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„Bekomme ich hier auch Waschmittel und Brot?“

Neustadt-Treffen „Bekomme ich hier auch Waschmittel und Brot?“

Ständig klingelt bei Klaus Groll das Telefon. Drei Wochen vor dem großen Fest hat der Koordinator des 33. Neustadt-Treffens alle Hände voll zu tun – dennoch bleibt immer Zeit für einen netten Plausch.

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Klaus Groll, ein Hansdampf in allen Gassen, behält in aller Seelenruhe den Überblick über die Planungen für das große Neustadt-Treffen im September.

Quelle: Florian Lerchbacher

Neustadt. Das Büro könnte kaum vollgestopfter sein: Fahnen liegen auf Stühlen, die Wappen der 36 für das Treffen angemeldeten Neustadts stehen in einer Ecke vor einem Regal, in dem Werbeartikel wie Handzettel, Anstecker oder „Turmgeist“-Fläschchen stehen. An den Wänden hängen verschiedene Pläne, die Regale sind voll mit Ordnern, und auf zwei Schreibtischen türmen sich die Unterlagen. Herr über das wohlgeordnete Chaos ist Klaus Groll, dessen Telefon alle paar Minuten klingelt. „Ja?“ brüllt er in den Hörer. Wer den sanften Riesen nicht kennt, könnte in diesem Augenblick meinen, er habe es mit einem unfreundlichen und gestressten Menschen zu tun.

Doch der Koordinator des Neustadt-Treffens ist ganz anders: Geduldig, freundlich und selbst, wenn er alle Hände voll zu tun hat, immer offen für einen kurzen Plausch oder einen kleinen Scherz. Und selbst, wenn ihm mal wieder Arbeit gemacht wird, behält er die Ruhe und geht an die Arbeit. Erfahrung hat er genug: Er war schon im Jahr 1988 für das erste hessische Neustadt-Treffen zuständig. Die diesjährige Auflage bereitet er seit anderthalb Jahren vor, mit einem Aufwand von rund 50 Stunden pro Woche. Macht‘s Spaß? „Aber natürlich. Ich habe viel Freude und genieße es zu verhandeln und zu planen“, entgegnet Groll.

Die Pläne für die Veranstaltungen stehen, die Vereine sind eingeteilt, die Neustadt-Meile koordiniert. Was fehlt, sind noch Details. „Ich brauche noch Schildträger für den Festzug. Wahrscheinlich übernehmen das Mitglieder der Garde und Nachwuchsfußballer“, sagt er, lacht und betont: Einzig bei den Quartieren gebe es ein paar Schwierigkeiten. Für 500 Gäste musste er Übernachtungsmöglichkeiten finden: „Die Rechnung begleichen sie alle selbst“, ist Groll wichtig. 140 Neustädter kann er in der Ernst-Moritz-Arndt-Kaserne einquartieren – „kein Luxus, aber preisgünstig“ – den Rest bringt er im Umkreis von rund 25 Kilometern unter, zum Beispiel in Amöneburg, Emsdorf, Schrecksbach oder Dannenrod. Dazu organisiert er einen Busdienst, damit die Besucher das Fest voll auskosten können – und natürlich wird es verschiedene Linien geben: „Ich kann die Leut‘ ja nicht 45 Minuten über die Dörfer gurken lassen. Sie sind hier um zu feiern, nicht um Bus zu fahren.“

In den kommenden drei Wochen warten noch Feinarbeiten auf ihn: Die Verträge für die Musikkapellen liegen zur Unterschrift bereit, der Landeplatz des Hubschraubers muss noch gefunden werden und kostet wahrscheinlich zwei Nadelbäumen im Bürgerpark das Leben. Zudem schiebt er weiterhin einzelne Auftritte hin und her, schließlich brauchen die Musiker zum einen auch mal eine Pause und müssen zum anderen auch genügend Zeit haben, von einem Auftritt zum nächsten zu kommen. „Bekomme ich hier denn auch Waschmittel und Brot?“ fragt Kerstin Kandziora mit Blick auf ihren Notizzettel, der neben ihrer Einkaufsliste auch Fragen zum Standort der geplanten Ruheoase der evangelischen Kirchengemeinde enthält. „Nein“, entgegnet Groll knapp, der alle Fragen der Pfarrerin beantwortet hat, um voller Begeisterung wieder in die Planung einzutauchen und ausführlich über seine Pläne zu berichten, diesmal für den Stand „Neustadt in Amerika“ .

von Florian Lerchbacher

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