Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Behörden lassen Aidswaisen warten

Kirchhainer engagieren sich Behörden lassen Aidswaisen warten

Während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Kenia haben Claus und Mareike Müller aus Kirchhain ihr Waisenhaus-Projekt weiter vorangetrieben.

Voriger Artikel
Noch in diesem Jahr rollen die Bagger
Nächster Artikel
Bewerber für den Festzug müssen sich jetzt sputen

Mareike Müller sitzt inmitten der Kinder, die in dieses neu errichtete Waisenhaus einziehen sollen. Dafür spendeten auch OP-Leser. Privatfoto

Kirchhain. Freudestrahlend tanzt das kleine Mädchen barfuß durch den Raum. Es reißt die Arme in die Luft und präsentiert glücklich ein schwarz-weiß gepunktetes Kleidchen. „Da haben wir gerade eine kleine Weihnachtsfeier für die Kinder organisiert und Geschenke verteilt“, erzählt Claus Müller, der das Foto im Dezember 2009 geschossen hat.

Seit 2008 bauen Claus und Mareike Müller im kenianischen Utange ein Aidswaisenhaus auf (die OP berichtete mehrfach). Zuletzt war das Ehepaar aus Kirchhain für drei Monate in Kenia. „Die Weihnachtsfeier im neu errichteten Waisenhaus war ein schöner Höhepunkt für die Kinder, aber auch für uns“, erzählt die ehemalige Krankenschwester Mareike Müller und schaut auf eines der vielen Fotos: Darauf zu sehen ist der kleine schüchterne Mohammed Ali, der staunend einen Plüschhasen betrachtet, dabei Limonade trinkt und lächelt. Dies sind die schönen Momente, aus denen das Kirchhainer Ehepaar Kraft schöpft. Denn die Vollendung ihres Lebenswerks ist vor allem eines: aufreibend.

„Mareike ist von einer Behörde zur nächsten gehetzt“, erzählt der 65-jährige Rentner. Seine 63-jährige Frau schaffte es sogar, den Premierminister Kenias zu treffen. „Ich hab‘ erfahren, dass er in der Pizzeria unseres Hotels sitzt und bin einfach hingegangen“, erzählt sie lächelnd. Regierungschef Raila Odinga, der in Magdeburg studiert hat, habe sich sehr für das „Shining Orphans“-Projekt interessiert und seine Unterstützung angeboten.
Müllers, die im September mit Hilfe des Rotary Clubs Marburg den gemeinnützigen Verein „Shining Orphans Deutschland“ gründeten, taten auch diesmal alles, um ihr Projekt voranzutreiben. Während sie in Deutschland noch auf die Eintragung des Vereins im Amtsgericht Marburg warten, ist in Kenia die offizielle Registrierung des Hauses bereits nähergerückt. Nachdem Mareike Müller mehrmals bei der Behörde vorgesprochen hatte, wurde das Waisenhaus auch „relativ schnell“ einer Inspektion unterzogen. „Sie haben nur wenige Mängel gefunden“, berichtet Claus Müller. So muss nun noch eine abschließbare Tür zwischen den Schlafraum der Jungen und dem der Mädchen eingezogen werden. Zudem muss noch etwas Land dazugekauft und eine Außentoilette errichtet werden, „falls das Wasser mal wieder knapp ist“, erläutert Müller.

Und Wasser ist meistens knapp. Im Dezember kauften Müllers einen 10 000-Liter-Wassertank für das Heim. „Wasser war allerdings keines zu bekommen“, berichtet Müller. Während vor zwei Wochen das Wetterphänomen „El Nino“ mit Regenfällen und Überschwemmungen eine Spur der Verwüstung durch Kenia zog, litten im Dezember viele unter der Dürre.

Wie auf allen ihren Kenia-Reisen wurden Müllers mit viel Leid konfrontiert. „Eines Tages kam eine Großmutter mit ihren drei Enkelkindern vorbei“, erinnert sich die 63-jährige Krankenschwester. „Die Mutter der Kinder war an Aids gestorben und die Oma konnte die Kinder nicht ernähren. Sie bat uns, die Kinder im Heim aufzunehmen“, sagt Müller und schaut nachdenklich drein. Noch können die rund 30 Waisenkinder nicht einziehen. Erst will das Jugendamt die Aidswaisen überprüfen. „Dabei wird gecheckt, ob sie wirklich keine Verwandtschaft mehr haben“, erzählt Mareike Müller. Der ostafrikanische Staat überprüft derzeit alle Waisenhäuser ganz genau, um gegen Missbrauch und Korruption vorzugehen. „Es gibt viele Waisenhäuser, die illegal gebaut wurden und wo die Betreiber das Schicksal der Kinder ausnutzen, um sich selbst zu bereichern“, weiß Müller. Von 800 überprüften Heimen seien schon 25 geschlossen worden, habe ihr eine Mitarbeiterin der Behörde erzählt. Dies habe zur Folge, dass die aus diesen Heimen geretteten Kinder in offizielle Heime umverteilt werden. „Die Frau hat jetzt schon Probleme, die vielen Aidswaisen unterzubringen“, erklärt Mareike Müller: „Sie ist froh, wenn unser Heim fertig ist.“

Froh werden vor allem die Aidswaisen sein, die im Hause „Shining Orphans“ (deutsch: strahlende Waisen) unterkommen. Bis dahin heißt es: Warten auf die noch fehlenden Genehmigungen und weiter auf Spenden hoffen.

Mehr Infos zum Projekt des Kirchhainer Ehepaars gibt es im Internet unter www.shiningorphans.com

von Nadine Weigel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Fußball

Mit dem Rewe-Cup 2009 unterstützen lokale Unternehmen und Vereine das Waisenhausprojekt Shining Orphans in Kenia.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr