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Bei zehn Fragen einer Meinung

OP-Wahlforum Bei zehn Fragen einer Meinung

Georg August Metz (SPD) will mehr Betriebe nach Neustadt holen. Amtsinhaber Thomas Groll (CDU) erklärte, dass er in den vergangenen sechs Jahren bereits zahlreiche „Klinken geputzt“ habe.

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OP-Chefredakteur Christoph Linne (eingeklinktes Bild) animierte auch das Publikum, Fragen an die Kandidaten zu stellen.

Neustadt. Was ist, wenn der Bau der A49 in Treysa endet? Welche Auswirkungen wird es für die Neustädter geben? Diese Frage beschäftigt die Bürger und war daher auch eines der Themen während des OP-Wahltalks am Donnerstagabend. Die beiden Kandidaten, Amtsinhaber Thomas Groll (CDU) und sein Herausforderer Georg August Metz (SPD), waren einer Meinung: Ein abschnittsweiser Bau der A49 würde Verkehrschaos nach Neustadt bringen und keinerlei Vorteile. „Ich würde den Tankstellen die Kunden gönnen, aber ansonsten sehe ich ein Ende in Treysa als Bedrohung an“, sagte Groll. „Da sind wir uns einig“, fügte Metz hinzu. Das Publikum - mehr als 350 Zuhörer waren gekommen- reagierte mit Applaus.

Auf Nachfragen aus dem Publikum, so etwa von Elke Dippel, erklärte Groll, dass er einen zeitlich befristeten Baustopp für akzeptabel hält. Ein Baustopp wäre aber nicht länger als zehn Jahre auszuhalten. „Ich würde gar keinen Zeitraum akzeptieren“, sagte Metz. Ein Baustopp werde aber mit Sicherheit eintreten, kritisierte Groll. In den betroffenen Straßen wie der Querallee oder Hindenburgstraße müsste in dieser Zeit ein Verbot für den Schwerlastverkehr gelten, schlug der Bürgermeister vor.

Ein weiteres Thema, das die Neustädter seit Jahren bewegt, ist das Haus der Begegnung. Beide Bewerber wollen einen Neubau, doch sie wissen, dass die derzeitige Finanzlage der Stadt dies nicht zulässt. „Ein Neubau wäre mit zwei bis drei Millionen Euro immer noch günstiger als eine Sanierung, die bis zu vier Millionen Euro kosten würde“, rechnete der SPD-Fraktionschef vor. „Wir könnten dieses Volumen stemmen, aber natürlich nicht gleich, weil wir solch eine Investition nicht genehmigt bekommen würden“, so Metz.

Es sei aber wagemutig, etwas zu planen, was in zehn Jahren realisiert werden könnte, meinte Groll. Wer wisse schon, was in zehn Jahren sei. Man müsse darüber nachdenken, ob man mit dem Landkreis zusammen die Halle der Waldschule abreißt und neu baut, alternativ an der Lehmkaute eine neue Halle baue oder die Sanierung auf wichtige Gebäudeteile beschränke. „Wir müssen Grundsatzentscheidungen treffen, wir brauchen Planungssicherheit“, sagte der CDU-Politiker. Er betonte, dass eine Sanierung aufs Notwendigste beschränkt werden müsste. Aber wenn das Dach zum Beispiel kaputt gehe, sollte man nicht länger warten. Ein weiteres Sorgenkind der Neustädter ist die Innenstadt. Der Handel habe sich von der Marktstraße in den Kaufpark verlagert, räumte Groll ein. Er habe aber in den vergangenen Jahren wieder Dienstleister in die Innenstadt „holen“ können. Metz versprach, dass er sich stärker als der Amtsinhaber um Gewerbeansiedlungen in Neustadt bemühen werde. Auf dem Kasernengelände könnte ein Handwerkerpark entstehen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass ihm die Anwerbung von Betrieben gelingen könnte. Mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer müsse man Unternehmer zu Geschäftsgründungen animieren.

„Die Belegung leerer Flächen ist die beste Unterstützung für die bestehenden Geschäfte“, so Metz. Auch durch mehr Veranstaltungen könnte mehr Frequenz in der Innenstadt erreicht werden. An dieser Stelle wurde Groll, der erklärte stets „Klinken zu putzen“ zynisch: „Es wird Milch und Honig fließen“, kommentierte er die Äußerungen seines Kontrahenten. Dennoch blieben beide Politiker während der zweistündigen Debatte sachlich und fair.

Die Moderatoren, OP-Chefredakteur Christoph Linne und Redakteur Florian Lerchbacher, achteten dabei durch Nachfragen, dass die Kandidaten in ihren Antworten möglichst konkret wurden. Lerchbacher zum Beispiel fragte beim Thema Ankurbelung des Tagestourismus nach: „Wie krieg’ ich meine Mutter dazu, dass sie Neustadt wieder besucht?“ Er erntete mit dieser Frage nicht nur Sympathie im Publikum, sondern auch einen Vorschlag: Es müsste einheitliche Wertgutscheine als Geschenk geben, die nur in Neustadt eingelöst werden, so Groll. Metz schwebt ein Mühlen­café vor - dafür müsste es aber einen Betreiber geben.

Ob beide ihre Vorstellungen verwirklichen können, wird am 20. Januar entschieden. In der Schluss-Fragerunde, bei der die Antwort nur Ja oder Nein lauten durfte, schlossen beide Kandidaten aus, dass sie im Falle einer Niederlage ein drittes Mal - also in sechs Jahren - antreten werden. Ob als Bürgermeister oder nicht: Groll versprach, Lerchbachers Mutter eine Stadtführung zu geben. Auch das sorgte für Erheiterung im Saal.

von Anna Ntemiris

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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