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Anklage: Vater schlug Tochter mit dem Hammer

Aus dem Gericht Anklage: Vater schlug Tochter mit dem Hammer

Wenn Richter Joachim Filmer vor einem Strafprozess die Wachtmeisterei um Durchsuchung des Angeklagten bittet, deutet das auf ein besonders brisantes Verfahren hin.

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Kirchhain. Ein 41-jähriger Familienvater aus Stadtallendorf musste diese Prozedur über sich ergehen lassen, weil er wegen brutaler Übergriffe gegenüber seiner Tochter angeklagt war. Die schwangere Tochter trat als Nebenklägerin und Zeugin in dem Verfahren gegen ihren Vater auf. Sie wollte das Gericht auf jeden Fall schützen.

Nach der Verlesung der Anklageschrift hatte sich am 18. November 2010 in der Stadtallendorfer Wohnung der türkischen Familie folgendes zugetragen: Der Vater hatte entdeckt, dass seine damals 17 Jahre alte Tochter trotz seines ausdrücklichen Verbots ein Handy besaß und mit diesem mit ihrem Freund, der nicht türkischer Abstammung ist, telefonierte. Der Mann rastete aus, beschimpfte seine Tochter als Hure und Schlampe, traktierte sie mit Ohrfeigen, Faustschlägen und Tritten gegen den ganzen Körper und den Kopf. Dann befahl er ihr, die Wohnung zu verlassen.

Todesdrohung gegenden Freund der Tochter

Der Familienvater folgte der jungen Frau in deren Zimmer, entdeckte dort einen Hammer, mit dessen spitzer Seite er auf Arme und Beine des Mädchens einschlug. Damit noch nicht genug: laut Anklage zwang er seine Tochter dann, ihren Freund anzurufen um ihm auszurichten, dass ihr Vater diesen umbringen werde. Dann zwang er sein Opfer noch dazu, sein Ausbildungsverhältnis telefonisch zu kündigen.

Schließlich befahl er ihr, zwei Stunden lang im Internet Videos anzuschauen, wie sich eine türkische Frau oder ein türkisches Mädchen nach seinen Wertvorstellungen zu verhalten habe. Nach dem Vater die Wohnung verlassen hatte, gelang der 17-Jährigen die Flucht. Noch am gleichem Abend wurde die wegen ihrer Hämatome und Platzwunden stationär im Marburger Uni-Klinikum aufgenommen und behandelt.

Die Anklagevorwürfe klingen unglaublich, und sie sind es nach Überzeugung des Verteidigers des Angeklagten auch. Dieser stellte eine ganze Reihe von Beweisanträgen. Zu diesen gehörte die Erstellung eines Gutachtens zur Glaubwürdigkeit der Tochter. Außerdem möchte der Verteidiger, dass im Gerichtssaal von Vater und Tochter die Angriffe vom 19. November 2010 vor den Augen eines medizinischen Gutachters nachgestellt werden.

Da der Gutachter zu dem Verhandlungstermin nicht geladen war, stand schon vor Verhandlungsbeginn fest, dass das Verfahren an diesem Tage nicht abzuschließen sein würde. Ferner stand fest, dass sich im prall gefüllten Sitzungskalenders des Kirchhainer Amtsgerichts innerhalb der gesetzlichen Frist kein Fortsetzungstermin finden lassen würde. Deshalb regte Richter Joachim Filmer an, die geladenen Zeugen zu vernehmen und deren Aussagen mit Billigung der Verteidigung, Nebenklägerin und der Staatsanwaltschaft im Fortsetzungstermin Anfang Mai zu verlesen.

Geburtsterminverzögert Verfahren

Dagegen legte wiederum die Anwältin der Nebenklägerin ihr Veto ein. Sie wolle ihrer Mandantin nicht eine zweifache Konfrontation mit ihrem Vater zumuten. Die junge Frau ergänzte, dass bei ihr die Gefahr einer Frühgeburt drohe. Eine Verhandlung im Mai zu spät, sagte sie mit Blick auf ihren Geburtstermin im Juni.

Die Prozessbeteiligten kamenüberein, das Verfahren ohne vor-herige Zeugenanhörung in den August zu verschieben. Wann der neue Verhandlungstermin sein wird, steht noch nicht fest. Das hängt vom Wohlergehen von Mutter und Kind ab.

von Matthias Mayer

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