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Bekommt Kirchhain einen Badesee?

Kiesabbau Bekommt Kirchhain einen Badesee?

Das teilten Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) und Bauamtsleiter Volker Dornseif vor dem Bau- und Planungsausschuss des Stadtparlamentes mit.

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Noch kann der Schwimmbagger bei Niederwald noch etwa ein Jahr lang Kies fördern. Dann wird das Kiesvorkommen an dieser Auskiesungsstelle erschöpft sei. Auf den nördlich gelegenen Landwirtschaftsflächen könnte für weitere fünf bis sechs Jahre Kies gewonnen werden.
Foto: Matthias Mayer

Niederwald. Der Bürgermeister sprach von einem unlösbaren Konflikt zwischen den Auskiesungsplänen und der unabdingbaren Gewährleistung für die Standsicherheit des Dammes. „Der Hochwasserschutz hat unbedingte Vorrang“, sagte Kirchner.

Volker Dornseif konkretisierte das Problem. Eine Auskiesung auf der Wasserseite des Dammes befördere die Gefahr eines hydraulischen Grundbruchs (Aufbrechen des Bodens durch strake Grundwasserströmung, die Red.), der wiederum die Standsicherheit des Dammes gefährde. So lange Cemex nicht den Nachweis erbringe, dass das Unternehmen alle Vorkehrungen gegen einen hydraulischen Grundbruch erbringe, sei nach Auskunft des Regierungspräsidiums eine bergrechtliche Genehmigung der Auskiesung im Rückhaltebecken nicht möglich, sagte Dornseif. Eine 1,5 Kilometer lange und 30 Meter tiefe Spundwand könne eine solche Vorkehrung sein, verdeutlichte Dornseif den enormen Kostenaufwand, mit dem eine Auskiesung an dieser Stelle verbunden sei.

Unterdessen drängt die Zeit, da die Vorräte im Kiessee nördlich der Kreisstraße nach Niederwald nur noch für ein Jahr reichen, wie Jochen Kirchner berichtete. Realistisch erscheine ihm derzeit nur die Ausweisung einer neuen Auskiesungsfläche im Dreieck zwischen dem jetzigen See, der Bundesstraße 62 und dem Radweg, der Niederwald mit der Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die B 62 verbindet.

Diese Lösung habe auch den Charme, dass Kirchhain auf diese Weise zu einem Badesee kommen könnte. Die jetzigen Wasserflächen der Stadt lägen ausnahmslos in Schutzgebieten. Nach dem Buchstaben des Gesetzes müsste die Stadt alle Erholungssuchenden von den Seen vertreiben. Baden sei wegen der fehlenden Flachwasserzonen ohnehin überall verboten. Die potenzielle Auskiesungsfläche läge außerhalb der Schutzgebiete, Ein Baggersee käme als Ersatz für das betagte Freibad in Frage, falls dieses eines Tages nicht mehr zu halten sei, erklärte Kirchner.

Gegen diese Vorstellung stellte sich ein Niederwälder Bürger. Im Ort seien rund 80 Prozent der Bürger gegen ein weiteres Wasserloch vor ihrer Haustür. Bei den betroffenen Grundeigentümern liege das Verhältnis bei 50:50. Außerdem merkte der Mann an, dass die Eigentümer der aktuellen Auskiesungsfläche die vertragliche Zusicherung besäßen, dass der See nach der Ausbeutung des Kiesvorkommens verfüllt und als landwirtschaftliche Fläche zurückgegeben werde.

Der Bürgermeister bezweifelte, ob eine Verfüllung tatsächlich möglich sei. Das liege zum einem an dem enormen Abbau- Volumen, das etwa der Masse der Amöneburg entspreche, zum anderem aber auch an den enorm gestiegenen Anforderung an das Füllmaterial. Da dieses mit dem Grundwasser in Berührung komme, sei keineswegs sicher, das für das Verfüllen beispielsweise Erdaushub von der A 49 verwendet werden dürfe.

Der Niederwälder Stadtverordnete Gerhard Wiegand stellte sich gegen die Perspektive, das Niederwald an einer Seite von vier offenen Wasserlöchern umgeben sein könnte. Dieses Szenario gefährde möglicherweise weise die Existenz einer auf ortsnahe Flächen angewiesene Niederwälder Landwirtsfamilie, die einen Aussiedlerhof betreibe. Wiegand forderte den Magistrat auf, in der Frage Auskiesung die Interessen der Niederwälder Bürger zu vertreten.

von Matthias Mayer

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