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Angeklagter muss 100 Euro zahlen

Wegen Verfolgungsjagd vor Gericht Angeklagter muss 100 Euro zahlen

In Langenstein stoßen die beiden Hauptstraßen Am Langenstein und Erksdorfer Straße spitzwinklig aufeinander. Treffen sich auf der Kreuzung talwärts zwei Autos, kann‘s gefährlich werden.

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Ein Fahrschullehrer hatte ein Schleppergespann verfolgt, nachdem dessen Fahrer die Vorfahrt genommen hatte.

Quelle: Holger Hollemann/dpa

Kirchhain. Am 17. März 2017 um 8.15 Uhr kam es zu einer solchen Situation, deren strafrechtliche Aufarbeitung vor dem Kirchhainer Amtsgericht erfolgte. Ein Fahrlehrer hatte den Fahrer eines großen Traktor-Gespanns angezeigt, weil dieser auf der besagten Kreuzung in rücksichtsloser Art und Weise seinem Fahrschüler die Vorfahrt genommen haben soll. Deshalb musste sich der Traktorfahrer wegen Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten.

Wie der Fahrlehrer als Zeuge berichtete, steuerte sein Schüler den Golf aus Richtung Emsdorf kommend über die vorfahrtsberechtigte Straße Am Langenstein in Richtung Ortszentrum. Der aus Richtung Erksdorf kommende Fahrer des Traktor-Gespanns überfuhr nach Wahrnehmung des Zeugens das Stoppschild und rauschte mit 40 bis 50 km/h über die Kreuzung. Aus seiner Sicht verhinderte ­allein eine Vollbremsung die Kollision mit dem Gespann.

Der Fahrlehrer übernahm laut seiner Aussage ab diesem Zeitpunkt die Regie über das Auto, das er vom Beifahrersitz steuerte, und verfolgte das Gespann. Die Verfolgungsfahrt ging fast durch ganz Kirchhain, ehe er das Vorhaben aus Sicherheitsgründen abbrach.

Ganz anders schilderte der Angeklagte den Vorfall. „Ich kenne die Situation in Langenstein in- und auswendig. Gefahr droht von rechts aus Richtung Emsdorf“, sagte er. Entsprechend vorsichtig sei er in die Kreuzung reingefahren. Er habe nicht gebremst, weil der Golf auf der Langensteiner Straße mit zehn Metern Abstand zu seinem Fahrzeug gestanden habe.

Schlepper kommt schnell zum Stehen

Sein 250-PS-Schlepper verfüge über eine Motor- und eine elektrische Bremse. Die Bremskraft erlaube einen extrem kurzen Bremsweg. Der Golf-Fahrer habe ihn vorlassen wollen, gab der Angeklagte seinen Eindruck wieder. Gestützt wurde dessen Einlassung durch die Aussage ­seines Gehilfen, der neben dem Schlepper-Fahrer in der Kabine saß.

Der gab an, dass bei dem Anhalte-Manöver vor der ­Kreuzung möglicherweise nicht alle Räder zum Stillstand kamen. Den Abstand zu dem Golf gab er mit sechs bis acht Metern an. Die von Richter Joachim Filmer vorgetragene richterliche Vernehmung des 27 Jahre alten Fahrschülers decke sich mit den Aussagen des Fahrlehrers.

Die Staatsanwaltschaft sah ihren Anklagevorwurf als bestätigt an und beantragte, den bis dahin unbescholtenen Angeklagten wegen Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à 40 Euro zu verurteilen und forderte eine neunmonatige Führerschein-Sperre.

Vorfahrtsverletzung ging Fehleinschätzung voraus

Rechtsanwalt Winand Koch bestritt den ­Gefährdungsvorwurf und sprach von einer Alltagssituation, die gefährlich werde hätte können. Er stellte keinen Antrag. Richter Joachim Filmer sah von einer Verurteilung nach Paragraf 315 des Strafgesetzbuchs ab. Dem Angeklagten sei kein eigensüchtiges Verhalten nachzuweisen.

Allerdings habe dieser eine Vorfahrtsverletzung begangen, die von Fehleinschätzungen geleitet worden sei: Der Golf-Fahrer hält an. Er lässt mich vor. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde habe der Fahrlehrer eine Gefahrenbremsung gemacht. Sonst hätte es geknallt, schrieb der Richter dem Angeklagten ins Stammbuch.

Wegen einer Ordnungswidrig-keit verurteilte der Richter den Angeklagten zu einer Geldbuße in Höhe von 100 Euro.

von Matthias Mayer

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