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Ostkreis Beirat wartet auf das Wort der Bürger
Landkreis Ostkreis Beirat wartet auf das Wort der Bürger
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20:35 23.04.2017
Einige Besucher wohnten der Sitzung bei und zeigten Interesse an einem Nahwärmenetz.Foto: Karin Waldhüter
Rüdigheim

Eine Abstimmung darüber, ob die Rüdigheimer eine von der Stadt Amöneburg finanzierte Machbarkeitsstudie für ein Nahwärmenetz auf den Weg bringen sollen, stellte Ortsvorsteher Bernhard Becker am Ende der Sitzung schließlich zurück. Stattdessen entschloss sich der Ortsbeirat auf Anregungen aus der Versammlung und von Magistratsmitglied Dirk Wieber, der in Vertretung des Bürgermeisters gekommen war, in vier bis sechs Wochen zu einer Bürgerversammlung einzuladen. Dann soll geklärt werden, ob es genügend Interessierte für eine Mitarbeit an dem Projekt gibt und sich, wie in Amöneburg, eine Initiativgruppe zur Datenerhebung gründet.

„Es ist wichtig, dass wir Leute finden, die sich Gedanken machen und an den Haustüren klingeln. Wenn sich nicht mal fünf bis sechs Leute finden lassen, die mitmachen, dann können wir es auch sein lassen“, betonte Wieber. Zuvor hatte sich Becker wenig optimistisch gezeigt. Er berichtete davon, unter dem Gesichtspunkt „Solarthermie und Holzhackschnitzelanlage“ eine Vielzahl der Haushalte persönlich abgeklappert zu haben. Am Ende hätten 21 Bürger mit ihrer Unterschrift Interesse bekundet, viele hätten aber „Nein“ gesagt.

Zur Ortsbeiratssitzung waren insgesamt 16 Besucher in den Treffpunkt gekommen, darunter viele, die sich bereits auf der Liste eingetragen hatten. Vier weitere Interessenten kamen am Ende der Versammlung noch hinzu. Viel Kritik gab es an diesem Abend in Richtung Bürgermeister Michael Plettenberg. „Die Wahl ist rum, danach hat sich der Bürgermeister nicht mehr sehen lassen“, kritisierte Becker.

Auch seine Frau, Ortsbeiratsmitglied Petra Becker, fand kritische Worte. „Ich wollte heute eigentlich nicht mehr hier sitzen und musste dazu überredet werden“, erklärte sie und kritisierte Bürgermeister Plettenberg als jemand, der die Nase hoch trage und sie nicht ernst nehme.

Möller-Forst: "Wir brauchen eine unabhängige Machbarkeitsstudie"

Zur Vorstellung ihres Energiekonzepts hatte der Ortsbeirat den Amöneburger Ortsvorsteher Sefa Elmaci, Ortsbeiratsmitglied Andreas Möller-Forst und dessen Frau Angelika Forst eingeladen. Intensiv beschäftigen sich die drei Amöneburger seit einiger Zeit mit dem Thema Energiegewinnung, -Nutzung und -Speicherung. Gespräche mit Unternehmen und in Wiesbaden wurden bereits geführt. Die Richtung für Amöneburg sei schließlich klarer geworden, so Andreas Möller-Forst.

„Wir brauchen eine unabhängige Machbarkeitsstudie - die mehr Arbeit macht, aber sinnvoller ist, als ein Konzept aus der Schublade zu ziehen“, sagte er. Es sei wichtig, eine unabhängige Studie zu bekommen, es gebe einen Blumenstrauß voller Möglichkeiten, so Möller-Forst.

„Gibt es Leute mit einer Photovoltaikanlage? Haben wir Strom über, können wir den Strom vermarkten, gibt es Personen, die sagen, wir haben das perfekte Dach für eine Photovoltaikanlage, die bereit sind, dieses zu vermieten?“, sagte Angelika Forst und betonte, es solle nach Möglichkeiten gesucht werden, „unseren Strom hier zu behalten“. Es gelte nun herauszufinden, ob Interesse im Ort an dem Projekt besteht.

Weiter berichtete Elmaci von der Entwicklung in Amöneburg. Dort hatte sich während der vergangenen Beiratssitzung eine Initiativgruppe gebildet, die zunächst Daten erheben wird, um dann zu beraten, ob eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht werden soll (die OP berichtete). Bisher habe sich die Gruppe einmal getroffen.

Es soll ein "Eltern-Kind-Treffen" im Jugendheim geben

„Es ist falsch zu sagen, wir sind gegen Holzhackschnitzel, gegen Solarthermie oder gegen Redox-Flow“, betonte Möller-Forst und appellierte an die Besucher, offen zu sein. Sowohl Möller-Forst als auch Elmaci sagten ihre Unterstützung zu. „Amöneburg hat es vorgemacht, Mardorf und Erfurtshausen auch, wir müssen jetzt Leute finden, die Unterstützung leisten“, hob Ortsvorsteher Becker hervor. „Der Ortsbeirat allein hat nicht die Kenntnisse, um zu sagen, wir machen das im Dorf“, erklärte er und sprach sich für eine Bürgerversammlung aus.

Petra Becker berichtete zum Ende der Sitzung über das Eltern-Kind-Treffen, an dem auch Großeltern teilnehmen können. Ein Treffen im Jugendheim sei möglich, erklärte sie. Zeit und Tag müssten noch festgelegt werden. Sobald der Termin feststeht, will sie im Dorf die Menschen persönlich informieren.

Kritisch diskutiert wurden auch die Themen „Komposthaufen Friedhof“, der Zustand der Spielplätze und des Weges zum Sportplatz. Dort sei es zu einem folgenschweren Sturz gekommen, allerdings habe die Betreffende nicht die Stadt informiert. Auch hinsichtlich der Lampe an der Bushaltestelle sei noch nichts passiert, genauso wie bei den beanstandeten losen Friedhofsplatten. Kritisiert wurde weiter, dass es im Treffpunkt kein Telefon mehr gebe.

von Karin Waldhüter

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