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Ausstellung bringt die Stasi näher

Alfred-Wegener-Schule Ausstellung bringt die Stasi näher

Die Schülerinnen und Schüler der neunten und zwölften Klassen der Alfred-Wegener-Schule wurden von einer Mitarbeiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde über die Machenschaften der Stasi in der DDR informiert.

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Anne und Janis spielen in einer Szene die Stasi-Offiziere „Horch und Guck.“ Foto: Klaus Böttcher

Kirchhain. „Das Thema Stasi taucht immer wieder auf, in Filmen, in der Zeitung, in Gesprächen oder in der Familie“, sagt Petra Saar von der Erfurter Außenstelle der Stasi-Unterlagen-Behörde den Neuntklässlern in der Aula der Alfred-Wegener-Schule (AWS). Dann erklärt sie, was die Stasi war. Das Kürzel steht für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), das sich nach eigenem Selbstverständnis als „Schild und Schwert“ der SED empfand. „Das MfS sollte die Macht der SED (Sozialstische Einheitspartei Deutschlands) sichern“, erzählt Saar und ergänzt: „Die Stasi war kein normaler Geheimdienst, der nur Informationen aus dem Ausland sammelte, sondern auch eine Geheimpolizei zur Bespitzelung der eigenen Bürger.“

Die Stasi-Akten in ihrer Behörde ergäben aneinander gereiht ein Länge von 180 Kilometer, schildert sie den Bespitzelungsumfang. Weitere Zahlen verdeutlichen das. So habe es 91000 Stasi-Offiziere gegeben und dazu noch 189 000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM). Das waren von der Stasi angeworbene Bürger, die in der Schule, im Betrieb, im Verein oder sogar in der eigenen Familie Spitzeldienste leisteten und ihre Erkenntnisse bei konspirativen Treffen in konspirativen Stasi-Wohnungen an ihre Führungsoffiziere weitergaben.

Petra Saar, die selbst in der DDR aufgewachsen ist, erzählte von dem Leben in dem anderen deutschen Staat. Von den Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, von den Jungen Pionieren bis zur Freien Deutschen Jugend, von der Mangelwirtschaft in der DDR und dem dadurch bedingten Erfindungsreichtum, von den Umweltproblemen durch marode Betriebe, von dem Transitverkehr durch die DDR nach Berlin und von der Grenze zur Bundesrepublik.

Die Grenze in den Westen zu überschreiten galt als Straftat und wurde hart bestraft. Bei Fluchtversuchen kamen ungefähr 1000 Menschen ums Leben, sehr viele wurden schwer verletzt. 75000 Fluchten seien missglückt und 16000 vorher aufgeflogen, sagte Saar.

Die Referentin erläuterte die Struktur des Ministeriums und die Druckmittel, die die Staatssicherheit einsetzte, um inoffizielle Mitarbeiter zu gewinnen und die Nachteile, die denjenigen drohten, die keine Verpflichtung bei der Stasi unterschrieben.

Den Vortrag begleitete eine Ausstellung, die auch exemplarisch Geschichten erzählt, die hinter den Stasi-Akten stehen. „Hinter jeder Stasi-Akte steht eine Geschichte“, verdeutlichte Saar. In der Ausstellung geht es um drei Geschichten, die von Petra Saar und Marion Wagner zu szenischen Umsetzungen von Fällen aus MfS-Akten zum Lesen und Nachspielen für Schüler geschrieben wurden.

Janis und Anne aus dem neunten Schuljahr spielten eine Szene aus dem Stück „Anne in den Fängen der Stasi“ nach. „Wir spielen zwei Stasioffiziere, die einen Plan gegen eine Trampergruppe aufstellen“, erzählte Janis. Solche Pläne wurden im Stasi-Jargon „Operativer Vorgang“ genannt. „Wir haben gestern nur einmal geübt“, bekannte Anne. Sie bekamen die Szene als Offiziere „Horch und Guck“ - so wurde die Stasi von DDR-Bürgern genannt - dennoch gut hin, wie der Beifall ihrer Mitschüler zeigte.

von Klaus Böttcher

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