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Angeklagter zeigt späte Reue

Aus dem Amtsgericht Kirchhain Angeklagter zeigt späte Reue

Ein 27-Jähriger hat beim Neujahrsmarkt in Kirchhain – völlig betrunken – einen Mann zu Boden geschlagen und ihn danach mehrfach an den Kopf getreten. Die Strafe: sechs Monate Haft zur Bewährung.

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Vorm Amtsgericht Kirchhain musste sich ein 27-Jähriger für die Schläge verantworten, die er vor gut zwei Jahren sturzbetrunken auf dem Neujahrsmarkt in Kirchhain ausgeteilt hatte.

Quelle: Thorsten Richter

Kirchhain. Gut zwei Jahre nach dem Vorfall sitzt das Opfer, ein 23-Jähriger aus Stadtallendorf, gut erholt auf dem Zeugenstuhl im Kirchhainer Amtsgericht. Damals hatte der Mann eine Platzwunde über dem Auge erlitten und eine Verletzung am kleinen Finger, weil er sich die Hände schützend vors Gesicht hielt, als der Angeklagte auf ihn eintrat. Inzwischen sei all das aber gut verheilt, berichtet der Stadtallendorfer. Und: Er akzeptiert sogar die Entschuldigung des Mannes auf der Anklagebank. „Er hat mir einen Brief geschrieben, in dem er sich entschuldigt hat. Das war mir wichtig.“

Schon vor der Verhandlung ­haben sich Täter und Opfer außergerichtlich geeinigt: Der Stadtallendorfer bekommt 2 000 Euro Schmerzensgeld, außerdem werden ihm die gut 500 Euro Anwaltskosten für die Nebenklage erstattet. Nach seiner Aussage im Amtsgericht verlässt der 23-Jährige den Saal, für ihn ist die Angelegenheit damit erledigt. Das gilt nicht für den Angeklagten aus Rauschenberg.

Denn es hätte auch alles viel schlimmer ausgehen können, betont Richter Joachim Filmer: „Ein Tritt, der die falsche Stelle trifft, kann schon zu einer schwerwiegenden Behinderung oder sogar zum Tod führen“, sagt er. Und der Staatsanwalt erklärt: „Dann reden wir hier möglicherweise über Totschlag und eine Freiheitsstrafe im Bereich von zehn Jahren.“

Es war der Silvestertag 2016. Gegen kurz vor fünf Uhr morgens schlenderten die letzten Verbliebenen des Neujahrsmarkts durch Kirchhain. So auch der Angeklagte und sein Kumpel. Sie kamen gerade von der „KuRa-Party“ in der Bullenhalle und waren auf dem Weg in eine Kneipe. Schon früher am Abend hatten sie ordentlich vorgeglüht, danach weiter Jacky-Cola und Jägermeister getrunken. Was in den frühen Morgenstunden passiert sei, daran könne er sich gar nicht mehr erinnern. „Da ist ein Filmriss“, sagt der 27-Jährige vor Gericht.

"Schläge von vorne und von hinten"

Sturzbetrunken legten sich die beiden mit einer anderen Gruppe an. Die wollte in dieselbe Kneipe. Zu der gehörte auch das Opfer, das sich aus der Streiterei aber rauszuhalten versuchte. In der Kneipe gingen die Wortgefechte – deren Hintergründe vor Gericht nicht wirklich geklärt werden konnten – weiter. Deshalb ging der 23-Jährige nach nicht einmal einer halben Stunde wieder nach draußen, um auf seine Freunde zu warten. Das nächste, was er dann noch weiß: „Schläge von vorne und von hinten.“

Er ging zu Boden, der Angeklagte habe ihm danach mehrfach ins Gericht getreten. „Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Das war eine Katastrophensituation.“

Vor Gericht zeigt der Angeklagte Reue. „Es tut mir leid. Ich bin nicht so ein Mensch, habe mir vorher noch nie was zu Schulden kommen lassen.“ Seit der Tat trinke er nicht mehr so viel Alkohol.

Das Urteil lautet schließlich sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung. Auflage ist, die vereinbarten Zahlungen an das Opfer einzuhalten. Strafmildernd wertete das Gericht die verminderte Schuldfähigkeit durch den Alkohol und die außergerichtliche Einigung. Richter Joachim Filmer hat zum Ende noch einen guten Rat: „Sie sollten für sich selbst die Konsequenz ziehen, sich nie wieder in einen solchen Zustand zu bringen.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Fall war vor Monaten schon einmal vor dem Amtsgericht aufwendig fast bis zum Ende ausverhandelt worden. Die Beweislage erschien nach mehreren Zeugenaussagen eindeutig. Die Verteidigung hatte den Angeklagten auf Schweigen eingestellt. Und sie beantragte die Einführung weiterer Beweismittel, sodass es zu einer weiteren Hauptverhandlung kam. Genutzt hat es dem Angeklagten nicht.

von Yanik Schick

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