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Angeklagter schweigt im Prozess um Kinderpornos

Aus dem Gericht Angeklagter schweigt im Prozess um Kinderpornos

Am 3. Februar 2016 soll ein 47-jähriger Stadtallendorfer laut Anklageschrift 69 kinderpornografische Bilddateien auf sein Notebook geladen haben. Bereits am Folgetag wurden diese bei einer Durchsuchung gefunden.

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Symbolfoto: Einem 47-Jährigen Mann aus Stadtallendorf wird vorgeworfen, Kinderpornos heruntergeladen zu haben.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Deshalb sollte sich der Produktionsarbeiter vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten. Das tat er aber nicht. Nach der Verlesung des Anklagesatzes erklärte der Verteidiger des Angeklagten, dass sein Mandant die angeklagten Taten bestreite und zur Sache nicht aussagen werde. Der Angeklagte begründe seine Unschuld damit, dass seine damals 18-jährige Tochter und seine Ehefrau neben ihm Zugang zu den Notebook hatten. Sie könnten genauso gut die verbotenen Dateien runtergeladen haben.

Verteidiger: Einige Motive seien doppelt

Die Verteidigung hatte die Ehefrau des Angeklagten und dessen Tochter mitgebracht, die im Gerichtsflur warteten. Unausgesprochene Hoffnung des Strafverteidigers: Die beiden Frauen würden als Zeuginnen gehört werden, würden als nahe Angehörige von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen, womit keinem aus dem mutmaßlichen Täterkreis die angeklagte Tat nachzuweisen wäre. Der Rechtsanwalt steckte in einer unangenehmen Situation. Ohne große Überzeugungskraft versuchte er dem Gericht näher zu bringen, dass unter den sichergestellten kinderpornografischen Dateien auch einige wenige Bilder seien, die den Missbrauch von Jungen zeigten. Diese könnten vielleicht auch Frauen interessieren, stellte er in den Raum. Zudem stellte er fest, dass unter den 69 Bildern einige Motive doppelt seien.

Massive Form des Missbrauchs an Kindern

Strafrichter Joachim Filmer ging darauf nicht ein. Die Bilder zeigten eine ganz massive Form des sexuellen Missbrauchs an Kindern. Wegen Eindeutigkeit der Bilder und der einschlägigen Vorstrafe des Angeklagten habe er ein Geständnis erwartet. „Ohne eine geständige Einlassung lade ich zu einem neuen Termin, zu dem ein teurer Sachverständiger bestellt wird. Für den neuen Termin sind für mich die Verfahrenskosten zweitrangig. Sie sollten ihrem Mandanten sagen, welche Kosten auf ihn zukommen“, redete der Richter Klartext.

Die geständige Einlassung kam nicht. Dafür erklärte die Verteidigung, dass ihr Mandant wisse, welche Kosten auf ihn zukämen. Der Arbeiter hatte sein monatliches Einkommen mit 1.400 Euro angegeben.

Einig waren sich Gericht und Verteidigung darin, dass die jetzt zu verhandelnde Straftat zusammen mit anderen Straftaten hätte verhandelt werden müssen. Zeitnah zum aktuellen Fall hatte sich der Angeklagte drei kleinen Mädchen in exhibitionistischer Weise gezeigt. Dafür wurde er verurteilt. Mit einer Gesamtstrafe für beide Komplexe wäre der Angeklagte günstiger davongekommen.

Neuer Verhandlungstermin frühestens im März

Die Einbeziehung des Kinderpornografie-Falls scheiterte damals an der Aussage der ermittelnden Polizei, dass sie Tausende Bilder sichten müsse. Dabei blieb unklar, ob die Zahl ­„Tausende“ für die 69 inkriminierten Dateien galt oder für die Bildermenge, unter denen die Beamten die kinderpornografischen Fotos heraussuchen mussten.

Eine neue Hauptverhandlung in dieser Sache wird frühestens im März angesetzt.

von Matthias Mayer

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