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Ostkreis Beim nächsten Mal droht Haftstrafe
Landkreis Ostkreis Beim nächsten Mal droht Haftstrafe
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19:15 27.12.2011
Der Tatort im Kirchhainer Bahnhofsgebäude. An dieser Metalltür traktierte der Angeklagte sein Opfer, einen säumigen Schuldner.  Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. Der 72-Jährige gehört nach der amtlichen Definition eindeutig zu den armen Menschen im Land. Gemeinsam mit seiner Frau bezieht er 800 Euro Rente im Monat und liegt damit nur knapp über dem Hartz-IV-Satz. Da tut es besonders weh, wenn man einem noch ärmeren Menschen 400 Euro leiht und statt der vereinbarten Rückzahlung von dem Schuldner immer nur vertröstende Worte bekommt.

In dieser Situation befand sich der Angeklagte, als er am 28. Januar 2010 gegen 10.30 Uhr im Kirchhainer Bahnhofsgebäude auf seinen Schuldner traf. Laut Anklage schlug er nach einem Streit mit seinem Spazierstock und einmal mit der Faust auf sein schmächtiges Opfer ein. Dafür war er per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt worden. Gegen diesen Strafbefehl hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt.

„Mein Mandant kann so viel einfach nicht bezahlen“, stellte Rechtsanwalt Gerhard Bretthauer gleich zu Beginn der Verhandlung klar, dass sich der Einspruch zuerst gegen das Strafmaß und nur begrenzt gegen den Tatvorwurf richtete.

Im Auftrag seines nur eingeschränkt der deutschen Sprache mächtigen Mandanten verlas Bretthauer eine Erklärung, wonach der Angeklagte im Zustand höchster Erregung sein Opfer mit dem Spazierstock geschlagen hat.

Das Opfer, das damals mit leichten Verletzungen (Schwellungen im Gesicht und eine kleine Platzwunde) davon gekommen war, konnte das unter Vorsitz von Joachim Filmer tagende Gericht nicht hören; der Mann ist verstorben.

Dafür sagte die einzige Tatzeugin im Zeugenstand aus.  Sie sei durch Schreie im Eingangsbereich des Bahnhofs alarmiert worden und habe gesehen, wie der Angeklagte sein Opfer mit einem Knüppel gegen eine Metalltür gedrückt und  dann einmal mit dem Knüppel aus nächster Nähe geschlagen habe. Daraufhin habe sie die Polizei herbeitelefoniert.

Joachim Filmer sah damit den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung als erwiesen an. Reinhard Hormel zeigte sich milde gestimmt und beantragte für beide Taten eine Gesamtgeldstrafe  in Höhe von 130 Tagessätzen à 15 Euro. „Anklage und Gericht haben zwei-, dreimal die Augen zugedrückt. Bei der nächsten Körperverletzung gibt es eine Freiheitsstrafe“, stellte Hormel klar.

von Matthias Mayer

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