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Arbeitsauftrag: Aus Gelb mach Grün

Schwabendorfer Nahwärme-Versorgung Arbeitsauftrag: Aus Gelb mach Grün

In der politischen Farbenlehre ist Gelb derzeit überhaupt nicht angesagt. In Schwabendorf sollen jetzt alle Gelben ins Lager der Grünen geholt werden.

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Die Brachter Straße wird im Frühjahr saniert. Dann sollen dort auch die Nahwärmerohre verlegt werden.

Quelle: Matthias Mayer

Schwabendorf. Diesen Arbeitsauftrag gab Gunter Brandt, designierter Planer der Schwabendorfer Nahwärme-Versorgung, der Dorfgemeinschaft am Dienstagabend bei einer vierten Informationsveranstaltung zu diesem Projekt mit auf den Weg.

Was sich hinter diesem Farbenspiel verbirgt, zeigte Brandt anhand eines Schwabendorfer Ortsplanes, auf dem alle 56 anschlusswilligen Haushalte grün, und die 12 noch unentschlossenen Haushalte gelb markiert sind. Gelingt es, die zwölf noch unentschlossenen Hauseigentümer für das Vorhaben zu gewinnen, hat das erhebliche Auswirkungen für die Wirtschaftlichkeit des Projektes: Dann könnten die angeschlossenen Haushalte schon am Ende des kommenden Jahres mit einem Kostenvorteil von 15 Prozent gegenüber einer konventionellen Ölheizung heizen.

Dieser Kostenvorteil wachse in den kommenden 20 Jahren auf ein Drittel an, erklärte Brandt. Bleibt es dagegen bei den 56 Haushalten, startet die Genossenschaft Bioenergiedorf Schwabendorf nur mit einem geringen Preisvorteil gegenüber dem Heizöl. Diese Diskrepanz erklärt sich daraus, dass die Genossenschaft mit ihrem 3.413 Meter langen Nahwärmenetz und dem Wärmebedarf der 56 Abnehmer unterhalb der Grenze zur Förderungswürdigkeit bleibt.

Die verlangt eine bestimmte Wärmeabnahme pro 100 Meter Trassenlänge. Diese Grenze wird überschritten, wenn sich die zwölf unentschlossenen Haushalte anschließen lassen. „Das bringt uns auf einen Schlag 310.000 Euro Förderung bei einem nur um 150 Meter längerem Netz. Es lohnt sich dafür zu werben“, sagte der aus Einbeck stammende Physiker.

Die über Kredite zu finanzierende Summe reduziere sich dann für die Genossenschaft auf 806.500 Euro, die jährlichen Betriebskosten für Kapitaldienst, Rücklagen und Heizölkosten für den Spitzenlastkessel bezifferte Brandt auf 108.585 Euro.

„Wenn die Anlage erst einmal abbezahlt ist, kommt richtig Geld in die Kasse. Dann kann sich die Genossenschaft auch ganz andere Heiztechnologien leisten“, blickte Brandt vor 80 Schwabendorfern in die Zukunft. Mit einem solchem Ansturm hatte Ortsvorsteher Günther Aillaud überhaupt nicht gerechnet. Vor Beginn der von der siebenköpfigen Arbeitsgruppe um den Ortsvorsteher vorbereiteten Versammlung wurden noch Tische und Stühle herbeigeholt, um allen Interessenten Platz zu bieten.

Aillaud zeigte sich zuversichtlich, dass es noch gelinge werde, die zwölf Interessenten für das Projekt zu gewinnen. „Einige von den Gelben sind schon grün“, sagte Aillaud, der die Gründung der Genossenschaft für Ende September ankündigte. Bürgermeister Manfred Barth kündigte den Ausbau der Brachter Straße, die Hauptverteilstrang für das Nahwärmenetz werden soll, für das kommende Frühjahr an. Brandt riet dazu, die Ausschreibung für das Nahwärmenetz im Winter zu machen („Dann sind die Preise am günstigsten“) und mit dem Ende der Frostperiode mit dem Bau zu beginnen. Die Bauzeit schätzte er auf vier bis fünf Monate. „Bis zum Beginn der Heizperiode 2012 kann die Anlage längst fertig sein“, sagte Brandt. Die Biogasanlage der Familie Müller, die das Netz mit kostenloser Abwärme versorgen soll, wird schon Ende November dieses Jahres betriebsbereit sein. Das sagte Heinrich Müller gegenüber der OP.

„Wir liegen voll im Zeitplan“, sagte der Landwirt.

von Matthias Mayer

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