, weder misshandelt noch in ihrer Freiheit eingeschränkt.

Als die 32-jährige Frau in den Zeugenstand gerufen wurde, schien der Prozess zunächst voranzukommen. Zu der Schlägerei in Stadtallendorf im Mai 2016 erzählte sie, dass der Angeklagte in der Nacht noch zu ihr gekommen sei und ihr von dem Ereignis berichtet habe. Er selbst habe keine Verletzungen davongetragen.

Den Angeklagten habe sie über Facebook kennengelernt. Das müsse im Jahre 2015 gewesen sein, meinte sie. Der sei aus Belgien angereist und zu ihr gekommen. Anschließend nahm der Prozess einen überraschenden Verlauf. Die Hauptzeugin erklärte, dass sie ihre Anzeige zurücknehme. „Ich will nicht, dass er wegen mir bestraft wird“, sagte sie wörtlich. Sofort fragte Richter Dr. Thomas Wolf nach, ob sie Angst vor dem Angeklagten habe. Dies verneinte sie.

Daraufhin wurde die Sitzung unterbrochen und Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung führten ein Rechtsgespräch, welches jedoch keine Einigung brachte. Da die Zeugin zu keiner Aussage bereit war, beschloss das Gericht, ihr eine Anwältin beizuordnen, um sie rechtlich zu beraten. Um Aussagen zu einer Misshandlung und Freiheitsberaubung käme sie nicht herum, meinte der Richter. Mit Ladung zu einem neuen Termin wurde sie entlassen.

Das Gericht fuhr, nach einer längeren Unterbrechung, mit drei geladenen Zeugen fort. Eine Nachbarin berichtete von einem heftigen Streit in der Kirchhainer Wohnung. Sie hat gesehen wie ein Mann diese Wohnung verließ, konnte aber den Angeklagten nicht identifizieren. Es seien häufiger Männer da gewesen, die alle ganz ähnlich aussahen, erläuterte sie.

Polizisten berichten von mehreren Einsätzen

Ein Kind der Zeugin, welches mit ihrem Kind befreundet sei, war in der Tatnacht völlig verstört. Es habe berichtet, dass die Mutter mit einem Besenstiel geschlagen worden sei. Inzwischen hat sich das Jugendamt der Kinder angenommen und sie der Mutter entzogen.

Der Polizeibeamte, der noch in der Nacht des 25. April 2017 am Tatort war, berichtete, dass er die Wohnung in einem schlechten Zustand vorgefunden habe. Die Kinder seien im Kinderzimmer eingeschlossen gewesen. An der Frau habe er keine Verletzungen feststellen können. Sie habe ihm berichtet, dass der Angeklagte sie geschlagen und eingesperrt habe.

Ein weiterer Polizeibeamter berichtete von Ereignissen am 1. August gleichen Jahres. Er sei zu einer Kirchhainer Wohnung gerufen worden, weil eine Frau geschlagen würde. Er habe die geschädigte Frau weinend vorgefunden. Diese berichtete, dass sie mit ihrem Freund am 29. Juli Schluss gemacht habe. Er sei zu ihr gekommen, habe sie geschlagen, ihr Haare abgeschnitten und eingesperrt. Sie habe über Schmerzen im Rückenbereich und am Fußgelenk geklagt. Auf Nachfrage berichtete der Polizeibeamte, dass er keine der abgeschnittenen Haare in der Wohnung vorgefunden habe. Der Prozess wird fortgesetzt.

von Heinz-Dieter Henkel