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Bei jedem vierten Unfall flieht der Verursacher

Polizei Bei jedem vierten Unfall flieht der Verursacher

Immer wieder kommt es auf Parkplätzen zu Unfallfluchten. Da sich die Zahl der Fälle in den vergangenen Wochen und Monaten im Ostkreis häuft, mahnt Polizeisprecher Jürgen Schlick: "Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt!"

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Das Höchstmaß der Unverschämtheit bei einer Unfallflucht: ein Zettel mit einer Entschuldigung und einem Smiley.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Wer schon einmal Opfer einer Unfallflucht geworden ist, weiß, wie ärgerlich es für den Betroffenen ist: Unverschuldet steht man plötzlich vor einem Schaden und muss zumeist komplett oder zumindest teilweise für die Reparatur aufkommen. Und das nur, weil ein anderer Autofahrer seiner Pflicht nicht nachgekommen ist und für das eigene Vorgehen Verantwortung trägt.

Jüngst meldeten Leidtragende der Polizei wieder zwei Fälle von Unfallfluchten: Bereits am Dienstag war ein Unbekannter zwischen 9.40 und 10 Uhr auf dem Edeka-Parkplatz in der Straße des 17. Juni gegen die rechte Seite eines silberfarbenen Skoda Octavia gefahren und hinterließ einen Schaden von 1000 Euro. Auf dem Parkplatz eines Mehrfamilienhauses in der Weilburger Straße krachte es am Donnerstag zwischen 10.30 und 21 Uhr. Der noch unbekannte Autofahrer war hinten rechts gegen einen schwarzen Opel Agila gefahren und verursachte einen Schaden von 800 Euro.

Die Polizei hofft nun auf Hinweise zu den Fällen - und weist gleichzeitig darauf hin, dass die Konsequenzen einer aufgeklärten Unfallflucht nicht gerade gering sind: „Erfahrungsgemäß wird ein ermittelter Fahrer von den Gerichten mit einer Geldstrafe und gegebenenfalls einer Führerscheinsperre belegt“, betont Polizeisprecher Jürgen Schlick und ergänzt: „In besonders schweren Fällen, zum Beispiel, wenn es zu Personenschäden kam oder im Wiederholungsfall, droht auch eine Freiheitsstrafe.“ Für Unfallflüchtige, die dann doch ihr Gewissen wiederentdecken, habe der Gesetzgeber eine Brücke gebaut, berichtet Schlick. Wer innerhalb einer bestimmten Frist einen geringfügigen Unfall nachträglich meldet, könnte unter Umständen auf Strafmilderung hoffen - oder gar ohne Strafe davonkommen: „In allen anderen Fällen aber gilt: Wenn auch nur die Möglichkeit besteht, dass man einen Unfall verursacht hat oder daran beteiligt war - egal ob als Fußgänger, Fahrradfahrer oder Kraftfahrzeugführer - muss man zunächst an der Unfallstelle warten, um eine Schadensabwicklung zu ermöglichen.“ Sollte nach einer angemessenen Zeit niemand kommen, sei die Polizei zu informieren.

„All das scheint diesen Autofahrern egal zu sein“, ärgert sich Schlick, erinnert an die Kosten für die Geschädigten und analysiert: „Meist haben die Fahrzeuglenker einfach Angst vor einer Hochstufung in der Versicherung und sie machen sich aus dem Staub, ohne an die Folgen zu denken.“

Die Unfallstatistiken der vergangenen Jahre zeigen: Jeder vierte Crash im Landkreis wird mittlerweile von der Polizei als Unfallflucht aufgenommen. Allein in Stadtallendorf registrierte die Polizei 288 Unfallfluchten im Jahr 2015. 107 Fälle klärten die Beamten auf. 2016 konnten die Ordnungshüter in 88 von 255 angezeigten Taten den Fahrer ermitteln.

Die Polizei in Stadtallendorf nimmt Hinweise zu den Fällen entgegen unter Telefon 06428/93050.

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