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Bei Soldatenausbildung droht Einschnitt

Bundeswehreinheit vor Auflösung Bei Soldatenausbildung droht Einschnitt

Aller Voraussicht nach laufen bei der ZAW-Betreuungsstelle in der Hessen-Kaserne die letzten Lehrgänge. Noch gibt es aber keinen amtlichen Auflösungsbefehl.

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Zwei Unteroffiziere arbeiten während ihrer Ausbildung an einer Drehbank. Archivfoto

Stadtallendorf. Zwischen 6 und 21 Monaten dauern die Lehrgänge der ZAW-Betreuungsstelle. Die Abkürzung ZAW steht dabei für "Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung". Am Ende verlassen Gesellen oder Meister die Hessen-Kaserne. Bisher, so schätzt es der Leiter der Betreuungsstelle Hauptmann Reinhold Richardt, waren es rund 5 000 Soldaten. Diese Zahl schließt die Zeit mit ein, als die Betreuungsstelle noch Fachausbildungskompanie gewesen ist.

Doch ob es diese Einheit in Stadtallendorf weiterhin geben wird, ist mehr als ungewiss. "Wir haben im Januar keinen neuen Lehrgang begonnen", sagt Richardt, das ist ein eindeutiges Zeichen, zumal klar war, dass nicht alle der aktuell 33 Betreuungsstellen erhalten bleiben.

Dabei blickt die Stadtallendorfer Einheit auf erhebliche Ausbildungserfolge zurück: Die Bestehensquote, auch bei der Meisterausbildung, war sehr hoch. Dass ein Teilnehmer durchfällt ist bei uns die Ausnahme, sagt Hauptmann Richardt. Vor wenigen Wochen endete ein Kurs für KfZ-Meister mit sehr guten Ergebnissen. Das ist auch ein Verdienst der engen Kooperation mit verschiedenen Bildungsträgern und von Unternehmen aus der Region. Bliebe alles so, wie es sich jetzt abzeichnet, dann gäbe es die ZAW-Betreuungsstelle ab dem Sommer nicht mehr. Das wäre auch ein erheblicher Verlust für die heimischen Bildungsträger: "Was dort wegbricht, wird so leicht nicht zu kompensieren sein", sagt Franz Niggemeyer vom Berufsförderungsdienst in Kassel. Eine Zahl macht dies deutlich: In Spitzenzeiten, die noch nicht weit zurückliegen, füllten die Lehrgänge der ZAW-Betreuungsstelle bis zu elf Hörsäle gleichzeitig.

Hessen-Kaserne leert sich zusehends

"Zwar bilden die ZAW-Betreuungsstellen die Kursteilnehmer gezielt für ihre künftigen Aufgaben bei der Truppe aus. Doch jeder, der eine zusätzliche Berufsausbildung hat, hat es leichter bei der späteren Wiedereingliederung ins Zivilleben", sagt Niggemeyer. Er ist sich aber auch darüber bewusst, dass das bundeswehrspezifische Wissen eines KfZ-Meisters nicht dem eines Meisters in einer zivilen Werkstatt gleichkommt. Wenn die ZAW-Betreuungsstelle so wie es absehbar scheint, aufgelöst wird, so stehen vor Ort nur wenige Soldaten vor einer Versetzung. Die Lehrgangsteilnehmer kommen aus allen Bundeswehr-Standorten und Verbänden nach Stadtallendorf. Für sie war die Hessen-Kaserne lediglich ein Unterbringungsort. Mehrere Gebäude wurden dafür genutzt.Ansonsten steht die Hessen-Kaserne weitgehend leer, lediglich ein Teil der Soldaten des Luftlande-Fernmeldebataillons der Division Spezielle Operationen (DSO) hatten dort Übergangsquartiere. Außerdem befindet sich das Standort-Sanitätszentrum in der Kaserne. Daher wird die Frage akuter, vor welcher Zukunft die Bundeswehrliegenschaft steht, die eigentlich vor zehn Jahren schon aufgegeben werden sollteGeneralmajor Jörg Vollmer, Kommandeur der DSO, will sich noch nicht festlegen lassen. Dennoch lässt seine Aussage Rückschlüsse zu: "Wir halten unverändert daran fest, dass wir das Standort-Sanitätszentrum komplett in die Herrenwaldkaserne verlegen", sagt Vollmer im Gespräch mit dieser Zeitung. Es komme jetzt darauf an, in diesem Jahr abschließend eine Entscheidung darüber zu fällen, was mit der Hessen-Kaserne passieren solle. Eine entscheidende Rolle, dass hatte Vollmer bereits im vergangenen Jahr betont, dürfte dabei auch spielen, wie viel Geld das Verteidigungsministerium dem Standort Stadtallendorf für Bau- oder Sanierungsarbeiten zuteilen wird. Das ist ebenfalls noch offen.

von Michael Rinde

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