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Eine Stadt räumt auf

Folgen des Unwetters Eine Stadt räumt auf

Der Tag nach dem Unwetter stand vor allem in der schwer betroffenen Stadt Kirchhain ganz im Zeichen des Aufräumens und ­Organisierens.

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Am Morgen nach dem heftigen Unwetter laufen an der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain die ­Aufräumarbeiten auf Hochtouren.

Quelle: Nadine Weigel

Kirchhain. Schon am frühen Morgen waren am Mittwoch die Hämmer und Sägen zu hören. Dachdecker reparierten Dächer in der Fußgängerzone und am Bahnhofsgebäude. An der Alfred-Wegener-Schule (AWS) und der Grundschule Kirchhain begannen die Aufräumarbeiten und das Sichten der Schäden in den Gebäuden.

Am Dienstag, 7. August, kam es im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen. Grund waren heftige Gewitter, die einige Schäden hinterließen. 

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Ab 5.30 Uhr habe das eingerichtete Bürgertelefon minütlich geklingelt, berichtete Bürgermeister Olaf Hausmann. Die Feuerwehren bekämen Unterstützung vom städtischen Bauhof. Zudem hätten ortsansässige Bauunternehmen, Hessen Forst und die Nachbargemeinden ihre Unterstützung angeboten. „Alle sind sehr solidarisch“, freute sich Hausmann, der aufgrund des Unwetters früher aus seinem Urlaub zurückkehrte.

Hessen-Forst-Mitarbeiter kamen gestern vor allem im Anna­park zum Einsatz, wo der Sturm furchtbar gewütet hat. Der Park bleibt noch geschlossen. Auch das Freibad bleibt wegen der Schäden dicht. Heute soll auch dort Hessen Forst helfen. „Mit Glück können wir vielleicht zum Wochenende öffnen, wahrscheinlich wird es aber Anfang nächster Woche werden“, sagt Hausmann.

Hier alles zum Gewitter zusammengefasst

Hauptproblem vieler Kirchhainer ist derzeit der Müll aus vollgelaufenen Räumen, der weg muss. Das war gestern auch das zentrale Thema am Bürger­telefon. Die Stadtverwaltung will zwei Lösungen anbieten, Stand gestern Nachmittag: Für Kleinmengen werden an zwei Standorten Container aufgestellt. Außerdem sind Sperrmüllabfuhren zu festen Terminen geplant, an denen Betroffene ihren Müll vor die Haustür stellen können. Derzeit verhandelt die Stadtverwaltung die Einzelheiten mit Müllentsorgern.

AWS-Lehrer packen schon in der Nacht mit an

Am Dienstagabend hatte der Kreis als Schulträger entschieden, dass an der Alfred-Wegener-Schule und der Grundschule Kirchhain der Unterricht ausfällt. Ab heute soll es an beiden Schulen für alle Klassen wieder nach Stundenplan laufen, so die beiden Schulleiter Mario Michel (Grundschule) und Matthias Bosse (AWS) gegenüber der OP.

Sturzbäche, die das Schulgelände der AWS heruntergelaufen waren, haben zumindest in zwei Gebäuden größere Schäden angerichtet. Wie heftig nicht nur der Regen, sondern auch der Sturm am Dienstagabend gewütet hat, zeigt sich auf dem Sportgelände. Eine Hochsprungmatte war über den Zaun bis hin zum Hallenbadgelände geweht worden. Rund 50 Lehrer und Helfer arbeiteten vom Morgen an auf dem Gelände.

Einige Lehrer waren selbst zusammen mit der Feuerwehr im Nachteinsatz. Um 1.30 Uhr war der Katastrophenschutz-Zug aus Cölbe erst abgerückt. Neben der Sporthalle hat es vor allem das gerade sanierte Musikgebäude getroffen. Schulleiter Bosse zeigte auf die aus dem Rahmen gedrückte funkelnagelneue Eingangstür. Im Inneren sind Lehrer und auch ein Schüler mit Ausräumen und mit Putzen beschäftigt. „Leider sind auch etliche Instrumente zerstört worden. Die Keyboards sind wohl nicht mehr zu retten“, sagt Bosse. Zur Schadenshöhe wagt er noch keine Prognose.

Eines hat in jedem Falle funktioniert: Alle rund 1 600 Schüler der AWS erfuhren rechtzeitig vom Unterrichtsausfall. „Wir hatten mit 200 gerechnet, es kamen aber nur zwei, die die Nachricht nicht erreicht hat“, so Bosse. Alle Räume bis auf das Musikgebäude und die Sporthallen sollen ab heute wieder bereitstehen.

Bei der Grundschule Kirchhain war vor allem eines der vier Gebäude betroffen. Dort lief der Keller voll, zwei Fachräume traf es besonders. Sie können heute wohl noch nicht wieder genutzt werden. „Das ganze Kollegium hat angepackt beim Aufräumen“, sagt Schulleiter Mario Michel. An einem Dach gab es Schäden, die aber schon Mittwochmorgen repariert werden könnten. Das Buchlager stand ebenfalls unter Wasser, es war aber dank des Unterrichtsbeginns weitgehend leer. Sowohl Mario Michel als auch Matthias Bosse halten die Entscheidung, den Unterricht abzusagen, für richtig. „Sicherheit geht vor. So hatten wir auch die nötige Zeit, alle Schäden zu sichten und aufzuräumen“, sagt Bosse.

Ein Blick in die Nachbarstadt Stadtallendorf, wo das Unwetter ebenfalls wütete, aber bei weitem nicht das Schadensausmaß wie in Kirchhain erreichte. 82 Feuerwehrleute arbeiteten dort bis nachts um 1.30 Uhr 35 Einsätze ab. „Es ging, verteilt über das Stadtgebiet, vor allem um vollgelaufene Keller“, so Feuerwehrsprecher Dirk Mann. Unterführungen liefen ebenfalls voll.

„Im Vergleich mit Kirchhain haben wir Glück gehabt. Es gab keine größeren Schäden“, so Bürgermeister Christian Somogyi gestern gegenüber der OP.
In der Polizeistation Stadtallendorf musste der Keller leergepumpt werden. Auch beim Polizeiposten Kirchhain habe es Wasserschäden gegeben, dort sei das Kommunikationsnetz ausgefallen, berichtet Polizeisprecher Martin Ahlich.

  • Das Bürgertelefon, bei dem Unwetterbetroffene sich melden können, bleibt bis Freitag zwischen 7.30 und 16.30 Uhr  geschaltet. Die Rufnummer lautet 0 64 22/ 808-100.

von Michael Rinde

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