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Ostkreis Marsjahr und Perseiden: Den Sternen so nah
Landkreis Ostkreis Marsjahr und Perseiden: Den Sternen so nah
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00:16 14.08.2018
Florian Weber sitzt zusammen mit seinem Vater Ralf an seinem ersten eigenen Teleskop beim Amateur-Teleskoptreffen in Hertingshausen. Nachts beobachten sie Planeten. Quelle: Katja Peters
Hertingshausen

Er hat zwar das kleinste Teleskop oben auf dem Plateau in Hertingshausen, die Begeisterung für Planeten ist bei Florian Weber aber genauso groß wie bei den Erwachsenen. Der Neunjährige ist der jüngste Teilnehmer beim 16. Amateur-Teleskoptreffen, das noch bis Sonntag andauert.

Am liebsten beobachtet Florian Weber die Planeten. Sein ­erster war Jupiter, sein Lieblingsplanet ist der Saturn „weil er die Ringe hat“, sagt er. Und auch die Venus gehört zu seinen Lieblingen, „weil sie so oft am Himmel zu sehen ist.“
In diesem Jahr steht der Mars bei den Astronomen hoch im Kurs. Der rote Planet ist derzeit besonders gut zu sehen. Er braucht mehr als zwei Jahre, um die Erde einmal zu umrunden. Und er ist 58 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. „Das sind Zahlen, die sich ja kein Mensch vorstellen kann. Aber genau das ist das phänomenale an der Astronomie“, gerät Manfred Velte ins Schwärmen. Er ist der Kopf der Astronomie-Gruppe Lahn/Eder und Hauptorganisator des Treffens in Hertingshausen. „Das Herz ist entscheidend! Alles andere kann man lernen“, sagt der Marburger.

„Entweder man ist fasziniert oder nicht“

Alles andere, damit ist der Umgang mit den Teleskopen, das Zusammenspiel von Physik, Chemie und Navigation, die Nähe zur Natur gemeint. Und vor allem die Ruhe. Die genießt Wolfgang Ries zusammen mit seiner Frau auf dem Hochplateau. Er ist Mann der ersten Stunde des Amateurtreffens und reist extra aus der Nähe von Heidelberg an. „Entweder man ist fasziniert oder nicht“, sagt der 58-jährige Sachbearbeiter.

Und er ist fasziniert, schon seit seinem 14. Lebensjahr. Von seinem Konfirmationsgeld hat er sich sein erstes Teleskop gekauft. Seitdem wurde die Ausstattung stetig verbessert. Auch ihm haben es vor allem die Planeten angetan. Zuhause im Odenwald steht eine Gartenhütte, deren Dach er wegschieben kann. Bei freier Sicht kommt das Teleskop aus der Wohnung in die Hütte und er schaut zusammen mit seiner Frau in den Himmel.

Für Klaus Kamm ist das Aufbauen und Justieren ein wesentlicher Bestandteil seines Hobbys. Der pensionierte Mathe- und Physiklehrer aus Breidenbach entdeckte seine Begeisterung für die entfernten Galaxien während seines Studiums. Erst im Ruhestand ist er dann intensiver eingestiegen. Das Ausreizen seiner Technik ist ein weiterer Aspekt. Denn die Amateur-Teleskope sind um ein vielfaches kleiner, als die der Profis. „Die sind riesig, können bis zu einen Meter breit sein“, sagt der Hobby-Astronom. Sein Teleskop ist 14 Zoll breit, das entspricht 0,3 Meter. „Am schönsten ist es nachts, wenn der Himmel klar ist“, schwärmt Klaus Kamm. Er hat um drei Uhr ein Bild fotografiert auf dem der Licht­smog von Marburg zu sehen ist und daneben der Mars leuchtet. Faszinierend.

Jährlich wiederkehrender Meteorstrom

Morgens wird lange geschlafen, dann die Bilder bearbeitet oder Fachliteratur gelesen, damit sie auf die vielen Fragen der Besucher an diesem Wochenende auch Antworten haben.
Astronomie-Interessierte sind herzlich eingeladen auf das Hochplateau, um in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Perseiden zu beobachten. Das ist ein jährlich wiederkehrender Meteorstrom, der in den Tagen um den 12. August ein deutliches Maximum an Sternschnuppen aufweist.

Also, wer Wünsche hat, sollte den weißen Schildern mit der Aufschrift „ATB“ in Hertingshausen folgen. Florian Webers Wunsch, den er bei seinem ersten Besuch des Amateurtreffens  gen Himmel schickte, ist jedenfalls in Erfüllung gegangen: sein erstes eigenes Teleskop.

von Katja Peters